Syrien

Syrien: Die Aktivitäten im Überblick

Der Konflikt in Syrien vertieft sich weiter, mit einer verstärkten Zersplitterung oppositioneller Gruppen und immer komplexeren Frontlinien. Die Folge sind massive Bevölkerungsbewegungen: Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind 6,4 Millionen Menschen intern vertrieben, um die 2,9 Millionen Syrer haben Zuflucht in den Nachbarländern gefunden. Das syrische Gesundheitssystem ist zusammengebrochen, und es ist extrem schwierig geworden, den medizinischen Bedürfnissen nachzukommen. Trotzdem suchen wir nach Wegen, die notwendige Hilfe zu gewähren. Ärzte ohne Grenzen betreibt in Syrien momentan vier Krankenhäuser, zwei ambulante sowie mobile Kliniken.

Seit August 2011 leistet Ärzte ohne Grenzen in den am stärksten vom Krieg betroffenen Gegenden Hilfe. Dabei wurden medizinische Vorräte und wichtige Hilfsgüter vor allem an syrische medizinische Netzwerke und Einrichtungen verteilt sowie Trainingsprogramme durchgeführt. Während der ersten Jahreshälfte 2014 wurden unter anderem 58 medizinische Einrichtungen und 54 medizinische Posten in acht Provinzen unterstützt. Diese lagen sowohl in von der Regierung als auch von der Opposition kontrollierten Zonen.

Die Hilfe in Syrien in Zahlen (Stand Juli 2014):

  • Behandlungen in Notaufnahmen – 63.440
  • Behandlungen außerhalb von Kliniken – 109.214
  • Chirurgische Eingriffe – 10.151
  • Entbindungen 2.373
  • Impfkampagne gegen Masern – 90.214 Kinder

Provinz Aleppo

Ärzte ohne Grenzen leitet drei Gesundheitseinrichtungen in der Provinz Aleppo. Einer der wichtigsten Fluchtwege aus Syrien verläuft von Aleppo-Stadt Richtung Norden, zur türkischen Grenze. Unsere Teams leiten ein Krankenhaus in einer ländlichen Gegend, wo sie u.a. chirurgische Eingriffe durchführen und Geburtshilfe leisten. In den Außenbezirken von Aleppo-Stadt führen wir ein medizinisches Nothilfezentrum, welches zwei Mal wegen der schlechten Sicherheitslage umgesiedelt werden musste. Ein weiteres Krankenhaus bietet ambulante medizinische Sprechstunden. Aufgrund des Mangels an medizinischem Personal wurde u.a. vor kurzem die Entbindungsstation geschlossen.

Provinz Idlib

Das Krankenhaus hat eine Notaufnahme, wo PatientInnen auch psychologische Hilfe erhalten, und einen Fokus auf der Behandlung von Brandopfern. "Outreach-Aktivitäten" bestehen aus der Beobachtung der Gesundheitslage durch lokales Gesundheitspersonal und Routine-Impfungen, vor allem in den Vertriebenenlagern, in denen rund 75.000 Menschen leben.

Al Hasaka Provinz

Die Provinz hat einen hohen Anteil von Mitgliedern der kurdischen Minderheit Syriens. Unsere Teams unterstützen eine Trauma- und eine Entbindungsstation mit Personal und Medikamenten. Zudem haben wir den Betrieb in zwei Kliniken aufgenommen, die ambulante Hilfe und Mutter-Kind-Behandlungen anbieten. Seit August 2013 werden zwei mobile Kliniken von uns geführt, die Vertriebene und diese aufnehmende Gemeinden auf der syrischen Seite der Grenze zum Irak versorgen. Gleichzeitig unterstützt Ärzte ohne Grenzen Massenimpfungen sowie routinemäßige Polio-Kampagnen.

Aktivitäten in den Nachbarländern

Fast drei Millionen Syrer sind als Flüchtlinge registriert oder warten in den Nachbarländern Syriens darauf, registriert zu werden (UNHCR Juli 2014). In Anbetracht des Ausmaßes der Krise ist die humanitäre Antwort auf die Flüchtlingssituation äußerst ungenügend. Libanon und Jordanien haben immer weniger Kapazitäten, um die zunehmende Anzahl der Flüchtlinge aufzunehmen und deren Grundbedürfnisse zu decken.

Jordanien

607.878 syrische Flüchtlinge sind in Jordanien registriert (UNHCR Juli 2014). Mehr als 75 Prozent von ihnen leben außerhalb von Lagern. Durch die Überlastung des nationale Gesundheitssystems ist auch der Zugang zur medizinischen Versorgung für jordanische Bürger erschwert. ÄrztInnen und Kliniken sind teilweise nicht mehr in der Lage, syrische Flüchtlinge zu unterstützen, weil ihre finanziellen Mittel knapp werden.

In Irbid haben wir im Oktober 2013 mit einem Mutter-Kind-Projekt begonnen. Hier werden syrische Flüchtlinge und sozial schwache Jordanierinnen unterstützt – u.a. wurde bereits bei mehr  als 1.000 Geburten Hilfe geleistet.

