Jordanien

Notfallchirurgisches Programm im Al Ramtha Krankenhaus

Die Stadt Al Ramtha im Norden Jordaniens liegt nahe der Grenze zu Syriens südlichem Bezirk Dara, wo sich einige der schwersten Kämpfe des Syrien-Konflikts zutragen. Die Mehrheit der Kriegsverletzten sucht das Ramtha Krankenhaus in Jordanien auf, eine Einrichtung des Gesundheitsministeriums, weniger als 5km von der nächsten Grenze entfernt. Ärzte ohne Grenzen hat im Ramtha-Krankenhaus ein Notfall-OP-Programm mit zwei Operationssälen, Erholungsräumen und zwei Stationen mit insgesamt 33 Betten eingerichtet.

„Ich war gerade dabei, etwas aus dem Auto zu holen, als ich das Geräusch von Schüssen und Bomben hörte. Ich sagte mir, ich muss wo hinein gehen. Bevor ich es geschafft hatte, war die Gegend bombardiert. Ich konnte eine Minute lang nicht atmen, dann begann ich zu schreien und nach meinem Vater zu rufen. Er brachte mich in ein provisorisches Krankenhaus. Ich erinnere mich an nichts, was danach geschah. Ich hatte solche Schmerzen, ich schlug mir ins Gesicht vor lauter Schmerzen", erzählt der 12-jährige Qusay, Patient von Ärzte ohne Grenzen aus Dara, Syrien, der beide Beine verlor.

Lebensrettende Operationen

Seit der Eröffnung des Notfall-OP-Programms im September 2013 hat Ärzte ohne Grenzen 309 lebensrettende Operationen an über 140 PatientInnen durchgeführt, einschließlich Menschen, die mehrere Amputationen benötigten und mit schweren Bauch-, Brust-und orthopädischen Verletzungen eingeliefert wurden.

„Ich habe vier Töchter und zwei Söhne. Es war fast 17 Uhr. Wir wollten gemeinsam mit Freunden vor dem Haus sitzen und dann in die Moschee beten gehen. Fünf Minuten später wurde ein Ort in der Nähe mit Raketen bombardiert. Wir haben Menschen schreien und weinen gehört und bereiteten uns darauf vor, Erste Hilfe zu leisten, als wir selbst von einer Rakete getroffen wurden. Als ich aufwachte, war ich in Jordanien. Ich wusste nicht, was passiert war. Mein linkes Bein war amputiert. Meine Hände und mein rechtes Bein waren gebrochen. Ich dachte, dass ich tot sei. Ich konnte mir nicht vorstellen, noch am Leben zu sein. Ich weiß nicht einmal, wer mich hier her gebracht hat. Meine ganze Familie lebt noch in Syrien, ich weiß nicht, was mit ihnen passiert ist. Ich habe es nicht geschafft, sie anzurufen. Meine Familie dachte ich wäre tot", ein 41-jähriger Patient aus dem Bezirk Dara in Syrien.

Behandlungen für Opfer des Krieges

Die meisten Verletzten besuchen zunächst eines der 14 provisorischen Krankenhäuser im Bezirk Dara, mitten im Kriegsgebiet. Sie kommen in der Regel über ein Netzwerk von syrischen ÄrztInnen zu  Ärzte ohne Grenzen , die in Ramtha stationiert sind und logistische Unterstützung für Menschen in Jordanien leisten sowie im direkten Kontakt mit den provisorischen Spitälern stehen.

„Das ist ein Projekt für die Opfer des Krieges, insbesondere Kriegsverletzte, die die Grenzen von Syrien nach Jordanien überqueren", sagt die medizinische Leiterin in Ramtha, Dr. Amber Alyan. „Patienten kommen über die Grenzen, nachdem sie im Krieg verwundet wurden. Dort erfolgt eine Triage, wo bestimmt wird, ob sie die Grenze nach Jordanien überqueren können oder nicht. Ärzte ohne Grenzen nimmt rund 80% der PatientInnenen, die aus Syrien kommen, in Ramtha auf. Als wir mit diesem Projekt begonnen haben, rechneten wir ein bis zwei Operationen pro Patient. Da es sich allerdings um so schwere Fälle handelt, benötigen viele vier bis fünf Operationen."

Rehabilitation und psychologische Betreuung

Langfristige Maßnahmen für die Verletzten beinhalten oft Rehabilitation wie Prothesen (künstliche Gliedmaßen) und Physiotherapie. Ärzte ohne Grenzen verweist diese Menschen an Handicap International. Viele der Betroffenen benötigen auch eine längerfristige psychologische Betreuung, einige Bedürfnisse werden von anderen NGOs in Jordanien abgedeckt.

Kriegsverwundete im Al Ramtha Regierungskrankenhaus sind nicht als Flüchtlinge in Jordanien registriert. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus kehren einige zurück nach Syrien, sollten sie keine medizinische Weiterbetreuung benötigen. Andere suchen Zuflucht in einem der Flüchtlingslager in Jordanien, zum Beispiel in Al Zaatari in Mafraq. Manche werden auch von einer jordanischen Familie unterstützt und dürfen als Gast in deren Gemeinde leben.

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