Nahost-Konflikt: Ärzte ohne Grenzen bereitet Ausweitung von Nothilfeprogrammen vor

06.03.2026
Ärzte ohne Grenzen ist alarmiert über die dramatische Eskalation des Konflikts im Nahen Osten und passt die Nothilfe entsprechend an.

Ärzte ohne Grenzen ist alarmiert über die dramatische Eskalation des Konflikts im Nahen Osten. Die Organisation beobachtet aufmerksam die sich rasch verändernden humanitären Bedürfnisse und passt ihre Nothilfeprogramme entsprechend an. Ärzte ohne Grenzen bereitet aktuell die Ausweitung der Versorgung im Libanon und im Iran vor. 

In der gesamten Region hat die Eskalation der Gewalt Millionen von Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Auf zahlreiche Städte und Dörfer werden weiterhin Bomben abgeworfen, die oft dicht besiedelte Gebiete treffen, die Zahl der Opfer steigt. Ärzte ohne Grenzen fordert den Schutz von Zivilist:innen, Gesundheitseinrichtungen und anderer wichtiger Infrastruktur. 

Im Libanon wurden Tausende Menschen vertrieben. „Die Eskalation des Konflikts kommt nach 15 Monaten eines ‘Waffenstillstandsabkommens’, das den Menschen im Libanon nie echte Sicherheit gebracht hat“, sagt Francesca Quinto, Programmleiterin von Ärzte ohne Grenzen. „Die jüngsten Angriffe und Evakuierungsbefehle für alle südlichen Vororte von Beirut sowie fast den gesamten Süden des Landes zwingen nun noch mehr Menschen zur Flucht. Es gibt keinen sicheren Ort, an den sie gehen können.“ 

Für viele Menschen im Südlibanon und anderen Regionen des Landes bedeuten Evakuierungsbefehle, dass sie das Trauma der Vertreibung erneut durchleben müssen. „Familien, die sich langsam von den früheren Kämpfen erholt hatten, werden nun aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Einige sind mit Kindern, älteren Verwandten und kranken Familienmitgliedern auf der Straße gelandet und müssen extrem harte Bedingungen ertragen“, fährt Quinto fort. 

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen im Iran und im Libanon sind derzeit in Sicherheit, und prüfen, wie sie den betroffenen Menschen helfen können. In beiden Ländern stehen medizinische Hilfsgüter bereit, die jederzeit eingesetzt werden können. 

Bevor die Eskalation am 28. Februar begann, hatte Ärzte ohne Grenzen drei Projekte im Iran, um marginalisierten Gruppen eine grundlegende Gesundheitsversorgung zu bieten. Darunter fallen 6.000 medizinische Konsultationen pro Monat, Geburtshilfe, Vorsorgeuntersuchungen und die Behandlung von Infektionskrankheiten sowie psychologische Betreuung. Obwohl die Luftangriffe zu Herausforderungen bei der Durchführung der Projekttätigkeiten geführt haben und trotz der Kommunikationssperre konnte Ärzte ohne Grenzen einige Aktivitäten fortsetzen. Die Klinik in Teheran bleibt aufgrund der schweren Bombardierungen vorübergehend geschlossen, während die Kliniken in Maschhad und Kerman weiterhin geöffnet sind, jedoch mit reduzierter Personalstärke arbeiten. Die Teams warten auf die Genehmigung der Behörden, um die Notfallversorgung auf die entstandenen Bedürfnisse auszuweiten – darunter die Öffnung der Kliniken rund um die Uhr und die Unterstützung der lokalen Gesundheitseinrichtungen. 

Im Libanon passen die Teams von Ärzte ohne Grenzen ihre Aktivitäten ebenfalls an, um auf die neuen Bedürfnisse der Vertriebenen zu reagieren und gleichzeitig die Kontinuität der Versorgung durch die regulären Projekte im Land sicherzustellen. In Saida im Südlibanon, wo einige Unterkünfte bereits ihre Kapazitätsgrenze überschritten haben, können Menschen medizinische Beratung und psychologische Erste Hilfe über eine mobile Klinik in Anspruch nehmen. Ärzte ohne Grenzen hat außerdem damit begonnen, Unterkünfte in Beirut mit sauberem Wasser zu versorgen. In Beirut, Raschaja und anderen Gebieten prüfen Teams der Organisation die Lage, um zusätzliche mobile Kliniken zur Verfügung zu stellen und Vorräte aufzustocken. Ärzte ohne Grenzen steht mit den zuständigen Behörden in Kontakt, um bei Bedarf zusätzliche Unterstützung zu leisten. 

