Tansania

Tansania: Die Kinder von Nduta

In Nduta, einem der größten Flüchtlingslager Tansanias, leben fast 93.000 Menschen unter schwierigsten Bedingungen. Unter den Geflüchteten sind auch viele Mütter und Kinder. Die Kinderärztin Julia Brandenberger ist für Ärzte ohne Grenzen vor Ort. Im Zuge ihrer Arbeit kümmert sie sich um die besonders kleinen Patientinnen und Patienten wie Jabani, Butoy und Gloria.

Seit zwei Monaten ist Julia im Flüchtlingslager Nduta im Einsatz. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen von Ärzte ohne Grenzen stellt sie den Geflüchteten eine hochwertige medizinische Versorgung, psychologische Hilfe und Gesundheitsaufklärung zur Verfügung. Frauen erhalten zudem Zugang zu gynäkologischen Untersuchungen, zu einer nachgeburtlichen Betreuung und zu sicheren Entbindungen. Während ihrer Arbeit als Kinderärztin trifft Julia täglich auf viele kleine Patientinnen und Patienten, einer davon ist der dreijährige Jabani.

Der ausdauernde Jabani

Jabani wurde in einem sehr kritischen Zustand aufgenommen. Drei Wochen verbrachte er auf der Intensivstation, beinahe zweimal wäre er fast gestorben. Jabani war septisch und hatte eine Darmlähmung als er zu Ärzte ohne Grenzen kam. Zudem fanden die Teams heraus, dass er unter einer seltene Hautinfektion litt. Drei Versuche, die Infektion mit Antibiotika zu bekämpfen, schlugen fehl. Damit sich die Keime nicht im Krankenhaus ausbreiten, wurde Jabani in einem separaten Raum betreut. Ein psychiatrisches Team von Ärzte ohne Grenzen kümmerte sich um ihn, um sicherzustellen, dass er sich nicht allein fühlt. Erst mit der Hilfe einiger Spezialisten aus Genf konnte das richtige Antibiotikum gefunden werden. In den ersten 48 Stunden der Behandlung verbesserte sich sein Gesundheitsstand, das Fieber sank.

Der Überlebenskämpfer Butoy

Das Kind, das Julia Brandenberger wohl am meisten geprägt hat, ist Butoy. Bei seiner Geburt, zwei Monate vor dem errechneten Termin, wog er nur ein Kilo. Sein Zwillingsbruder starb an einer Blutvergiftung. Aus Angst, dass Butoy das gleiche Schicksal wie sein Bruder teilen wird, haben Julia und ihre Kollegen Butoy Tag und Nacht überwacht und ihn ununterbrochen mit Sauerstoff, Antibiotika, flüssigem Koffein und insgesamt drei Bluttransfusionen versorgt. Die Erleichterung war groß, als er endlich zu Kräften kam. „Er hat um sein Leben gekämpft“, erinnert sich Julia.

Die starke Gloria

Eine weitere Überlebenskämpferin ist Gloria. Sie war das jüngste und leichteste Baby in Neugeborenen-Abteilung. Genau wie Butoy wurde sie zwei Monate vor dem Termin geboren. Bei ihrer Geburt wog sie nur 900 Gramm. Am Anfang brauchte sie ziemlich viel Aufmerksamkeit und hustete sehr viel. Doch Gloria war ausdauernd und stark. Ihre geduldige Mutter kümmert sich fürsorglich um sie. Mittlerweile ist Gloria sechs Monate alt und wiegt über eineinhalb Kilos. Die Chancen stehen gut, dass sie bald völlig gesund entlassen werden kann.

Für Julia und ihre Kolleginnen und Kollegen ist die Arbeit im Flüchtlingslager Nduta trotz der Schwierigkeiten erfüllend. Der unglaubliche Einsatz, den alle Einsatzmitarbeiterinnen und -Mitarbeiter hier leisten, hilft den hohen Arbeitsbelastung standzuhalten. Am liebsten arbeitet Julia jedoch in der „Känguru-Abteilung“. Hier lernen die Mütter wie wichtig der Körperkontakt von Mutter und Kind in den ersten Tagen nach der Geburt ist. Für alle ist die Verlegung eines Säuglings auf die „Känguru-Abteilung“ ein glücklicher Moment. Es bedeutet, dass das Kind gesund genug ist. Für Julia ist es besonders schön, diesen Moment mit den Frauen teilen zu dürfen.

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