14.10.2025
Der Grazer Hauptplatz wird für knapp zwei Wochen zum Schauplatz für humanitäre Hilfe. In der Freiluftausstellung „Ärzte ohne Grenzen hautnah“ bekommen die Besucher:innen einen lebendigen Eindruck, wie die medizinische Versorgung von Menschen in Kriegs- und Krisengebieten organisiert wird.

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Die Ausstellung macht auch darauf aufmerksam, dass gezielte Angriffe auf Gesundheitspersonal und medizinische Einrichtungen weltweit zunehmen. Die Ausstellung läuft vom 14. bis zum 22. Oktober 2025. Der Eintritt ist frei. 

Ärzte ohne Grenzen wird heute dringender gebraucht als je zuvor. Immer mehr Menschen brauchen humanitäre Hilfe, weil sie vor Gewalt oder den Auswirkungen der Klimakrise auf der Flucht sind, weil die Gesundheitssysteme in vielen Krisenregionen kaum noch funktionieren oder weil sich Epidemien aufgrund von Medikamentenengpässen stark ausbreiten. Oft sind wir eine der letzten Hilfsorganisationen, die in Krisengebieten tätig sind. Dafür braucht es gut geschultes und motiviertes Personal, eingespielte Abläufe, spezielle Ausrüstung, jede Menge Flexibilität und Erfindungsreichtum. Genau das vermitteln wir mit unserer Ausstellung“, so Christina Bell, Leiterin der Kommunikation von Ärzte ohne Grenzen Österreich bei der Eröffnung.  

„Die Menschen in Österreich können sich oft nur schwer vorstellen, was es bedeutet, medizinische Versorgung unter schwierigsten Bedingungen zu leisten. Unsere Ausstellung vermittelt Einblicke in die medizinischen und logistischen Herausforderungen, mit denen die Einsatzkräfte vor Ort konfrontiert sind“, beschreibt Marion Nitsch, Projektleiterin der Ausstellung, die Zielsetzung von „Ärzte ohne Grenzen hautnah“. In der Zeltstadt wird eine breite Palette von Themen dargestellt: von Flucht und Migration über Mangelernährung bis zu Wasser und Hygiene.  

Ärzte ohne Grenzen hautnah
Tina Götz / Ärzte ohne Grenzen

Innovation: Gesichtsmasken aus dem 3D-Drucker und ein aufblasbares Operationszelt

Ärzte ohne Grenzen setzt immer öfter innovative Lösungen ein, etwa Kunststoffmasken aus dem 3D-Drucker für Menschen mit schweren Verbrennungen im Gesicht. Weitere Highlights der Ausstellung sind ein aufblasbares Operationszelt, eine Isolierstation für Cholera-Erkrankte oder Rettungswesten, die in der Seenotrettung auf dem Schiff Geo Barents eingesetzt wurden. Neben den Exponaten werden auch interaktive Elemente geboten, etwa ein Logistik-Spiel, mit dem die Besucher:innen ein Einsatzszenario planen können und so erfahren, wie viele Entscheidungen dabei getroffen werden müssen. „Wenn in Krisensituationen humanitäre Hilfe benötigt wird, müssen alle Rädchen gut ineinandergreifen. Wir laden die Menschen ein, in die Realität unserer Arbeit einzutauchen und zu verstehen, welche Unterstützung Betroffene in Kriegs- und Krisengebieten brauchen“, so Marion Nitsch. 

Einsatzfahrzeug mit Einschusslöchern: Immer mehr Angriffe auf humanitäre Hilfe

Ärzte ohne Grenzen hautnah
Tina Götz / Ärzte ohne Grenzen

Nicht nur die Zahl der weltweiten Krisen nimmt zu, auch die humanitäre Hilfe wird immer öfter direkt angegriffen. Darauf macht im Rahmen der Ausstellung ein Einsatzfahrzeug von Ärzte ohne Grenzen aufmerksam, bei dem Einschusslöcher zu sehen sind. Christina Bell schildert einen von vielen erschreckenden Fällen: „Erst vor wenigen Tagen – kurz vor der Einigung auf den Waffenstillstand – wurden zwei Kollegen im Gazastreifen auf dem Weg zu ihrer Arbeit angegriffen und getötet. Sie trugen Westen von Ärzte ohne Grenzen und waren eindeutig als Hilfskräfte erkennbar. Das ist ein klarer Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht. Diese Angriffe auf medizinisches Personal und Gesundheitseinrichtungen sind nicht hinnehmbar.“ Globale Statistiken zeichnen ein dramatisches Bild. Laut WHO wurden im heurigen Jahr bereits 1.243 Menschen bei Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen getötet. In den Jahren davor lag die Zahl deutlich unter 1.000. Der “Aid Worker Security Report 2025” zeigt, dass die Zahl der gravierenden Angriffe auf Hilfskräfte in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gestiegen ist: von 157 im Jahr 2015 auf 599 im Jahr 2024. Für 2025 wurden bislang 302 solcher Angriffe dokumentiert. Ärzte ohne Grenzen appelliert daher an alle Konfliktparteien, das humanitäre Völkerrecht unter allen Umständen einzuhalten. Gesundheitspersonal, Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen dürfen nicht zur Zielscheibe werden. 

Werner Reiter

Werner Reiter

Press Officer