In anderen Teilen der Region, wie im Gazastreifen und im Westjordanland, kümmern sich die Teams von Ärzte ohne Grenzen weiterhin um die dringenden medizinischen und psychologischen Bedürfnisse der Menschen. Im Irak hält die Organisation medizinische Hilfsgüter bereit, die bei Bedarf in der Region eingesetzt werden können. 

Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Iran und Libanon 

Iran 

Ärzte ohne Grenzen arbeitet im Iran seit vielen Jahren daran, Lücken in der Gesundheitsversorgung marginalisierter Gemeinschaften zu schließen. Hierzu gehören unter anderem afghanische Geflüchtete. 

Im Süden Teherans, wo Ärzte ohne Grenzen 2012 ein Projekt eröffnet hat, bietet ein mobiles Team eine Basisgesundheitsversorgung an. Zu den Leistungen gehören unter anderem die Behandlung von Infektionskrankheiten und nicht übertragbaren Krankheiten, Beratungen und Behandlungen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit sowie psychosoziale Unterstützung. 

In Mashhad, nahe der afghanischen Grenze, ist Ärzte ohne Grenzen seit 1996 präsent und arbeitet ebenfalls mit mobilen Teams, die unter anderem medizinische Hilfe für gefährdete Gruppen anbieten. Im Bezirk Golshahr bietet Ärzte ohne Grenzen medizinische und soziale Hilfe für afghanische Flüchtlinge an. 

In der Provinz Kerman ist Ärzte ohne Grenzen die einzige medizinische Organisation, die afghanischen Geflüchteten direkte Gesundheitsdienstleistungen anbietet. Ihre Zentren für medizinische Grundversorgung versorgen unterversorgte Gebiete der Stadt Kerman, in der rund 200.000 Afghan:innen leben. 

Seit April 2024 betreibt Ärzte ohne Grenzen die Vahdat-Klinik außerhalb der Stadt und eine weitere Klinik in Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden, die Behandlungen für übertragbare und nicht übertragbare Krankheiten, sexuelle und reproduktive Gesundheit, psychische Gesundheit und psychosoziale Unterstützung, Wundversorgung sowie Vorsorgeuntersuchungen für Tuberkulose, HIV und Hepatitis B und C anbietet. 

Libanon 

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen im Libanon unterstützen verschiedene Gemeinschaften, die mit Hürden beim Zugang zur Gesundheitsversorgung konfrontiert sind. Dies geht über primäre Gesundheitsversorgung hinaus, die Teams übernehmen auch die Verteilung von Hilfsgütern sowie Überweisungen für Behandlungen auf sekundärer Versorgungsebene – in einem Land, das noch immer unter den Folgen des Krieges leidet. 

Derzeit betreibt Ärzte ohne Grenzen Kliniken in Bourj Hammoud, in den nördlichen Vororten von Beirut. Diese richten sich vor allem an Arbeitsmigrant:innen und bieten medizinische sowie psychologische Versorgung an. Im Gouvernement Baalbek-Hermel führt Ärzte ohne Grenze zwei Kliniken in Arsal und Hermel und stellt dort primäre Gesundheitsversorgung für bedürftige Gemeinschaften bereit – sowohl für Aufnahmegemeinschaften als auch für Geflüchtete. 

Im Norden des Libanon unterstützt Ärzte ohne Grenzen die Kliniken des Gesundheitsministeriums in Tripoli, der zweitgrößten Stadt des Landes, die unter großer wirtschaftlicher Not leidet, und betreibt mobile Kliniken in Akkar, um Syrer:innen zu versorgen, die keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung haben. Im Süden des Libanon, in den Gouvernements Südlibanon und Nabatiyeh, betreiben die Teams seit dem Wiederaufflammen des Konflikts im Jahr 2024 mobile Kliniken und unterstützen feste Einrichtungen der primären Gesundheitsversorgung. 

Werner Reiter

Werner Reiter

Press Officer