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24.10.2016
21:54
Mona Vogelsang

Viele Dank für Ihren Bericht, den ich jetzt über "Wienerin" bei Facebook fand. Unvorstellbar, dass die so erwünschte Schwangerschaft verborgen bleiben muss! Das mit der Macht der Schwiegermutter kann ich mir gut vorstellen, schließlich war eine Menge Geld, Vieh oder Land aufzubringen, um die Braut einzukaufen. Da fügt man sich als junges Mädchen klaglos und wortlos ein, sonst wird das Leben zur Hölle.
Ich betreue hier seit mehr als 1/2 Jahr eine 9-köpfige Asylbewerberfamilie aus Kabul und Djalalabad. 1 Paar hat 4 Kinder, 9, 7, 4 und 1 Jahr alt. Die Mutter ist 22. (!) Mit dem Vater (36) versteht sie sich wohl gut, Spannungen sind nicht zu registrieren. Die Mutter sagt auch im Beisein von Fremden deutlich ihre Meinung. So weit, so gut. - Wir haben ziemlich schnell das Thema Empfängnisverhütung besprochen, ich arbeite mit Bildern und ad hoc auch mit Zeichnungen. Danach war sehr schnell klar, dass die Frau keine Kinder mehr will im Gegensatz zum Mann. Er will sich nicht vasektomieren lassen, sie sagt, dass Präservative keine Lösung sind. - Jetzt ist sie geschützt über eine 3-Monats-Spritze. - In der Kommunikation hatte ich eindeutig einen Heimvorteil, bin deutlich älter und darin geübt, Anweisungen zu geben. Die Familie befindet sich sozusagen auf meinem Terrain. - Der 2 Mal bei weniger delikaten Themen hinzugezogene Dolmetscher war insofern nicht wirklich eine Hilfe, als er seine tradierten Vorstellungen einbrachte. - Die unverheiratete Schwester entspricht mehr der bei ihnen beschriebenen Art, wie Frauen sich zu verhalten haben. Sie ist schamhafter und spricht fast nicht. Sie wollte auch nicht duschen und fürchtet, dass ihre Eltern in Kabul erfahren, wenn sie kein Kopftuch trägt. Fotos mit den Frauen in unserem freieren Leben wünschen sie nicht, da die Familien in A. Sanktionen erwarten könnten. - Alle sind Analphabeten, was das Erlernen unserer Sprache verkompliziert. - Wir hoffen hier inständig, dass sie nicht zurück müssen. Die Kinder freuen sich so über Schule und Kindergarten ....
Für Ihre Untersuchungen wünsche ich Ihnen viel Glück, dasselbe natürlich auch bei Ihren Einsätzen für Ärzte ohne Grenzen. Kommen Sie heil zurück!