Kommentar von
Verena Prinz-Wegerer
22.07.2026
Verena geht seit 2023 als Finanz- und Personal-Managerin mit Ärzte ohne Grenzen auf Einsatz. Im Blog erzählt sie, warum ihre Laufschuhe immer dabei sein müssen und wie es ist, wenn plötzlich Krieg ausbricht.

Es gibt einen Moment, der mir gezeigt hat, warum ich diese Arbeit mache. Ich bin am Ende meines Einsatzes im Libanon, als der Krieg ausbricht. Unsere lokalen Kolleg:innen sind plötzlich nicht nur Mitarbeiter:innen von Ärzte ohne Grenzen – sie sind selbst betroffen.  

Und genau in diesem Moment wissen wir alle, warum wir hier arbeiten: Wir bleiben. Wir helfen. Wir halten zusammen. 

Ich erinnere mich noch genau, wie meine Assistentin mir von ihrer dreijährigen Tochter erzählt. Die Kleine sagt zu ihr: „Mama, ich habe keine Angst vor den Bomben. Ich will nur hier in unserem Haus bleiben.“  

Dieser Satz begleitet mich bis heute. Er erinnert mich daran, für wen wir da sind.

Hatte ich selbst Angst? Ich würde nicht sagen, dass ich gar keine Angst hatte. Aber ich weiß: Ärzte ohne Grenzen tut alles, um unsere Sicherheit zu gewährleisten. Die Sicherheitsmaßnahmen greifen – zu jeder Zeit. Das gibt mir die Ruhe, mich auf das zu konzentrieren, was zählt: unsere Teams und die Menschen, für die wir arbeiten. 

Verena Prinz-Wegerer: Als Finanz- und HR-Managerin im Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen
Verena Prinz-Wegerer

Wer ich bin – und wie ich zu Ärzte ohne Grenzen gekommen bin

Mein Name ist Verena Prinz-Wegerer und ich bin in Oberösterreich geboren und aufgewachsen. Ich habe Anthropologie und Bildungswissenschaft studiert und später meinen Master in Sozialer Arbeit gemacht. Vor meiner Zeit bei Ärzte ohne Grenzen habe ich in Österreich in der Gesundheitsförderung gearbeitet und ein kleines Team in einer Einrichtung für Frauengesundheit geleitet. 

Verena Prinz-Wegerer: Als Finanz- und HR-Managerin im Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen

Zum ersten Mal bin ich Ärzte ohne Grenzen im Bachelorstudium begegnet: In einer Vorlesung habe ich eine Medizinanthropologin der Organisation kennengelernt – und sie hat mich wirklich inspiriert.  

Damals habe ich zum ersten Mal gedacht: Da will ich irgendwann hin. 2023 war es so weit. Mein erster Einsatz hat mich nach Guatemala geführt, danach nach Mombasa in Kenia und zuletzt in den Libanon. 

Jetzt bereite ich mich auf meinen vierten Einsatz vor – gemeinsam mit meinem Partner, der schon seit 2018 mit Ärzte ohne Grenzen im Einsatz ist. 

Meine Aufgabe: Das Team zur richtigen Zeit am richtigen Ort

In meiner Position dreht sich alles um Menschen. Gerade im Personal-Bereich geht es darum, die richtigen Menschen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben. Einen typischen Arbeitstag gibt es bei Ärzte ohne Grenzen aber nicht – man weiß nie, was als Nächstes kommt. 

Ungefähr läuft es so: Der Arbeitstag beginnt zwischen 7:30 und 8 Uhr. Wir fahren von unserer Unterkunft ins Büro, treffen dort unsere Kolleg:innen. Als Finanz- und HR-Managerin arbeite ich eng mit allen Abteilungen zusammen – dem medizinischen Team, der Logistik und der Koordination.  

Wir planen den Tag, haben Meetings, ich stelle neue Kolleg:innen ein. Und natürlich reagieren wir auf Notfälle. Gegen 17 oder 18 Uhr schließen wir den Tag ab. 

Was ich von meinen Kolleg:innen lerne

Das Schönste an der Arbeit mit Ärzte ohne Grenzen ist für mich die Chance, Menschen aus der ganzen Welt zu treffen und eng mit Kolleg:innen aus verschiedenen Kulturen und Gesellschaften zusammenzuarbeiten.  

Die Gespräche mit unseren lokalen Mitarbeiter:innen gehören zu den inspirierendsten Momenten meines Arbeitstags. Sie kennen den Kontext, die Menschen und die Bedürfnisse vor Ort am besten – von ihnen lerne ich jeden Tag.

Für mich als Person aus Österreich heißt das auch: Ich bin diejenige, die sich anpasst – an neue Situationen, an einen neuen Arbeitsalltag, an eine andere Kultur.  

Diese Offenheit, Flexibilität und kulturelle Sensibilität sind für mich die Kernkompetenzen für jeden Einsatz. Und sie lassen mich wachsen: Mit jedem Einsatz entwickle ich mich persönlich weiter. 

Verena Prinz-Wegerer: Mit Ärzte ohne Grenzen zu Weihnachten im Einsatz im Libanon
Verena Prinz-Wegerer
Weihnachten im Libanon

Was immer in meinen Koffer kommt

Ich nehme auf jeden Einsatz meine Laufschuhe mit. Wenn ich den Kopf freibekommen muss, gehe ich laufen – am Laufband oder auf dem oft sehr begrenzten Platz, den wir im Einsatz haben.  

Bücher nehme ich keine mehr mit: Die sind nur schwer, und ich lese sie sowieso nie. Und wenn ich an das beste Essen in meinen Einsätzen denke, dann war das im Libanon – Hummus.  

Mein Rat: Der richtige Moment ist jetzt

Wenn du mit deiner Bewerbung bei Ärzte ohne Grenzen noch zögerst, sage ich dir aus eigener Erfahrung: Den perfekten Moment gibt es nicht. Du wirst immer viele Gründe finden, warum es gerade nicht passt. Man muss es einfach tun und ich habe es nie bereut. Wenn du also darüber nachdenkst – mach es einfach.

Was du mitbringen solltest? Die Fähigkeit, um die Ecke zu denken und dich anzupassen. Wer sehr viel Struktur, feste Pläne und ein sicheres Umfeld braucht, wird sich im Einsatz schwertun. Wer sich aber auf das Unvorhersehbare einlassen kann, den erwartet eine Erfahrung, die einen wachsen lässt – mit jedem einzelnen Einsatz. 

Bist auch du bereit für einen Einsatz mit uns? 

Mut haben wir, dich brauchen wir.