Kirgisistan

Kirgisistan: Ärzte ohne Grenzen hilft in Osch und Jalalabad sowie Flüchtlingen in Usbekistan

Angesichts der Gewalt im Süden Kirgisistans leisten Teams von Ärzte ohne Grenzen sowohl in Kirgisistan selbst als auch im benachbarten Usbekistan Hilfe. Sie unterstützen bei der Versorgung der vielen Verletzten in Krankenhäusern, bemühen sich aber auch um Zugang zu den Hunderten, die bislang keine medizinische Hilfe erhalten haben. Am Wochenende wird ein Charter-Flugzeug mit 30 Tonnen Hilfsgütern und zusätzlichen Mitarbeitern von Frankreich nach Kirgisistan aufbrechen.

„Unsere Teams in Osch und Jalalabad berichten noch immer von massiver Gewalt und immenser menschlicher Not", sagt Alexandre Baillat, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Kirgisistan. „Am Mittwoch hat unser medizinisches Team in Jalalabad beispielsweise 40 Verletzte behandelt, die in einem der Stadtviertel bislang ohne Hilfe waren. Die Hauptkrankenhäuser funktionieren, doch andere medizinische Einrichtungen müssen unterstützt werden. Wir konzentrieren uns außerdem darauf, Gemeinden ohne medizinische Versorgung zu erreichen. Viele der Verwundeten haben Angst, sich zu bewegen oder in eine Klinik zu gehen.“

Im kirgisischen Osch wurden zunächst lokale Krankenhäuser mit medizinischem Notmaterial versorgt. In Kürze wird dort ein medizinisches Team von Ärzte ohne Grenzen erwartet. Auch in Jalalabad ist Mitte der Woche ein Notfall-Team angekommen und hat mit der Verteilung von medizinischem Material an die dortigen Gesundheitseinrichtungen begonnen.

Dringender Bedarf an Hilfsgütern und psychologischer Hilfe

Am Freitag besuchten die Mitarbeiter ein Dorf nahe der usbekischen Grenze, in dem 8.000 Menschen Zuflucht gesucht haben. Die Vertriebenen haben fast nichts und brauchen dringend Decken, Zelte und Kochutensilien. Am Samstag soll ein weiteres Dorf mit 6.000 Vertriebenen erreicht werden. Hilfsgüter für 500 Familien werden am Wochenende von der kirgisischen Hauptstadt in die Region gebracht.

Im usbekischen Andijan an der Grenze zu Kirgisistan sind Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen seit Montag aktiv. Sie unterstützen die lokalen Behörden dabei, auf den Zustrom der Flüchtlinge zu reagieren. „Am wichtigsten sind die medizinische Versorgung, Nahrung und Zelte für notdürftige Unterkünfte", sagt Andreas Bruender, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Usbekistan. „In den nächsten Tagen werden wir zur Unterstützung der Bevölkerung weitere Mitarbeiter in die betroffenen Regionen schicken."

„Viele Flüchtlinge brauchen psychologische Unterstützung, da entweder Opfer oder Zeugen von Gewalt wurden – dazu gehören gezielte Tötungen, Gewalt gegen Familienmitglieder und die gezielte Zerstörung von Häusern. Die Behörden haben fünf mobile Teams aus Psychologen und Betreuern zusammengestellt, ein Experte für psychologische Hilfe von Ärzte ohne Grenzen hat mit dem Training dieser Teams zur Bewältigung von posttraumatischem Stress begonnen”, erklärt Alex Telnov, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Usbekistan.

Ärzte ohne Grenzen hat bisher zwei Lastwagenladungen mit Matratzen, Planen, Decken und Hygieneutensilien verteilt, die in Andijan eingetroffen sind. Weitere Hilfsgüter werden folgen. Kommende Woche wird ein Team von Wasser- und Sanitärexperten in Usbekistan eintreffen.

Ärzte ohne Grenzen betreibt seit mehreren Jahren Tuberkulose-Programme in Kirgisistan (seit 2006) und Usbekistan (seit 1997).

Teilen

Vervielfältigen