23.12.2025
Nach der jüngsten Eskalation der Gewalt in der Provinz Süd-Kivu in der Demokratischen Republik Kongo sind nach Angaben des UNHCR mehr als 88.000 Menschen nach Burundi geflohen. Sie leben in Geflüchtetenlagern unter katastrophalen Bedingungen. Da in den letzten Tagen immer mehr Menschen dort angekommen sind, haben sie nur begrenzten Zugang zu sauberem Wasser, Nahrungsmitteln, Hygieneartikeln und sonstiger grundlegender Versorgung. Ärzte ohne Grenzen weitet die Nothilfe aus und warnt vor einer Ausbreitung von Krankheiten wie Cholera oder Masern sowie vor einem massiven Anstieg der Malariafälle.

„Das Geflüchtetenlager ist überfüllt, mehrere Familien teilen sich ein Zelt und der Boden ist mit Schlamm bedeckt. Wir sehen Menschen mit Zwei-Liter-Wasserflaschen, mit denen sie ihren gesamten Wasserbedarf decken müssen. Lebensmittel sind fast nicht verfügbar. Wir befürchten eine Verschlechterung der gesundheitlichen und humanitären Lage“, sagt Zakari Moluh, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen, über die Situation im Camp Ndava in Cibitoke im Nordwesten Burundis.

Seit der Ankunft kongolesischer Geflüchteter vor zwei Wochen hat Ärzte ohne Grenzen die medizinischen und humanitären Aktivitäten ausgeweitet. Rund 37.000 Menschen haben den Rusizi-Fluss überquert und Zuflucht im Camp Ndava gesucht. Dort behandeln die Teams von Ärzte ohne Grenzen in ihrer mobilen Klinik täglich durchschnittlich 200 Patient:innen. Komplizierte Fälle werden an das Bezirksspital von Cibitoke überwiesen, wo ein Team für die Weiterbehandlung sorgt. Ärzte ohne Grenzen stellt außerdem täglich 25.000 Liter Wasser bereit. Um das Risiko von Krankheiten zu verringern, die mit dem mangelnden Zugang zu Hygieneartikeln und sanitären Einrichtungen zusammenhängen, werden zudem Latrinen und Duschen gebaut.

„Wir sehen Menschen, die verzweifelt, erschöpft und am Ende ihrer Kräfte sind. Wir sehen Frauen, die auf der Flucht Kinder zur Welt gebracht haben, einige davon in unserer Klinik. 42 Prozent der in den letzten Tagen durchgeführten Malariatests waren positiv. Im Camp Ndava haben wir 14 bestätigte Fälle von Cholera behandelt und einen Verdachtsfall von Masern festgestellt“, sagt Moluh.

Rund 29.000 Menschen sind im Langzeitcamp Bweru im Osten Burundis angekommen, wo sie Hilfe von Behörden und internationalen humanitären Organisationen erhalten. Da sich Cholera ausbreitet, unterstützt Ärzte ohne Grenzen ein Cholera-Behandlungszentrum mit einer Kapazität von 50 Betten und leistet logistische Hilfe. Die Gesundheitsrisiken sind unter diesen beengten Lebensbedingungen besorgniserregend. Die Unterstützung im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit sowie die Betreuung von Überlebenden sexualisierter Gewalt gehören zu den dringendsten Bedürfnissen.

Ärzte ohne Grenzen verstärkt ihre medizinische Nothilfe im ganzen Land und leistet Unterstützung bei Cholera- und Masernausbrüchen, Impfungen sowie bei der Wasserversorgung und beim Bau sanitärer Anlagen.

Die sicherheitspolitische Lage in der Demokratischen Republik Kongo ändert sich rasch. Die Behörden und Organisationen in Burundi stehen vor enormen Herausforderungen bei der Versorgung der Geflüchteten. Humanitäre Organisationen müssen sich umgehend weitere Ressourcen mobilisieren, um den geflüchteten Menschen lebenswichtige Gesundheitsversorgung und andere wichtige Unterstützung leisten zu können.

MSF Response to Congolese Refugees Emergency on Ndava Transit Site
Dorine Niyungeko/MSF
Werner Reiter

Werner Reiter

Press Officer