Österreich

Trotz Krise: Enorme Solidarität mit Menschen in Not

2020 spendeten Menschen in Österreich erstmals mehr als 30 Millionen Euro für die Hilfseinsätze von Ärzte ohne Grenzen, rund ein Viertel mehr als im Vorjahr. „Diese Hilfe wird jetzt mehr denn je benötigt“, betont Geschäftsführerin Laura Leyser. Denn die Pandemie und ihre massiven Auswirkungen stellen die Teams von Ärzte ohne Grenzen weltweit vor immense Herausforderungen.  

„Wir sind überwältigt von der Welle der Solidarität, die unseren Patientinnen und Patienten in der Corona-Pandemie entgegengebracht wird“, sagt Laura Leyser, die Geschäftsführerin von Ärzte ohne Grenzen Österreich. „Trotz der großen medizinischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen im eigenen Land haben uns Privatpersonen und Unternehmen mehr denn je unterstützt. Es ist ermutigend zu sehen, dass wir in Österreich nicht nur gemäß dem Regierungsslogan ‚Schau auf dich, schau auf mich‘ auf uns selbst geachtet haben, sondern auch über die Grenzen hinaus dorthin blicken, wo Menschen bereits vor COVID-19 unter Konflikt, Mangel und medizinischer Unterversorgung litten. Unsere Teams versuchen nach Kräften, dort Nothilfe zu leisten – denn für viele unserer Patientinnen und Patienten verschärft die Pandemie bereits bestehende Krisen zusätzlich.“ 

30,5 Millionen für Hilfseinsätze in 30 Ländern

Konkret wurde die weltweite medizinische Nothilfe von Ärzte ohne Grenzen im vergangenen Jahr mit rund 30,5 Millionen Euro aus Österreich unterstützt, wie die vorläufigen Spendenergebnisse zeigen. Dies bedeutet eine Steigerung um rund 25 Prozent im Vergleich zu 2019. Die Spenden stammen zu 100 Prozent von privaten Unterstützerinnen und Unterstützern sowie Unternehmen – Ärzte ohne Grenzen akzeptiert aus Gründen der Unabhängigkeit keine öffentlichen Gelder aus staatlichen Quellen. Die Mittel kamen Hilfsprojekten von Ärzte ohne Grenzen in 30 Ländern zugute. Fast überall stand die Arbeit auch im Zeichen des Kampfes gegen die Corona-Pandemie – weltweit wurden Corona-Noteinsätze gestartet oder bestehende Hilfsprogramme angepasst.  

Die größten Spendensummen aus Österreich flossen in Hilfsprogramme in der von multiplen Krisen und Epidemien geplagten Demokratischen Republik Kongo (zwei Millionen Euro), in die akute Nothilfe im Konfliktgebiet im Jemen (1,6 Millionen) sowie in die Flüchtlingshilfe in Tansania (1,5 Millionen), wo – von der Welt kaum wahrgenommen – hunderttausende Geflüchtete aus Burundi seit Jahren in Flüchtlingslagern ausharren. Ein wichtiger Schwerpunkt der Unterstützung aus Österreich war auch die umfangreiche Hilfe für Flüchtende in den Elendslagern auf den griechischen Inseln. 

Vor uns weiterhin große Herausforderungen

„So sehr wir uns über diese große Unterstützung von Menschen in Österreich freuen, so dringend sind wir auch weiterhin darauf angewiesen“, betont Geschäftsführerin Leyser. „Der Bedarf ist enorm, die Pandemie hat massive Auswirkungen auch auf andere Gesundheitsbereiche: Ob Mutter-Kind-Kliniken, laufende HIV- und Tuberkulose-Programme oder Flüchtlingshilfe – nahezu alle regulären Hilfsprogramme von Ärzte ohne Grenzen haben mit den Auswirkungen zu kämpfen. Wir mussten unsere Hilfsprogramme in über 70 Ländern anpassen und aufstocken, in vielen Ländern – auch in Europa – setzen wir unsere Expertise in der Epidemie-Bekämpfung an vorderster Front ein.“  

Erschwerte Einsatzplanung 

Zugleich hat Ärzte ohne Grenzen mit großen Einschränkungen zu kämpfen, etwa wenn es darum geht, Einsatzkräfte aus Österreich in die Krisengebiete zu bringen. Im vergangenen Jahr wurden 84 Fachkräfte insgesamt 104-mal über das Wiener Büro entsandt, ihre häufigsten Destinationen waren der Jemen, Südsudan, die Zentralafrikanische Republik sowie Sierra Leone. Sie sind Teil einer globalen Belegschaft von zehntausenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, von denen über 90 Prozent direkt aus den Einsatzländern stammen. Geänderte Ein- und Ausreisebestimmungen, sich häufig ändernde administrative Anforderungen sowie Verfügbarkeiten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern führten jedoch zu vielen Ungewissheiten in der Einsatzplanung.

Dadurch nahm die Zahl der Entsendungen zu Hilfseinsätzen über das Wiener Büro von Ärzte ohne Grenzen im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent ab, wobei die durchschnittliche Einsatzdauer jedoch stieg. Geschäftsführerin Leyser: „Da wir den Großteil unserer Einsatzkräfte nach Möglichkeit vor Ort in den Krisengebieten rekrutieren, können wir unsere Hilfe trotz aller Hürden aufrecht halten. Dass so viele engagierte Kolleginnen und Kollegen auch aus Österreich bereit sind, unter erschwerten Bedingungen ihre lebensrettende Arbeit in Krisengebieten zu leisten, wo ihre Expertise dringend gefragt ist, macht uns stolz. Bei ihnen möchte ich mich von ganzem Herzen für ihren Einsatz bedanken.“ 

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