01.12.2025
Nisha* und Rakesh* haben HIV. Sie sind Patient:innen in unserem Zentrum für fortgeschrittene HIV-Erkrankungen in Bihar, Indien. Sie erzählen ihre Geschichten, von den ersten Symptomen, über die Diagnose bis zur richtigen Behandlung.

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Nisha*

Nisha* ist 31 Jahre alt und Mutter von zwei Töchtern. Ihre Geschichte zeigt wie wichtig die richtige medizinische Versorgung und die Unterstützung durch die Familie sind.

Nisha*, an advanced HIV survivor
Deepak Bhatia/MSF
Nisha* und ihre Tochter im HIV Pflegezentrum in Patnar, Bihar, in Indien.

Zu Beginn habe ich hohes Fieber, ich muss erbrechen und stark husten. Ich verliere außerdem Gewicht. Das Fieber kommt immer wieder und ich bekomme auf beiden Seiten meines Körpers Wunden. Für die Behandlung gehe in die Stadt Samastipur. Dort diagnostizieren die Ärzt:innen Tuberkulose. Die Therapie hilft nicht. Ich probiere Medikamente aus und bezahle viel Geld – aber es verbessert sich nichts.

Als ich völlig am Boden war und dachte, ich möchte nicht mehr leben, sagte meine Tochter: „Nein, Mama, du musst für mich leben."

Also gehe ich in die Stadt Darbhanga. Dort schicken sie mich zu Ärzte ohne Grenzen. Erst hier erfahre ich von HIV. Sie testen mich und ich kann direkt mit der passenden Behandlung starten. Fast zwei Monate lang bin ich stationär in der Klinik.

Nach der Diagnose bekomme ich einen erhöhten Puls und Atemprobleme. Meine Familie hält Abstand zu mir. Sie sagen mir, dass sie nicht in meine Nähe kommen wollen. Wenn ich sie besuche, bleiben sie draußen.

Meine jüngere Tochter hat mich gut verstanden - meine ältere zuerst nicht.

Die Menschen in der Klinik von Ärzte ohne Grenzen kümmern sich sehr gut um mich. Nach zwei Wochen mit der richtigen Behandlung kann ich endlich die Klinik verlassen. Es geht mir jetzt sehr gut.

Allen mit HIV möchte ich sagen: Holt euch die richtige Diagnose und lasst euch behandeln. Wenn ihr die Medikamente rechtzeitig nehmt und regelmäßig esst, wird es euch besser gehen. Die Krankheit wird sich bessern. Glaubt an euch selbst.


Rajesh*

Rajesh* ist Patient in unserer HIV-Klinik in Bihar, Indien. Er hat jahrelange, körperliche Strapazen und Stigmata hinter sich. Jetzt ermutigt er andere Erkrankte und schenkt ihnen Hoffnung.

Rakesh*, an HIV survivor
MSF
Rajesh* ist Patient in unserer HIV-Klinik in Bihar, Indien.

Mein Name ist Rajesh* und meine Reise mit HIV hat schon 2004 begonnen. Damals hatte ich leichte Symptome: Durchfall und Juckreiz auf der Haut. Aber schon bald beginnt mein Bein unkontrolliert zu zittern. Ich bekomme Angst und bin verwirrt. Ich gehe nach Delhi, wo ich getestet werde. Das Ergebnis: HIV-positiv. Das zieht mir direkt den Boden unter den Füßen weg. 

Meine Familie weiß von meinem gesundheitlichen Zustand. Über die Diagnose sind sie schockiert, aber sie bleiben an meiner Seite. Ihre Unterstützung ist ein wichtiger Lichtblick in dieser Zeit.

Die Angst vor dem, was vor mir liegt, war überwältigend.

Die Medikamente zur Behandlung von HIV kosten damals 8.000 Rupien pro Monat. Ich kann sie mir zu dem Zeitpunkt nicht leisten. Staatliche Unterstützung gibt es auch nicht. An diesem Punkt ist das Leben ein täglicher Kampf: Ich verliere Gewicht, meine Gesundheit verschlechtert sich und ich bin ständiger Stigmatisierung ausgesetzt. Mein Körper versagt immer weiter. Erst ein Jahr später kann ich die Behandlung starten.

Ich habe mich isoliert gefühlt, beschämt und hoffnungslos.

In der Gesellschaft werde ich ausgegrenzt und sogar in Gesundheitseinrichtungen behandeln sie mich oft unfreundlich. Ich pendle jahrelang zwischen den Städten Delhi und Bihar, damit ich behandelt werden kann. Diese Zeit ist hart, aber ich halte durch.

Rakesh*, an HIV survivor
MSF
Rakesh* bei einer Gruppensitzung in der Bihar HIV-Klinik. Er schenkt anderen Patient:innen Hoffnung.

Erst 2020 geht es bergauf, als ich zu Ärzte ohne Grenzen komme. Sie behandeln mich nicht nur, sondern bieten auch emotionale Unterstützung. Ihr Slogan ist „Garima ki Kiran“ (Strahl der Würde). Das spiegelt auch die Fürsorge wider, die ich dort erhalte.

Ich teile offen meine Geschichte, um das Schweigen und das Stigma rund um HIV zu brechen.

Durch das Leben mit HIV habe ich gelernt, widerstandsfähig zu sein. Ich habe Jahre ohne Behandlung überlebt, trotz lebensbedrohlicher Komplikationen, und gleichzeitig gegen das Stigma gekämpft. Aber ich möchte, dass andere wissen: Das ist nicht das Ende. Mit den richtigen Medikamenten, rechtzeitiger Behandlung und einem disziplinierten Lebensstil können Menschen mit HIV ein erfülltes Leben leben.

An alle, die das lesen: Denkt daran, HIV ist eine chronische Erkrankung wie jede andere. Wir können diese Herausforderungen überwinden - gemeinsam und mit Unterstützung. Für ein Leben in Würde.

*Namen geändert

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