Simbabwe

HIV: “So viel hat sich verändert seit meiner Diagnose”

Die 44-jährige Prisca ist seit 2008 wegen ihrer HIV-Infektion in Behandlung. Als sie 2010 schwanger wurde, nahmen wir sie in unser Programm zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung auf: Dank der speziellen Behandlung kam Tochter Shamiso im Januar 2011 HIV-negativ zur Welt.

Seit unserem letzten Interview mit Prisca sind fünf Jahre vergangen. Jetzt haben wir sie wieder zu einem Gespräch getroffen. Ihre Tochter Shamiso ist ein fröhliches, gesundes Mädchen und geht mittlerweile zur Grundschule.

“Ich habe den HIV-Test 2008 in der Klinik in Epworth gemacht. Aus Angst davor, ausgestoßen zu werden, habe ich mit niemandem darüber gesprochen, nicht einmal mit Freunden. Ich schaffte es, eine Beratung in der Klinik zu bekommen, um mehr über die Krankheit zu erfahren. Doch das habe ich für mich behalten. 

Ich tat alles, damit meine Tochter sich nicht ansteckt

Als ich 2010 schwanger wurde, erzählte ich es Mitarbeitern der Klinik. Sie halfen mir dann, Nevarofen zu bekommen (ein Medikament, das die Gefahr einer HIV-Übertragung von der Mutter auf ihr ungeborenes Kind verringert). Ich tat alles, was die Ärzte mir sagten. Ich lies mich regelmäßig testen und nahm immer meine Medikamente, damit meine Tochter sich nicht ansteckt. Die Behandlung hat geholfen. Denn ich war HIV-positiv, doch als ich meine Tochter im Januar zur Welt brachte, wurde sie HIV-negativ getestet.

Meine Angst, dass mein Kind HIV-positiv sein würde, war groß. Ich hatte keine Hoffnung. Doch ich bekam Hilfe. Dadurch wurde mein Kind HIV-negativ geboren. 

Als Shamiso negativ getestet wurde, war ich überglücklich

Ich habe sie testen lassen, als sie neun Monate alt war. Da wurde mir klar, dass ich es geschafft hatte, das zu tun, was die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen mir gesagt hatte. Ich war so froh, ein Kind ohne HIV geboren zu haben.

Ich nehme die antiretroviralen Medikamente seit dem Test in Epworth im Juli 2008 bis heute ein. Ich fühle mich sehr stark und war bisher nicht krank. Anscheinend ist alles gut.

Seit meiner ersten Diagnose hat sich so viel verändert. Die Menschen sind jetzt eher bereit, sich testen zu lassen. Sie wollen wissen, ob sie krank oder gesund sind. Aus Angst haben sich diese Leute früher nicht einmal untersuchen lassen. Sie hatten solche Angst davor, getestet zu werden und durch eine Infektion krank geworden zu sein, dass sie oftmals erst kamen, wenn sie schon ganz schwach geworden waren: Sie wurden dann mit Schubkarren zur Klinik gebracht.

Die Menschen kommen nun freiwillig

Aber jetzt kommen die Menschen freiwillig zur Klinik und um ihre Medikamente einzunehmen. Es hat sich wirklich viel verändert. Wenn du deine Medikamente nimmst, kann das dein Leben retten. Es ist kein Todesurteil.

Bevor ich getestet wurde, ging es mir sehr schlecht. Ich fühlte mich krank, hatte Kopfschmerzen, Probleme mit meinen Zähnen und lauter Beschwerden, deren Grund ich nicht kannte. Aber nachdem ich begonnen hatte, die Medikamente zu nehmen, fühlte ich mich besser. Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich alles schaffen kann, was andere Menschen auch schaffen.

Ich nähe gern in meiner Freizeit, wenn ich etwas Stoff kaufen kann. Seit mein Mann gestorben ist, verdiene ich so das Geld, das ich brauche, um meine Tochter zu ernähren. Ich nähe meistens Unterröcke und verkaufe sie in meinem Dorf.

Es ist schwer für mich, mein Kind allein aufzuziehen. Wenn ich etwas zu Essen bekomme, reicht es oft nur für meine Tochter. Darum achte ich immer darauf, dass sie zuerst isst und noch etwas für die Schule übrig bleibt. Für mich ist es das Wichtigste, dass meine Tochter etwas zu essen hat.”

Ärzte ohne Grenzen ist seit November 2006 in Kooperation mit dem Ministerium für Gesundheit und Kinderfürsorge (MoHCC) in der Klinik in Epworth aktiv. In den vergangenen zehn Jahren wurden dort mehr als 30.000 Patienten aus Simbabwe kostenlos medizinisch behandelt. Neben der regulären Gesundheitsfürsorge steht für das dortige Personal die Behandlung tausender HIV-Patienten aus Epworth und dem Umland im Fokus. Es soll sichergestellt werden, dass Betroffene Zugang zu qualitativ hochwertiger und kostenloser medizinischer Versorgung haben. 

In den zehn Jahren seit Beginn des HIV-Programms ist die Häufigkeit der Infektion in Simbabwe deutlich gesunken. Der Höchsttand war im Jahr 2000 mit mehr als 30 Prozent erreicht. Aktuell liegt der Wert bei 15 Prozent. Außerdem haben sich heute mehr als 1.000 HIV-positive Menschen aus der Gemeinde zu Unterstützergruppen zusammengeschlossen. Sie holen auch abwechselnd den Nachschub an Medikamenten für alle beteiligen Patienten aus weiter entfernt liegenden Kliniken ab.

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