Das Projekt zur rekonstruktiven Chirurgie in Amman umfasst Orthopädie, Kieferchirurgie und Plastische Chirurgie. Zudem bieten wir Physiotherapie und psychosoziale Unterstützung für Opfer von Gewalt in der Region an. Das Projekt wurde 2006 für irakische PatientInnen eröffnet – ab 2011 wurden dort auch Verwundete aus Syrien aufgenommen – seither wurden 582 SyrerInnen behandelt.

Ramtha liegt an der Grenze zu der schwer umkämpften syrischen Provinz Dara'a. Die Mehrheit der in Jordanien ankommenden Kriegsverletzten wird dort behandelt. Ärzte ohne Grenzen unterstützt seit September 2013 Notfalloperationen im Ramtha Krankenhaus. In enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium haben wir im Jahr 2014 1.000 Operationen durchgeführt.

Im Flüchtlingslager Zaatari betreiben wir außerdem eine Einrichtung zur post-operativen Betreuung. Zusätzlich behandeln wir bei unseren PatientInnen auch die psychosozialen Folgen des Konflikts.

Irak

Die meisten Flüchtlinge, die in den letzten drei Jahren im Nordirak angekommen sind, sind ethnische Kurden. Die kurdische Region hat die große Mehrheit der 217.192 syrischen Flüchtlinge, die sich derzeit im Irak aufhalten (UNHCR Juli 2014) aufgenommen. In den vergangenen Monaten hat die Ausbreitung der Gewalt im Irak dazu geführt, dass einige Flüchtlinge nach Syrien zurückkehrten.

Im Flüchtlingslager von Domiz leistet Ärzte ohne Grenzen die zentrale Gesundheitsversorgung. Dabei arbeiten wir seit Mai 2012 auch eng mit den lokalen Gesundheitsbehörden zusammen. Mittlerweile leben dort rund 45.000 Flüchtlinge. Überfüllung und katastrophale Lebensbedingungen haben zu einer Verschlechterung ihrer Gesundheit geführt. Unsere Mitarbeiter führen pro Woche rund 3.000 Sprechstunden durch, vor kurzem wurde eine neue Entbindungsstation innerhalb des Lagers eröffnet.

In der Provinz von Erbil arbeiten Teams von Ärzte ohne Grenzen in den Flüchtlingslagern Kawargosk (13.000 Flüchtlinge) und Darashakran (8.000 Flüchtlinge). Sie leisten u.a. medizinische Grundversorgung und psychosoziale Hilfe.

Libanon

Die Lage im Libanon bleibt instabil. Der Zustrom an Flüchtlingen hat deutliche ökonomische und soziale Auswirkungen auf das Land, darunter erhöhte Armut und soziale Fragmentierung. Schätzungen des UNHCR gehen von weit über einer Million syrischer Flüchtlinge aus (UNHCR Juli 2014). Ärzte ohne Grenzen hat für syrische Flüchtlinge im Libanon bislang 270.000 Konsultationen zur medizinische Grundversorgung durchgeführt.

Das Bekaa-Tal ist einer der Hauptfluchtpunkte aus Syrien. Auch hier gewähren wir seit März 2012 u.a. durch vier Kliniken in Hermel, Aarsal, Baalbek und Majdal Anjar eine medizinische Grundversorgung.

In Tripoli im Nord-Libanon hält sich ebenfalls eine große Anzahl syrischer Flüchtlinge auf. Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit Februar 2012 im Dar-al-Zahraa-Krankenhaus und bietet Hilfe für Syrer und bedürftige Libanesen an. Außerdem sind unsere Mitarbeiter in Gesundheitszentren der Viertel Jabal Mohsen und Bab al-Tabbaneh tätig. Ärzte ohne Grenzen stellt zudem psychosoziale Hilfe für palästinensische Flüchtlinge und bedürftige Gruppen aus dem Lager Ein-el-Hilweh und dessen Umgebung zur Verfügung.

Im Beiruter Lager Shatila befinden sich viele palästinensische Flüchtlinge. Wir arbeiten dort seit September 2013. Der Fokus unserer Arbeit liegt dabei auf nicht-registrierten Flüchtlingen, die keinen offiziellen Anspruch auf Unterstützung haben und registrierten Flüchtlingen, die chirurgische Notfallhilfe benötigen, aber laut UNHCR-Regelungen keinen Anspruch darauf haben. Dort wird demnächst auch eine Entbindungsstation eröffnet.

Im Süd-Libanon leistet Ärzte ohne Grenzen in drei Gesundheitszentren medizinische Grundversorgung und psychosoziale Hilfe für Flüchtlinge. Zudem werden chronische Krankheiten behandelt.

Die Videos in diesem Beitrag stammen aus dem Multimedia-Projekt "Die Tragweite des Krieges: Ein Tag im Syrien-Konflikt" Ende des Jahres 2013 hat Ärzte ohne Grenzen am selben Tag Teams in verschiedene unserer Hilfsprojekte im Irak, im Libanon und in Jordanien geschickt: Sie haben unsere Arbeit für die syrische Bevölkerung festgehalten und die Situation vor Ort durch die Augen unserer MitarbeiterInnen beschrieben, die sich dafür einsetzen, dringend benötigte Hilfe zu leisten. Ziel des Projekts ist es, „einen Tag im Leben“ dieses brutalen, unerbittlichen Konflikts aufzuzeichnen und mit Bildern und persönlichen Berichten ein besseres Verständnis der Auswirkungen dieses Krieges zu schaffen.

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