Griechenland

Polizei zerstört Übergangslager in Patras

Ärzte ohne Grenzen ist sehr besorgt über die humanitäre und medizinische Situation der Flüchtlingen und Asylsuchenden, die nach dem Abriss des Übergangslagers durch die Polizei in Patras heimatlos geworden sind. Gleichzeitig macht sich die Organisation Sorgen um die im Zuge des Abrisses verhafteten Migranten und fordert die Behörden auf, menschliche Lebensbedingungen und Zugang zu medizinischer Hilfe zu gewährleisten.

„Viele der Menschen, die jetzt obdachlos geworden sind und verhaftet wurden, waren lange Zeit unsere Patienten. Wir sind sehr über ihre Situation besorgt und fordern die Behörden auf, diese Menschen mit Würde zu behandeln und ihnen Zugang zu medizinischer und psychologischer Hilfe zu ermöglichen“, sagte Micky Van Gerven, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Griechenland. „Wir wurden am frühen Morgen über die Polizeiintervention informiert und sind sofort zum Lager gegangen. Die Planierraupen hatten gerade begonnen, die Behelfsunterkünfte zu zerstören. Nur wenig später ist ein Feuer ausgebrochen. Menschen ohne offizielle Dokumente wurden verhaftet, andere haben das Lager selbst verlassen. Wir wissen noch nicht, wo sie sind und was mit ihnen passiert ist“, sagte Christos Papaioannou, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Patras. „Die meisten waren aufgrund von Konflikten und großer Armut gezwungen, ihr Heimatland zu verlassen, und stehen nun einer ungewissen Zukunft oder sogar einer eventuellen Verhaftung gegenüber. Ein Zustand, der sich negativ auf ihre medizinische und seelische Verfassung auswirken kann.“Ärzte ohne Grenzen fordert die Behörden auf, die volle Verantwortung für die medizinische Unterstützung und psychologische Betreuung der Menschen zu übernehmen. Außerdem müssen menschliche Lebensbedingungen für die Festgenommenen sichergestellt werden und schutzlose Gruppen wie Minderjährige und Kranke besondere Aufmerksamkeit erhalten.Die Mehrheit der Migranten ist vor den Kämpfen in Afghanistan geflohen. Es ist wichtig, dass alle Flüchtlinge und Asylsuchenden respektvoll behandelt werden und dass die Behörden die relevanten internationalen und europäischen Konventionen einhalten sowie die EU-Richtlinie, die die Minimumstandards für die Aufnahme von Migranten festlegt. Die heutige Polizeiintervention ist Teil einer breiteren Reaktion, die auf Migranten in Patras und anderen Teilen des Landes zielt. Ärzte ohne Grenzen wird die Situation genau beobachten und sich weiterhin um die Bedürfnisse dieser Menschen kümmern.

Ärzte ohne Grenzen leistet seit Mai 2008 in dem Übergangslager in Patras Basisgesundheitsversorgung und psychologische Unterstützung. Bisher haben die Teams mehr als 8.500 Behandlungen durchgeführt, von denen die meisten Atemwegs- und Hauterkrankungen waren. Mehr als 400 Flüchtlinge haben psychologische Unterstützung bekommen. Ärzte ohne Grenzen hat Schlafsäcke und Hygieneboxen an Flüchtlinge und Migranten verteilt, die inner- und außerhalb des Übergangslagers in Patras leben. 

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