11.06.2026
Vier Einsätze in zwei Jahren – was Chirurg Olivier Bézard auf Haiti, im Tschad, in Afghanistan und in der Zentralafrikanischen Republik erlebt hat und warum er immer wieder auf Einsatz geht.

Man braucht nicht glauben, dass man die Welt verändert – aber man hat trotzdem das Gefühl, dass man mehr bewegt als bei uns.

Vom Wunsch zur Wirklichkeit

Ich bin orthopädischer Unfallchirurg und habe eine fixe Stelle in Österreich. Trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb - wollte ich schon lang dort helfen, wo medizinische Versorgung nicht selbstverständlich ist.

Also habe ich mich bei Ärzte ohne Grenzen beworben. Und ich bereue es keinen Moment. 

Olivier Bezard orthopädischer Chirurg im Einsatz 2025 in Tschad
MSF

Vier Länder, eine Mission

Mein erster Einsatz war in Haiti, in einem Traumaspital, das komplett aus modularen Containern aufgebaut ist – mit Intensivstation, Operationssälen, Krankenzimmern, Wartebereichen. Ein durchdachtes System, das uns überraschend viele Möglichkeiten gegeben hat.  

Im Tschad dagegen habe ich in einem Zelt operiert. In Afghanistan und der Zentralafrikanischen Republik kamen noch einmal ganz eigene Kontexte dazu – jeder Einsatz hat seine eigene Logik, seine eigenen Herausforderungen.

In allen vier Ländern waren es vor allem Schussverletzungen, Verkehrsunfälle und Verbrennungen, die ich behandelt habe.  

Im Tschad kommen viele Patient:innen erst nach einer Woche Reise zu uns – mit zerschossenen Gliedmaßen, in katastrophalen Zuständen. 

Im Tschad kommen die Leute oft nach einer Woche Reise mit zerschossenen Gliedmaßen – da geht es prinzipiell mal darum, Infektionen zu behandeln.

Führung wächst mit Erfahrung

Je öfter ich diese Einsätze mache, desto mehr Verantwortung übernehme ich. Ich merke, dass mir zunehmend eine Führungsrolle zugewiesen wird – und dass ich darauf schaue, dass ein gewisser Standard eingehalten wird.  

Mein Fachwissen ist besonders dann gefragt, wenn es um die Versorgung von komplexen Knochenbrüchen geht, die nicht zum täglichen Repertoire von Chirurg:innen gehören.

Operationssaal Tschad
MSF

Was ich mitnehme

Die Zusammenarbeit mit unseren lokalen Kolleg:innen ist für mich das Beste. Ich lerne eine Kultur und Menschen kennen, wie ich es als Tourist nie könnte.  

Und gleichzeitig bekomme ich so viel zurück – vom Einsatz, von den Menschen, vom Wissen, das wir gemeinsam aufbauen. Es macht einfach Spaß. Ich sage das bewusst so schlicht, weil es genau das ist.

Die Leute vor Ort kennenzulernen – das ist eine Begegnung, die ich als Tourist nie hätte haben können.

Und weiter geht es

Nach vier Einsätzen in zwei Jahren – Haiti, Tschad, Afghanistan, Zentralafrikanische Republik – hoffe ich, dass es auch weitergeht. Meine fixe Stelle in Österreich und die Arbeit für Ärzte ohne Grenzen schließen sich nicht aus – im Gegenteil. Wer einmal erlebt hat, wie viel die eigenen Fähigkeiten in einem anderen Kontext bewegen können, will dieses Gefühl nicht missen. 

Mut haben wir. Dich brauchen wir.

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