Südsudan

Südsudan: Alarmierende Zahl von Todesfällen in UN-Lager in Bentiu

Juba/Wien, am 20. Juni 2014 – Im UN-Vertriebenenlager in der Stadt Bentiu im südsudanesischen Bundesstaat Unity hat die Zahl der Todesfälle ein alarmierendes Ausmaß erreicht, warnt die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF). Derzeit sterben pro Tag mindestens drei Kinder unter fünf Jahren. Sie sterben als Folge der schlechten Lebensbedingungen an vermeidbaren Erkrankungen wie Durchfall, Lungenentzündung und schwerer Mangelernährung. Ärzte ohne Grenzen fordert, dass die Versorgung der 45.000 Bewohner mit Trinkwasser und Latrinen sofort ausgeweitet werden muss.

„Die Menschen sind hierhergekommen, um Schutz zu suchen. Aber jetzt sind sie den lebensbedrohlichen Zuständen im Lager ausgesetzt“, sagt Nora Echaibi, die Leiterin des medizinischen Teams von Ärzte ohne Grenzen im Lager. „Die Situation bewegt sich immer schneller auf eine Katastrophe zu.“

Zahl der Vertriebenen verzehnfacht

Durch die brutale Gewalt im Bundesstaat Unity hat sich die Zahl der Vertriebenen in dem Lager auf dem Gelände der UN-Truppen in den vergangenen zwei Monaten fast verzehnfacht. Da die Regenzeit angebrochen ist, stehen große Bereiche des Lagers unter Wasser. Auch medizinische Einrichtungen wurden überflutet. Latrinen sind übergelaufen und LKWs mit Trinkwasser kommen auf den Straßen nicht mehr durch.

Mitte Juni konnten durch Brunnen und Tanklaster nur noch 4,4 Liter Wasser pro Tag und Bewohner zur Verfügung gestellt werden. Das liegt weit unter dem Wert von 15 Litern, der als Minimalstandard gilt. Die Bewohner müssen Wasser aus Pfützen trinken, die durch Exkremente verunreinigt sind. Es gibt nur noch eine funktionierende Latrine für 240 Menschen. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen sind sehr besorgt, dass Krankheiten wie Cholera, Hepatitis oder Malaria ausbrechen könnten.

Straßen blockiert

Täglich kommen weitere Vertriebene nach Bentiu. Viele sind in einem sehr schlechten Zustand, weil sie lange Distanzen zurückgelegt haben oder ohne jede Hilfe in der Wildnis überleben mussten. Denn die anhaltende Gewalt macht es unmöglich, die Straßen zu benützen. Deshalb kann etwa auch kein Sand transportiert werden, welcher gebraucht wird, um Bereiche des Lagers vor Überschwemmungen zu schützen. Alle benötigten Materialien müssen teuer per Flugzeug transportiert werden.

Mehr Hilfe dringend nötig

„Auch wenn die Rahmenbedingungen sehr herausfordernd sind, ist dringend mehr Hilfe nötig, um eine Katastrophe zu vermeiden“, sagt Raphael Gorgeu, der Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan. „Wir versuchen diese Situation zu bewältigen, indem wir unsere Kapazitäten im Krankenhaus des Lagers aufstocken und zusätzliche notfallmedizinische Teams schicken. Wir rufen alle Hilfsorganisationen auf, alles in ihrer Möglichkeit zu unternehmen, um die Situation hier zu verbessern, vor allem was Wasser und Hygiene betrifft. Wir rufen auch alle bewaffneten Gruppen auf, Hilfstransporte auf den Straßen durchzulassen.“

Ärzte ohne Grenzen betreibt im Vertriebenenlager in Bentiu ein Krankenhaus mit 90 Betten. Zwischen 17. Mai und 9. Juni wurden 202 Patienten aufgenommen und 70 chirurgische Eingriffe durchgeführt.

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