Mauretanien

Mauretanien: Malische Flüchtlinge brauchen weiterhin Unterstützung

Seit Februar 2013 betreuen unsere Teams 75.000 Flüchtlinge aus Mali im Lager Mbéra in Mauretanien. Auch Dr. Louis Kakudji Mutokhe arbeitet dort. Im Interview berichtet er, dass die Situation nach wie vor besorgniserregend ist und dass die Spannungen im Norden es unwahrscheinlich erscheinen lassen, dass die Flüchtlinge nach Mali zurückkehren werden. Wegen des beträchtlichen Bedarfs an Hilfe baut Ärzte ohne Grenzen die medizinischen Aktivitäten aus.

Kann man davon sprechen, dass die Situation unter Kontrolle ist?

Trotz vieler Bemühungen der letzten Monate bleibt die Situation besorgniserregend. Es ist unwahrscheinlich, dass die Flüchtlinge in naher Zukunft nach Mali zurückkehren werden. Obwohl einige Familien zurückgekehrt sind, begünstigen die Spannungen im Norden des Landes nicht gerade eine freiwillige Rückkehr der Flüchtlinge. Die Familien, die hier ankommen sind, sind verängstigt. Sie weigern sich, ins Lager zu gehen und bleiben lieber in Fassala, einem Dorf an der Grenze zu Mali. Gleichzeitig fürchtet sich der Großteil der Flüchtlinge, die 2012 hier angekommen sind, aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen davor, zurückzukehren.

Die Lebensverhältnisse im Lager sind prekär. Trotz der deutlichen Verbesserung der Nahrungsmittelverteilung bleiben diese unzuverlässig. Einmal pro Monat erhalten Kinder zwischen sechs und 24 Monaten Lebensmittelrationen, die CSB ++ enthalten (ein Mischung aus Milch, Öl und Zucker). Diese sind lebenswichtig für ihr Wachstum und beugen Mangelernährung vor. Aufgrund der fehlenden Ressourcen innerhalb der Familien werden diese Rationen allerdings häufig mit anderen Kindern geteilt. Aus diesem Grund verteilt Ärzte ohne Grenzen zusätzlich spezielle Ernährungs-Kekse an Haushalte, in denen eines der Kinder an Mangelernährung leidet. Es bleiben strukturelle Gründe für Mangelernährung bestehen, und das macht es schwierig, superoptimistisch zu bleiben.

Hat sich die Ernährungssituation seit dem letzten Zustrom von Flüchtlingen im Januar verbessert?

Im Januar hatte sich die Situation sehr verschlechtert, da es nach erneuten Kämpfen in Mali einen Zustrom von Flüchtlingen gegeben hatte. Seitdem ist die Ernährungssituation besorgniserregend geblieben, die Zahl der Mangelernährten ist alarmierend. Jeden Monat verzeichnen die Ernährungszentren von Ärzte ohne Grenzen durchschnittlich 330 schwer mangelernährte Kinder, und täglich sind etwa zwölf Kinder in Gefahr zu sterben. Glücklicherweise verlassen aber 85 Prozent der aufgenommenen Kinder gesund unser Programm.

Begegnen Sie anderen Problemen?

Während der Regenzeit, wenn die Straßen schlammig sind, ist es manchmal schwierig, das Lager in Mbéra zu erreichen. Durch verschiedene Maßnahmen versuchen wir vorzusorgen: Wir befestigen die Gebäude, damit sie Wasser- und Sandstürmen standhalten, treffen Vorbereitungen, um bei Malariausbrüchen reagieren zu können und bekämpfen Durchfall- und Atemwegsinfektionen, die die Hauptursache der Todesfälle hier sind. Wir versuchen den Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen zu verbessern und ermutigen die Bevölkerung, sich frühzeitig untersuchen zu lassen usw.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass wir beim medizinischen Personal einen Engpass haben. Ärzte ohne Grenzen hat zurzeit Schwierigkeiten, qualifiziertes medizinisches Personal für das Lager in Mbéra, zu finden, das mitten in der Wüste liegt. Dies wäre allerdings die Grundvoraussetzung, um die medizinische und Ernährungssituation der Flüchtlinge zu verbessern.

Welche Maßnahmen hat Ärzte ohne Grenzen bislang ergriffen, um die medizinische Situation zu verbessern?

Um bessere medizinische Versorgung zu gewährleisten, haben wir einen dritten Gesundheitsposten in der erweiterten Zone des Flüchtlingslagers gebaut. Mehr als 1.800 Patienten können uns so täglich erreichen. Die größere Auswahl an Behandlungsmöglichkeiten, die Stärkung der Fähigkeiten unseres Personals und die verstärkte Aufklärungsarbeit im Flüchtlingslager haben es uns ermöglicht, effektiver zu arbeiten. Kinder werden zeitiger ins Krankenhaus gebracht, und wir können so eine laufende Behandlung ermöglichen.

In Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium und UNICEF haben wir zudem Impfteams in den Gesundheitseinrichtungen integriert, um Routineimpfungen durchzuführen: Diphtherie, Poliomyelitis, Tetanus, Masern und Keuchhusten. Es ist ein einfacher Weg, um Krankheiten zu vermeiden und Kinder zu schützen. Zum Einsetzen der Regenzeit rechnen wir mit einem Anstieg bei den Malaria-Patienten. Daher werden rund 45.000 imprägnierte Moskitonetze im Lager verteilt werden.

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