Mauretanien

Malische Flüchtlinge strömen nach Mauretanien

Nouakchott/Wien, 19. April 2012. Seit Ende Jänner haben rund 57.000 Menschen aus Mali das Flüchtlingslager Mbéra in Mauretanien erreicht. Die Zahl der Flüchtlinge steigt ständig, von 200 Ankömmlingen am 5. April auf derzeit 1.500 pro Tag. Als  Reaktion auf diesen enormen Zustrom verstärkt Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) die medizinische Nothilfe in dem Wüstengebiet, in dem der Zugang zur medizinischen Versorgung extrem eingeschränkt ist.

Kämpfe zwischen der malischen Armee, Tuareg-Gruppierungen und anderen bewaffneten Gruppen zwingen tausende Menschen zur Flucht nach Fassala in Mauretanien, drei Kilometer von der malischen Grenze gelegen. „Die Anwesenheit von bewaffneten Gruppen und die politische Unsicherheit in Mali versetzen die Bevölkerung in Angst und Panik”, berichtet Elisabetta Maria Faga, die Einsatzkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen. Die Flüchtlinge sind vor allem Tuareg-Familien aus der Region um Timbuktu. „Sie kommen hier nach einer zweitägigen Reise auf dem Lastwagen völlig erschöpft an”. Im Lager Mbéra, im Herzen der Sahel-Zone und sechs Fahrstunden entfernt vom nächstgelegenen Referenzkrankenhaus in Nema, leistet Ärzte ohne Grenzen Basisgesundheitsversorgung, Mutter-Kind-Versorgung und behandelt unterernährte Kinder. Die Teams unterstützen auch die lokale Bevölkerung, indem sie Gesundheitsposten in der Region betreiben. „Durch den fehlenden Zugang zu Wasser, die extremen Temperaturen und häufige Sandstürme leiden viele Menschen an Atemwegsinfektionen und an Durchfall”, sagt Jean-Paul Jemmy, der medizinische Koordinator von Ärzte ohne Grenzen.

Bedarf an Hilfe steigt

Mit der Zahl der Flüchtlinge steigt auch die Notwendigkeit, die Lebensbedingungen im Lager rasch zu verbessern. Derzeit gibt es 100 Latrinen für 57.000 Flüchtlinge, und es stehen nur neun Liter Wasser pro Person und pro Tag zur Verfügung. Die Bedingungen liegen damit unter den humanitären Standards, die 20 Liter Wasser pro Person und Tag sowie eine Latrine für 20 Menschen vorsehen. „Wir erwarten in den kommenden Wochen nochmals mehrere Tausend Flüchtlinge. Bei diesem steten Zustrom von Menschen müssen wir schnell und effizient handeln um Nothilfe zu leisten. Wir müssen ausreichend für Unterkünfte, Wasser und Hygiene-Einrichtungen sorgen und die allgemeine medizinische Nothilfe verstärken“, sagt Jean-Paul Jemmy.

Ärzte ohne Grenzen hat in Fassala und Mbéra seit Februar mehr als 8.500 Menschen medizinische versorgt. Die Organisation hat auch in Niger und Burkina Faso malische Flüchtlinge versorgt. Im Norden Malis (in Timbuktu, Gao, Kidal und Mopti) bieten die Teams von Ärzte ohne Grenzen den Menschen, die vor der Gewalt geflüchtet sind, medizinische Grundversorgung.

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