Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen getötet

19.04.2022

Peter Mathor Tap wurde während der Kämpfe am 10. April erschossen, als er nicht im Dienst war. Er arbeitete seit 2007 für Ärzte ohne Grenzen in Leer, zunächst als leitender Angestellter einer Abteilung des ehemaligen Krankenhauses von Ärzte ohne Grenzen, das in den Jahren 2014 und 2015 zweimal zerstört wurde, zuletzt als Krankenpfleger in einer der Gesundheitsstationen der Organisation. In jungen Jahren war er an Kinderlähmung erkrankt, wodurch er mit einer Behinderung leben musste und einen Stock zum Gehen benötigte. Deshalb konnte er nicht vor den bewaffneten Angreifern fliehen, als sie seinen Wohnort stürmten.

"Schockiert und zutiefst betrübt"

„Wir sind schockiert und zutiefst betrübt über den tragischen Tod unseres Kollegen Peter. Wir sprechen seiner Familie und seinen Freunden unser tief empfundenes Beileid aus“, sagt Federica Franco, Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan. „Wir verurteilen die willkürliche Gewalt, die von bewaffneten Gruppen ausgeübt wird und die viele unschuldige Zivilist:innen in Leer getötet und verletzt hat, darunter auch einige der Schwächsten, wie Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen.“

Seit Beginn der jüngsten Kämpfe wurden in der Klinik von Ärzte ohne Grenzen in der Stadt Leer mehr als 30 Menschen mit Schussverletzungen sowie weitere Verletzte behandelt, darunter Überlebende sexueller Gewalt. Da angesichts der schlechten Sicherheitslage in Leer die Mitarbeiter:innen mehrerer humanitärer Organisationen evakuiert wurden, ist die Klinik von Ärzte ohne Grenzen eine der wenigen voll funktionsfähigen Gesundheitseinrichtungen in der gesamten Region und die einzige Einrichtung, die eine erweiterte Notfallversorgung anbieten kann.  

Tausende Menschen mussten erneut fliehen

Nach einer ersten Einschätzung wurden besonders die Orte Adok, Pilleny, Thonyor und Touchria durch die Gewalt massiv zerstört. Viele Bewohner:innen wurden getötet, Häuser geplündert und niedergebrannt. Dadurch mussten Tausende fliehen, darunter auch Mitarbeiter:innen von Ärzte ohne Grenzen. Die Vertriebenen haben Angst zurückzukommen – zudem wurde meist ihr gesamter Besitz zerstört. Viele der Geflohenen verstecken sich in den Sümpfen der Umgebung, wo ihnen durch verunreinigtes Wasser verursachte Krankheiten wie Cholera drohen, oder auch Malaria.

„Die Angreifer schossen herum, und alle rannten um ihr Leben in die Sümpfe“, beschreibt eine ältere Frau aus Adok die Situation. „Menschen wurden hingemetzelt, darunter auch Mütter, Jugendliche und junge Kinder. Als wir wieder herauskamen, sahen wir, dass alles niedergebrannt war. Sie hatten die Ziegen und das Vieh mitgenommen und die Anwesen geplündert.“

Von den Gesundheitsstationen, die Ärzte ohne Grenzen im Bezirk Leer betreibt, wurde eine teilweise zerstört und zwei geplündert. Trotzdem setzt die Organisation die medizinische Hilfe für Verletzte und Kranke im Krankenhaus in der Stadt Leer und in den drei verbliebenen Gesundheitsstationen fort. Zudem versorgen mobile medizinische Teams die Vertriebenen an den Orten, an die sie geflohen sind.