Südsudan

Südsudan: Referendum darf Blick auf humanitäre Krise nicht verstellen

Juba/Wien, 21. Dezember 2010. Wenige Wochen vor dem Referendum zur Unabhängigkeit des Südsudans am 9. Januar 2011 kämpft die Region gegen den größten Kala Azar-Ausbruch seit acht Jahren. Die Heftigkeit, mit der dieser auftritt, ist ein Symptom für die umfassende Krise, in der sich der Südsudan befindet. Die Bevölkerung hat praktisch keinen Zugang zu medizinischer Versorgung und es herrscht chronische Mangelernährung. Regelmäßig brechen vermeidbare Krankheiten aus und Gewalt führt zu Vertreibungen. Die Menschen brauchen dringend Nahrung, Unterkünfte und Gesundheitsversorgung. "Eine nachhaltige und stabile Reaktion der Regierung und der internationalen Gemeinschaft ist dringend nötig", fordert Rob Mulder, Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in der Region.

"Während die Welt auf das nahende Referendum blickt, darf die südsudanesische Bevölkerung nicht vergessen werden, die von einer Notsituation in die andere gerät", so Mulder weiter. "Es wird noch Jahre dauern bis das Gesundheitssystem im Südsudan ganz aufgebaut ist."

Kala Azar, oder viszerale Leishmaniose, ist eine durch Sandfliegen übertragene Infektionskrankheit, die das Immunsystem angreift und tödlich verlaufen kann. Sie tritt vor allem in armen, abgelegenen und instabilen Regionen mit unzureichender medizinischer Versorgung auf. Im Südsudan ist die Krankheit endemisch. Bis Ende November hat Ärzte ohne Grenzen in den Bundesstaaten Upper Nile, Unity and Jonglei mehr als 2.300 Patienten behandelt. Das sind acht Mal so viele wie in den ersten elf Monaten des Jahres 2009.

Der Ausbruch wurde durch die dieses Jahr besonders schwere Mangelernährung im Südsudan begünstigt. Von Jänner bis Ende Oktober behandelten Teams von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan rund 13.800 schwer mangelernährte Kinder, 20 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2009 und sogar 50 Prozent mehr als in den ersten zehn Monaten 2008.

Vor dem Referendum

Für das Referendum werden Zehntausende Südsudanesen aus dem Norden und anderen Regionen in den Süden zurückkehren, wo auch Krankheiten, wie Malaria, Masern, Meningitis und Tuberkulose endemisch sind. Durch ihre Rückkehr werden die ohnehin schon geringen Nahrungs- und Wasserreserven noch knapper und der Zugang zu den wenigen Gesundheitseinrichtungen wird für den Einzelnen noch schwieriger.

Außerdem ist die Unsicherheit im Südsudan noch immer allgegenwärtig. Im Jahr 2010 wurden, bedingt durch die Gewalt zwischen den verschiedenen Stämmen, Rebellengruppen wie der LRA (Lord’s Resistance Army) und neuen Milizen, mehr als 900 Tote und 215.000 Vertriebene gemeldet.

Ärzte ohne Grenzen leistet seit 1979 medizinische Nothilfe im Sudan. Derzeit betreibt die Organisation 27 Projekte in 13 Bundesstaaten des Landes. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen leisten Basisgesundheitsversorgung und arbeiten unter anderem in Ernährungs- und chirurgischen Programmen, in der Kinder- und  Geburtshilfe, behandeln Kala Azar und bieten psychologische Betreuung an.

Karte: Hilfsprojekte von Ärzte ohne Grenzen im Sudan. Stand: Dezember 2010

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