Informationen zur Entlassung von 18 Mitarbeitenden im Tschad

17.06.2026
Unsere Untersuchungen im Osten des Tschad haben 59 Vorwürfe sexueller Ausbeutung und sexuellen Missbrauchs durch Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen ergeben – 18 Personen wurden entlassen.

Ende des Jahres 2024 haben aus dem Sudan geflüchtete Frauen im Osten des Tschad schwerwiegende Vorwürfe sexueller Ausbeutung und sexuellen Missbrauchs gegen Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen erhoben. Als Reaktion darauf entsandte Ärzte ohne Grenzen umgehend mehrere Teams, um die Fälle proaktiv aufzudecken und zu untersuchen.

Im Verlauf mehrerer Monate wurden in den Untersuchungen 59 Vorwürfe von Fehlverhalten festgestellt, darunter sexuelle Belästigung, Ausbeutung und Missbrauch. Die Vorwürfe betrafen verschiedene Beschäftigungsgruppen, darunter fest angestellte Mitarbeitende, temporär Beschäftigte, externe Auftragnehmer:innen sowie Lieferant:innen.

Während einige der 59 Vorwürfe durch die Untersuchungen bestätigt werden konnten, blieben andere ungeklärt, da in manchen Fällen weder die Betroffenen noch die mutmaßlichen Täter identifiziert werden konnten. Wo die Untersuchungen schwerwiegendes Fehlverhalten nachwiesen, haben wir umgehend disziplinarische Maßnahmen ergriffen. In Folge wurden 18 Mitarbeitende entlassen und dürfen künftig nicht mehr für Ärzte ohne Grenzen arbeiten.

„Dieses Fehlverhalten ist ein schwerwiegender Verstoß gegen die Werte von Ärzte ohne Grenzen und gegen die Verantwortung, die unsere Organisation hat“, sagt Laura Leyser, Generalsekretärin von Ärzte ohne Grenzen International. „Wir sehen den Schmerz, den Schaden und das Leid der Betroffenen, und bedauern zutiefst, dass dies in unseren Projekten geschehen ist. Wir haben die Verantwortung, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um Fehlverhalten zu verhindern und entschlossen darauf zu reagieren, wenn es vorkommt.“

Den identifizierten Betroffenen wurde entsprechend ihren Bedürfnissen und Wünschen Unterstützung angeboten. Diese bestand unter anderem in der Vermittlung psychologischer oder medizinischer sowie rechtlicher Hilfe. Wir werden unsere Anstrengungen kontinuierlich verstärken und weiterentwickeln, damit Betroffene die notwendige Betreuung und Unterstützung erhalten.

Zum Schutz der Vertraulichkeit, der Privatsphäre und der Sicherheit der Betroffenen sowie im Einklang mit einem opferzentrierten Ansatz können wir keine weiteren Einzelheiten zu den einzelnen Fällen oder deren Ergebnissen veröffentlichen, auch nicht in Form einer Aufschlüsselung nach Beschäftigungsgruppen.

Nach Abschluss der Untersuchungen setzte Ärzte ohne Grenzen im Osten des Tschad entsprechende Maßnahmen um. Dazu zählen die Verbesserung von Einstellungs- und Referenzprüfungen für lokal eingestellte Mitarbeitende und temporär Beschäftigte, eine bessere Erfassung von Mitarbeitenden, den Ausbau von Beschwerdemöglichkeiten, verbesserte Maßnahmen zur Aufdeckung von Fehlverhalten in Projekten sowie die Bereitstellung von Ressourcen für Schutz- und Prävention, unterstützt durch verstärkte Teams aus dem Personalbereich.

Die Untersuchungen im Tschad waren ein gemeinsames Bemühen, die Situation zu verstehen, Schwachstellen zu identifizieren und Maßnahmen zu ergreifen. Sie sind Ausdruck unserer Selbstverpflichtung, Missbrauch entschlossen und proaktiv entgegenzutreten. Seit 2018 erfassen und veröffentlichen wir Daten zu Beschwerden über Fehlverhalten innerhalb von Ärzte ohne Grenzen. Die Zahlen umfassen verschiedene Formen von Missbrauch und unangemessenem Verhalten – darunter sexuelle Ausbeutung, sexuellen Missbrauch und sexuelle Belästigung – und werden jährlich online veröffentlicht. Zum Schutz der Betroffenen und um eine mögliche Identifikation von Personen oder Orten zu vermeiden, veröffentlichen wir in der Regel keine detaillierten länderspezifischen Aufschlüsselungen.

„Ärzte ohne Grenzen setzt sich dafür ein, ein Arbeitsumfeld frei von Ausbeutung, Missbrauch und Belästigung zu schaffen“, sagt Leyser. „Wir ermutigen Mitarbeitende, Patient:innen sowie Mitglieder der jeweiligen Gemeinschaft, jedes Fehlverhalten zu melden. Und wir arbeiten weiterhin daran, sicherzustellen, dass unsere Beschwerdewege sicher, zugänglich und vertrauenswürdig sind.“

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit dem Jahr 1981 im Tschad. Die medizinische Hilfsorganisation schließt Versorgungslücken im Gesundheitswesen und reagiert auf Notlagen. Die Teams bieten unter anderem Impfungen, Unterstützung mit Nahrungsmitteln und allgemeine Gesundheitsversorgung für Geflüchtete, Vertriebene und Aufnahmegemeinschaften an. In den Hilfsprogrammen im ganzen Land beschäftigt Ärzte ohne Grenzen 872 lokal eingestellte Mitarbeitende und 81 internationale Mitarbeitende. Darüber hinaus erhalten 390 nicht fest angestellte medizinische Arbeitskräfte Bezahlung von Ärzte ohne Grenzen.