Südsudan

Südsudan: Humanitäre Hilfe ist unzureichend, während Gewalt eskaliert

Southern_Sudan_122009_eng.flv

Nairobi/Wien, 14. Dezember 2009. Nach dem gewalttätigsten Jahr seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens im Jahr 2005 wird die Krise für die Menschen im Südsudan immer schlimmer. Die Hilfsangebote sind angesichts der eskalierenden Not unzureichend.

Ärzte ohne Grenzen / Médecins Sans Frontières (MSF) hat heute den Report "Facing Up to Reality: Health crisis deepens as violence escalates in Southern Sudan" veröffentlicht. Die Organisation fordert Regierungsbehörden, internationale Geldgeber und Hilfsorganisationen auf, das volle Ausmaß der Krise zu erkennen und zu gewährleisten, dass den dringenden humanitären Bedürfnissen der Menschen umgehend Priorität eingeräumt wird.

"Die Gewalt steigt und stürzt die Menschen in eine Katastrophe nach der anderen", sagte Stephan Goetghebuer, Programmdirektor von Ärzte ohne Grenzen für den Sudan. "Bessere Hilfsleistungen sind äußerst wichtig, sonst wird es weiterhin vorkommen, dass Kliniken die Medikamente ausgehen, Menschen mit Schusswunden erst Tage nach dem Angriff medizinische Hilfe erhalten und unzählige andere gar keine Hilfe bekommen."

Ärzte ohne Grenzen wurde im vergangenen Jahr Zeuge einer beunruhigenden Verschlechterung der Sicherheitslage im Südsudan. Es kam in den Staaten Upper Nile, Jonglei, Lakes und Central Equatoria vermehrt zu Angriffen, zudem gab es Attacken der ugandischen Rebellengruppe Lords Resistance Army (LRA) in den Staaten West- und Zentral-Equatoria.

Die Kämpfe in Jonglei und Upper Nile deuten einen ernsteren Trend an, der sich von herkömmlichen Angriffen auf Viehlager abhebt. Es wurden eher Dörfer angegriffen, und die Mehrheit der Opfer sind Frauen und Kinder. Während dieser Angriffe wurden drei Mal mehr Menschen getötet als verwundet, und 87 Prozent der von Ärzte ohne Grenzen behandelten Patienten hatten Schusswunden.

"Die Intensität der Gewalt in diesem Jahr hat schwerwiegende Konsequenzen", sagte Shelagh Woods, stellvertretende Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan. "Wir behandeln verletzte Frauen, die ihre ganze Familie verloren haben, und Kinder, deren Beine durch Kugeln zerstört wurden. Die Menschen leben in permanenter Angst vor Angriffen."Bis zu 250.000 Menschen wurden durch die Gewalt vertrieben und leben unter gefährlichen Bedingungen, die Krankheiten und Mangelernährung zur Folge haben. 75 Prozent der Menschen haben keinen Zugang zur Basisgesundheitsversorgung.

Das Augenmerk der internationalen Geldgeber auf langfristige Entwicklung bleibt indes unangemessen im Verhältnis zu der dringend benötigten humanitären Hilfe. "Entwicklungshilfe allein reicht im Südsudan nicht. Nothilfe und humanitäre Arbeit müssen Priorität bleiben", so Stephan Goetghebuer.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1979 im Sudan und betreibt derzeit permanente Programme in den Regionen Red Sea State, Nord-Darfur, West- und Zentral-Equatoria, Nord Bahr-el-Ghazel, Warrap, Jonglei, Unity und Upper Nile und Abyei sowie Nothilfeprogramme in anderen Regionen.

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