16.10.2025
In Haiti ist der Zugang zu medizinischer Versorgung aufgrund der anhaltenden bewaffneten Auseinandersetzungen stark eingeschränkt. Nun unterstützt Ärzte ohne Grenzen die Wiedereröffnung des Isaïe-Jeanty-Geburtskrankenhauses.

Die Einrichtung, eine der größten des Landes, musste während einer Welle der Gewalt Anfang 2024 geschlossen werden. Ärzte ohne Grenzen betreibt die Einrichtung in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium. Sie bietet dringend benötigte Gesundheitsversorgung rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienplanung in Cité Soleil, einem dicht besiedelten und isolierten Stadtteil von Port-au-Prince.

In Haiti zählen die Sterblichkeitsraten von Müttern und Säuglingen weiterhin zu den höchsten in der Karibik und in Lateinamerika. Mit dem Anstieg der Gewalt zwischen Februar 2022 und April 2025 stieg die Zahl der Müttersterblichkeit in Spitälern von 250 auf 350 pro 100.000 Lebendgeburten. Auch der Anteil der Hausgeburten nahm zu. Derzeit finden fast 60 Prozent der Geburten in Port-au-Prince ohne medizinische Betreuung statt. Das erhöht das Risiko für Komplikationen wie Blutungen, Infektionen und Bluthochdruck – eine der Hauptursachen für Müttersterblichkeit. Zahlreiche Frauen, darunter viele schwangere Jugendliche, sterben aufgrund fehlender medizinischer Versorgung.

„Jede Frau verdient einen sicheren Ort, um zu gebären, doch dieses grundlegende Recht wird viel zu oft verweigert. Deshalb ist die Wiedereröffnung des Isaïe-Jeanty-Geburtskrankenhauses – gerade in einem isolierten Gebiet wie Cité Soleil – von entscheidender Bedeutung“, erklärt Diana Manilla Arroyo, Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen haben das Gebäude instandgesetzt und die schrittweise Wiederaufnahme der medizinischen Aktivitäten seit Ende des Jahres 2024 unterstützt. Zu den wichtigsten angebotenen Diensten zählen Vorsorge- und Nachsorgeuntersuchungen, Verhütung, Behandlung sexuell übertragbarer Infektionskrankheiten, geburtshilfliche Chirurgie sowie Notfallversorgung für Überlebende sexualisierter Gewalt.

Das Geburtskrankenhaus stärkt die Kapazitäten des Gesundheitssystems in Port-au-Prince und trägt zur Verbesserung der sexuellen Gesundheit im ganzen Land bei. Es dient auch als wichtige Ausbildungsstätte für die nächste Generation von Fachkräften im Bereich Geburtshilfe. 

Seit Jahresbeginn wurden die Aktivitäten in der Einrichtung stetig ausgebaut: Die Zahl der Vorsorgeuntersuchungen erhöhte sich von 56 im Jänner auf 547 im Juli, während die Anzahl der Geburten von 10 im April auf 134 im August anstieg. Zwischen März und September versorgten die Teams fast 220 Überlebende sexualisierter Gewalt. Im provisorischen Operationssaal konnten im Juli 18, im August 37 und im September 45 chirurgische Eingriffe durchgeführt werden. Derzeit werden zwei permanente Operationssäle eingerichtet.

„Haiti ist in einem verheerenden Kreislauf aus sexualisierter Gewalt, ungewollten Schwangerschaften und Risikoschwangerschaften gefangen, der die grundlegendsten Entscheidungen über Familienplanung untergräbt – nämlich ob, wann und mit wem eine Frau ein Kind haben möchte“, sagt Diana Manilla Arroyo abschließend. „Jede Frau und jedes Mädchen sollte das Recht haben, frei von Gewalt zu leben und Kontrolle über ihren Körper, ihre Gesundheit und ihre Zukunft zu haben.“

Respond to urgent and unmet needs in sexual and reproductive health
Marx Stanley Léveillé/MSF
Werner Reiter

Werner Reiter

Press Officer