Mali

Mali: Kämpfe gehen weiter - Medizinische Nothilfe dringend benötigt

Seit April 2012 unterstützt Ärzte ohne Grenzen medizinische Einrichtungen in zwei der drei Regionen im Norden Malis, um den von der Krise betroffenen Menschen Zugang zu kostenloser medizinischer Versorgung zu ermöglichen. Aufgrund der Gefahren für die Sicherheit der Mitarbeiter ist es den Teams allerdings kaum möglich, auch in den ländlichen Gebieten zu helfen. Jeden Tag überqueren derweil weiterhin hunderte malische Flüchtlinge die Grenze nach Mauretanien. Für den Großteil der Bevölkerung im Norden Malis ist die Notsituation keineswegs vorüber.

Obwohl die kämpferischen Auseinandersetzungen mittlerweile vor allem in der weiter südlich gelegenen Region Kidal stattfinden, trauen sich viele Bewohnerinnen und Bewohner der ländlichen Gebiete aus Angst vor den Gefechten immer noch nicht, ihr Haus zu verlassen. „Wir können die Lage der Menschen außerhalb der Städte, in denen wir arbeiten, oft immer noch nicht evaluieren, weil die Lage zu unsicher ist“, erklärt die Notfallkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen, Rosa Crestani. Die Anspannung und das Misstrauen innerhalb der lokalen Bevölkerung erschweren die Einrichtung einer funktionierenden Gesundheitsversorgung weiter. „Wir befürchten, dass manche Menschen zu Hause eingeschlossen sind“, erklärt Crestani. „Für diese Menschen ist es schwierig, überhaupt an Nahrung zu kommen - und sie sind stark von Mangelernährung bedroht. Die Menschen dürfen kein Ziel gewalttätiger Auseinandersetzungen werden und müssen in der Lage sein, die lebensnotwendigen medizinischen und humanitären Hilfsleistungen sicher zu erreichen.“

Flucht aus Angst

In den letzten elf Monaten mussten tausende Bewohnerinnen und Bewohner der nördlichen Regionen Malis aus Angst vor Gewalt in das Landesinnere oder in Nachbarländer fliehen. Dies gilt insbesondere auch für einige wichtige und qualifizierte örtliche Mitarbeiter in den Hilfsprojekten. „Der Konflikt hat die Situation in unseren Einrichtungen weiter verschärft - die Lage war aufgrund der Knappheit an Medikamenten ohnehin schon bedenklich“, erklärt Rosa Crestani.

Timbuktu: Mehr als 50.000 Untersuchungen

Ärzte ohne Grenzen leistet seit April 2012 gemeinsam mit malischen Mitarbeitern im regionalen Krankenhaus von Timbuktu im Norden Malis Hilfe. Seitdem wurden mehr als 50.000 Untersuchungen durchgeführt und 400 Geburten begleitet. Zudem konnten fünfzig verwundete Patienten in dem Krankenhaus oder den Gesundheitszentren in den umliegenden Gebieten behandelt werden. Aus den Distrikten Niafounké und Gourma Rharous werden außerdem akute Notfälle an das von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Krankenhaus in Timbuktu überwiesen.

Unterstützung für Gesundheitszentren

In der zentral gelegenen Region Mopti unterstützt Ärzte ohne Grenzen ein Gesundheitszentrum in Konna und ein größeres Gesundheitszentrum in Douentza, an das auch Patienten aus den umliegenden Regionen verwiesen werden. Seit November 2012 waren dort fast 8.000 Menschen in Behandlung von Ärzte ohne Grenzen. Im Osten des Landes, in Gao und Asongo, wurden seit September fast 1.500 Patienten behandelt.„Wir behandeln vor allem Malaria, Atemwegsinfektionen und leisten Geburtshilfe. Als Arzt in einer solch konfliktgeprägten Region zu arbeiten, bedeutet nicht nur Verwundete zu behandeln - sondern auch, dafür zu sorgen, dass eine Mutter in einem sicheren und hygienischen Umfeld ihr Kind zur Welt bringen kann“, sagt Crestani.

Hilfe in den Nachbarländern Burkina Faso, Mauretanien und Niger

Fast 170.000 Flüchtlinge haben die Flüchtlingslager in den Nachbarländern Burkina Faso, Mauretanien und Niger erreicht. Auch dort hilft Ärzte ohne Grenzen, eine medizinische Grundversorgung zu gewährleisten und schwerwiegende Erkrankungen zu behandeln. In den letzten drei Monaten hat Ärzte ohne Grenzen in diesen drei Ländern fast 12.000 Konsultationen durchgeführt und 5.000 Impfungen verabreicht. Mauretanien ist das Ziel der meisten Flüchtlinge: Im Lager in Mbera leben momentan fast 70.000 Menschen. Am Grenzübergang in Fassala überqueren zeitweise rund 300 Menschen täglich die Grenze von Mali nach Mauretanien.

Momentan arbeitet Ärzte ohne Grenzen in Mali in Timbuktu, Niafounké, Gourma Rharous, Gao, Ansongo, Douentza und Konna. Seit 2009 betreibt die Organisation außerdem ein Hilfsprogramm für Kinder in einem 350-Betten-Krankenhaus und in fünf umliegenden Gesundheitszentren in Koutiala, einem Distrikt im Süden des Landes. Für die Aktivitäten, die in Zusammenhang mit dem Konflikt im Norden Malis stehen erhält Ärzte ohne Grenzen keinerlei Unterstützung von Regierungen. Die Arbeit wird ausschließlich durch private Spenden und Zuwendungen finanziert.

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