18.06.2021

Die Sorge ist groß, dass sich die Masernpandemie von 2018 wiederholt. Zwei Jahre lang wütete die schlimmste Masernepidemie seit jeher im Kongo. Nur zu frisch sind die Erinnerungen in den Köpfen der Menschen. Damals erkrankten mehr als 460.000 Kinder an der Krankheit und fast 8.000 starben daran. Drei Viertel von ihnen waren unter fünf.

Ein Rückblick

Bei der letzten Epidemie setzte Ärzte ohne Grenzen in 22 der 26 Provinzen Notfallteams ein, um Virus-Hotpots aufzuspüren. 90.000 Patient:innen wurden behandelt und mehr als 2,3 Millionen Kinder geimpft. Auf die Notfallmaßnahmen unserer Teams folgten zusätzliche Impfungen für Millionen von Kindern, durchgeführt von den kongolesischen Behörden. Die Anzahl der Patient:innen konnte stark reduziert werden, aber die Übertragungskette blieb bestehen. Trotzdem erklärte der Gesundheitsminister im August 2020 das Ende der Epidemie.

Die Fallzahlen steigen wieder

"Leider haben seit Ende 2020 mehrere Provinzen neue Zuwächse bei Masernpatient:innen verzeichnet, insbesondere die Provinzen Nord- und Süd-Ubangi", sagt Anthony Kergosien, Koordinator des Notfallteams von Ärzte ohne Grenzen in der Demokratischen Republik Kongo. "Wir mussten dringend wieder mobile Notfallteams entsenden, um die Ansteckungen einzudämmen und so viele Leben wie möglich zu retten."

Measles intervention in Bosobolo, North Ubangi
Franck Ngonga/MSF
Die Masern-Station in Bosobolo, North Ubangi

Im Dezember schickte Ärzte ohne Grenzen ein Team in die Gesundheitszone Bogose-Nubea in Süd-Ubangi. Die Bedürfnisse, die sie vorfanden, waren massiv. In nur wenigen Wochen behandelte das Team fast 5.000 Patient:innen - die überwiegende Mehrheit davon Kinder. 70.000 Kinder wurden geimpft und damit die Ausbreitung der Krankheit schnell gestoppt. Als sich das Team in die benachbarte Provinz Nord-Ubangi begab, stellten sie fest, dass auch hier die Situation mehr als kritisch war. 

Herausforderung: Impfen in entlegenen Gebieten

"Seit wir Mitte Februar in Bosobolo angekommen sind, unterstützen wir hier Mitarbeiter:innen bei der Versorgung ihrer Patient:innen in acht Gesundheitszentren und im Allgemeinkrankenhaus, an das komplizierte Fälle überwiesen werden", erklärt Faustin Igulu, der das Projekt in Bosobolo leitet. 

Measles intervention in Bosobolo, North Ubangi
Franck Ngonga/MSF
Die größte Herausforderung: Menschen in entlegenen Gebieten zu erreichen.

„Dank unserer Unterstützung wurden bereits mehr als 1.200 Patient:innen behandelt“, fügt er hinzu. "Die Kapazität des Krankenhauses war schnell erreicht, daher haben wir die Anzahl der Betten erhöht, in denen Kinder behandelt werden konnten. Einige befanden sich bereits in einem sehr fortgeschrittenen Stadium von Masern und damit verbundener Unterernährung."

Ärzte ohne Grenzen startete auch weitere Impfkampagnen in schwer erreichbaren Gebieten und schult dort lokale Gesundheitsmitarbeiter:innen, Masernausbrüche in ihrer Region schneller zu erkennen. “Doch die lokale Gesundheitsbehörde hat nur ein Motorrad, und das funktioniert oft nicht. Wie sollen sie da die Impfaktionen überwachen?", sagt Faustin Igulu, Projektleiter von Ärzte ohne Grenzen. "Wie können sie Impfstoffe in die entlegensten Gebiete bringen? Es ist sehr schwierig."

Die ansteckendste Krankheit der Welt

Masern sind eine Viruserkrankung, die durch Husten, Niesen oder durch direkten Kontakt mit Nasen- oder Kehlkopfsekreten übertragen wird. Kinder mit dieser Krankheit sind häufig schwerwiegenden Komplikationen ausgesetzt, da Masern ihr Immungedächtnis „löschen“ und ihre Gesundheit und ihr Leben für die kommenden Jahre gefährden. Es gibt einen kostengünstigen und zu 85 Prozent wirksamen Impfstoff, der geimpfte Menschen jahrzehntelang schützt.

Measles intervention in Bosobolo, North Ubangi
Franck Ngonga/MSF
Bibi konnte sich von ihrer Masernerkrankung erholen. Anders als COVID-19, sind Masern für Kinder besonders gefährlich.

"Masern sind die ansteckendste Krankheit der Welt, fast zehnmal ansteckender als COVID-19", sagt Anthony Kergosien, Leiter des Nothilfeteams in der Demokratischen Republik Kongo. "Um den Kampf gegen diesen Killer in der Demokratischen Republik Kongo zu gewinnen, bedarf es einer Durchimpfungsrate von 95 Prozent und regelmäßiger Auffrischungskampagnen, um diejenigen zu impfen, die durch die Maschen schlüpfen, auch in den am meisten gefährdeten, schwer zugänglichen Gebieten. Aber davon sind wir noch sehr, sehr weit entfernt." 

Jetzt unsere Teams unterstützen!