COVID-19 in Brasilien: Im Amazonasgebiet spitzt sich die Lage dramatisch zu

12.02.2021
Mental health for health workers
The epidemic has had an enormous psychological impact on health workers in Manaus. MSF is trying to address that with mental health support at the José Rodrigues Emergency Unit (UPA) - in this photo - and 28 de Agosto hospital in Manaus, one of the biggest in the Amazonian capital. Psychological support is offered to all hospital staff, medical and non-medical. What we are seeing is not only professionals who have had to deal with long shifts and a high number of patients, but also manage their own concerns about getting contaminated and contaminating their loved ones. Sometimes they have already experienced loss of family and friends but have to move on with their everyday duties, without time to mourn the ones who are gone.

Im brasilianischen Amazonasgebiet verschlimmert sich die Versorgungslage von COVID-19-Patientinnen und Patienten täglich. In Manaus, der Hauptstadt des Bundessstaates Amazonas, sind alle Intensivbetten belegt und sehr viele schwer Erkrankte warten dringend auf eine Behandlung. Die örtlichen Behörden registrierten im Jänner mit 2.522 Todesfällen im Zusammenhang mit COVID-19 fünf Mal mehr Tote als noch im Dezember, als 460 Menschen an oder mit COVID-19 starben. In weiter flussaufwärts gelegenen Städten ist die Lage ähnlich. Schwer erkrankte Patientinnen und Patienten können von dort oft erst sehr spät oder gar nicht in das größere städtische Krankenhaus in Manaus verlegt werden, da die dortigen Kapazitäten völlig überlastet sind.

„Unser Plan A war, die Zahl der Patientinnen und Patienten mit lebensbedrohlichen Krankheitsverläufen zu begrenzen, indem wir die frühe Versorgung von mittelschwer und schwer Erkrankten drastisch herauffahren“, sagt Pierre Van Heddegem, Notfallkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Brasilien. „Nun sind wir komplett zu Plan B übergegangen und konzentrieren uns auf die intensivmedizinische Behandlung von lebensbedrohlich erkrankten COVID-19-Patientinnen und Patienten. Und dies in Einrichtungen, die keine Intensivstationen haben, und jeden Tag mit der Herausforderung, dass uns der Sauerstoff ausgeht. Diese zweite COVID-19-Welle überfordert alles und jeden, und wir versuchen jeden Tag, Schritt zu halten. Unsere große Sorge ist, dass wir das nicht mehr lange durchhalten werden.“

Teams starten Aktivitäten zur Gesundheitsaufklärung

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen unterstützen die überlasteten Krankenhausbelegschaften in der Hauptstadt Manaus sowie den Städten Tefe und São Gabriel da Cachoeira. Dort leisten oder unterstützen sie die Behandlung von lebensbedrohlich erkrankten COVID-19-Patientinnen und Patienten in knapp 100 Betten. Demnächst werden Teams in Manaus zudem Aktivitäten zur Gesundheitsaufklärung starten und über Hygiene-und Abstandsregeln informieren. Die Organisation fordert die örtlichen Behörden dazu auf, den Einsatz von Antigen-Schnelltests auszuweiten, die anzeigen, ob Personen aktuell infektiös sind.

Besonders dramatisch ist die Lage in der Stadt Tefe, flussaufwärts von Manaus gelegen. Das Team von Ärzte ohne Grenzen hat das dortige Krankenhauspersonal dabei unterstützt, sämtliche Klinikstationen in andere Gebäude wie etwa eine Schule auszulagern, um im gesamten Krankenhausgebäude nur COVID-19-Patientinnen und Patienten behandeln zu können. Unter normalen Bedingungen würden alle lebensbedrohlich Erkrankten per Flugzeug zur Behandlung nach Manaus transportiert. Aber da dort praktisch alle COVID-19-Stationen belegt sind, müssen sie nun vor Ort behandelt werden. Das Krankenhaus in Tefe hat die Kapazitäten bereits von 27 auf 67 COVID-Betten erhöht. Dennoch ist es kaum zu schaffen, so viele schwer erkrankte Patientinnen und Patienten zu behandeln. Auch die Versorgung mit Sauerstoff ist ein ständiges Problem. „Wir sind in Tefe jeden Tag am Limit“, sagt Van Heddegem. „Es gab Tage, an denen wir nahe an einer Katastrophensituation waren.“

Nicht genug medizinisches Personal und Sauerstoff

In Manaus unterstützen unsere Teams das José Rodrigues-Notfallzentrum (UPA), in dem COVID-Patientinnen und Patienten umfassend versorgt werden, obwohl es nicht darauf ausgerichtet ist. „Das UPA war völlig überlastet“, sagt Fabio Biolchini Duarte, Koordinator des Einsatzes von Ärzte ohne Grenzen in Manaus. „Es gab nicht genug Ärztinnen, Ärzte und Pflegepersonal und keine intensivmedizinischen Protokolle. Als wir zum ersten Mal dort waren, hatte das Notfallzentrum 18 Betten, aber 45 Patienten. Es war komplett zu einer COVID-19-Krankenstation geworden. Es zählt zu den Einrichtungen, in denen mehrere Patientinnen und Patienten starben, weil sie nicht mit Sauerstoff versorgt werden konnten.“

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Gesundheitseinrichtungen in Manaus sind emotional immer stärker belastet, weil sie täglich mit vielen Todesfällen zu tun haben. Ein psychologisches Team von Ärzte ohne Grenzen bietet seit kurzem psychosoziale Unterstützung für medizinisches und nicht-medizinisches Personal der Krankenhäuser und Gesundheitszentren in Manaus an. 

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