27.01.2026
Hunderttausende Menschen in Gaza sind auf unsere medizinische Versorgung angewiesen. Doch unsere Hilfe steht massiv unter Druck und es droht ein Ende unserer Einsätze. Erfahren Sie hier, was das bedeutet und wie wir jetzt handeln.

Unsere Arbeit in Gaza ist lebenswichtig. Allein im Jahr 2025 haben wir:

  • 100.000 Verletzte behandelt,
  • 22.700 lebensrettende Operationen durchgeführt,
  • 800.000 ambulante Konsultationen ermöglicht,
  • 700 Millionen Liter Trinkwasser bereitgestellt.

Unsere Teams versorgen jedes fünfte Krankenhausbett in Gaza und begleiten jede dritte Geburt – Behandlungen, die aufgrund des zerstörten Gesundheitssystems sonst nicht verfügbar wären. Wir sind derzeit in sechs öffentlichen Krankenhäusern aktiv, betreiben zwei Feldkrankenhäuser, ein Ernährungszentrum und unterstützen sieben Gesundheitszentren. Vor Kurzem haben wir sechs neue medizinische Anlaufstellen eröffnet, in denen wir Wundversorgung und allgemeine Gesundheitsdienste anbieten.

Warum unsere Hilfe gefährdet ist

Wir sind bereits seit 1988 in den palästinensischen Gebieten tätig und leisten dort unverzichtbare medizinische und humanitäre Hilfe. Doch nun stehen unsere Einsätze vor einer schweren Herausforderung: Unsere Genehmigung, in Gaza und im Westjordanland zu arbeiten, wurde trotz Teilnahme am Registrierungsprozess nicht verlängert. 

Die israelischen Behörden fordern sensible persönliche Daten unserer palästinensischen Mitarbeiter:innen, deren Zweck und Verwendung bis heute unklar sind. 

"Wir haben eine hohe Sorgfaltspflicht gegenüber unseren Teams. In einem Konfliktkontext, in dem bereits 1.700 Gesundheitsmitarbeitende – darunter 15 unserer Kolleg:innen – getötet wurden, müssen wir alles tun, um ihre Sicherheit zu gewährleisten," betont Marcus Bachmann, der aktuell unsere Einsätze in den palästinensischen Gebieten leitet. 

Marcus Bachmann / MSF

Aktuell arbeiten wir an Lösungsvorschlägen, die unsere Hilfe sichern und gleichzeitig unsere Mitarbeiter:innen schützen soll. (Weitere Informationen dazu finden Sie hier)

Ohne eine Verlängerung sind wir gezwungen, unsere Einsätze bis zum 1. März 2026 einzustellen – mit katastrophalen Folgen für hunderttausende Menschen, für die unsere Hilfe Überleben bedeutet.
 

„Wenn wir vor Ort nicht mehr helfen dürfen – wo werden all diese Menschen versorgt?“

Daniel Fitzgerald, Arzt im Einsatz in Gaza

„An einem durchschnittlichen Tag behandeln wir 100 Menschen in unserer Ambulanz und führen 10 operative Eingriffe durch,“ berichtet unser Arzt Daniel Fitzgerald. Mehr als 18.000 Menschen müssen dringend medizinisch evakuiert werden – über 10.000 sind bereits verstorben. Viele Familien leben in Zelten, wo eisige Temperaturen und Überschwemmungen Infektionskrankheiten begünstigen – besonders gefährlich für Kinder unter fünf Jahren.

Gleichzeitig führt die Blockade von Hilfsgütern dazu, dass lebensrettende Materialien nicht rechtzeitig die Menschen erreichen, die sie dringend benötigen. "Wir haben ein komplettes Feldspital, das seit Monaten in Amman bereitsteht, aber nicht geliefert werden kann, weil wichtige Geräte wie Autoklaven oder Röntgengeräte keine Einfuhrgenehmigung erhalten," erklärt unser Einsatzleiter Marcus Bachmann.
 

Unser Ziel: Versorgung sicherstellen

Unsere oberste Priorität bleibt die Versorgung unserer Patient:innen in Gaza. Wir setzen alles daran, unsere Arbeit fortzusetzen. Und um eine gefährliche Versorgungslücke zu verhindern, prüfen wir alle Optionen, einschließlich Partnerschaften mit lokalen Organisationen. Gleichzeitig setzen wir weiterhin alle Hebel in Bewegung, um eine Registrierung zu bekommen. Dabei bleiben wir neutral, unparteilich und unabhängig. Humanitäre Hilfe ist ein Recht und darf kein politisches Druckmittel sein.

Wir tun alles, damit unsere Hilfe weiter die Menschen erreicht, die sie dringend brauchen.