Deutschland

Hepatitis C: Entscheidung über Patent auf teures Medikament erwartet

Tausende Menschen mit Hepatitis C in Europa könnten bald von sehr viel günstigeren Medikamenten profitieren. Denn in München entscheidet am 13. und 14. September das Europäische Patentamt (EPA) über das Patent auf das derzeit wirksamste Medikament Sofosbuvir, das Gilead Sciences hält. Aufgrund der daraus resultierenden Monopolstellung kann das US-amerikanische Pharmaunternehmen für Sofosbuvir derzeit exorbitant hohe Preise verlangen. Ärzte ohne Grenzen, Ärzte der Welt und weitere Organisationen aus 17 europäischen Ländern haben im März 2017 beim EPA Einspruch gegen das Patent eingelegt. Für Donnerstag und Freitag sind nun Protestaktionen in München geplant.

Auf Sofosbuvir basierende Behandlungsmethoden können Patienten und Patientinnen innerhalb von zwölf Wochen von Hepatitis C heilen, die Heilungsrate liegt bei 90 Prozent. Medizinisch gesehen bedeutet Sofosbuvir einen großen Fortschritt. Eine patentierbare Innovation ist es aus rechtlicher und wissenschaftlicher Sicht aber nicht. Aus diesem Grund wurden auch außerhalb Europas in mehreren Ländern Einsprüche gegen Patente auf Sofosbuvir eingereicht. In Ägypten, China und der Ukraine waren sie bereits erfolgreich.

Herstellung gleichwertiger Nachahmerpräperate ermöglichen

Sollte Gileads Patent im Zuge der nun anstehenden Verhandlungen auch für Europa aufgehoben werden, würde dies die Herstellung gleichwertiger Nachahmerpräparate von Sofosbuvir sowie deren Import in europäische Länder möglich machen. Und möglicherweise positive Auswirkungen auf die Behandlung weltweit haben.

Mehr Menschen als bisher hätten dann Zugang zu einer Behandlung mit dem Wirkstoff. Denn wegen des hohen Preises haben einige europäische Regierungen Behandlungen mit Sofosbuvir bereits rationiert und lassen nur die schwersten Fäll von Hepatitis C dafür zu. In Europa verlangt Gilead für eine zwölfwöchige Therapie mit Sofosbuvir bis zu 43.000 Euro. In Ländern, in denen Sofosbuvir nicht von Patenten geschützt ist, kostet eine zwölfwöchige Behandlung mit dem Wirkstoff dank des Wettbewerbs zwischen Generikaherstellern nur rund 52 Euro.

Rund 15 Millionen Menschen in der Europäischen Region Hepatitis C-infiziert

„In Ländern wie Kambodscha und Indien konnte Ärzte ohne Grenzen erst dann mehr Hepatitis-C-Patienten behandeln, als mehr erschwingliche, qualitätssichere Generika verfügbar waren“, sagt Gaelle Krikorian von der Medikamentenkampagne der internationalen Hilfsorganisation. „Es ist höchste Zeit, dass das Europäische Patentamt ebenso wie Patentämter auf der ganzen Welt Monopole für Arzneimittel genauer prüfen und deren negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen bei der Vergabe von Patenten berücksichtigen. Die Aufhebung des Patents von Gilead in Europa würde ein starkes Signal an andere Länder senden, ungerechtfertigte Patente anzufechten, wenn die Gesundheit und das Überleben von Menschen auf dem Spiel stehen.“

Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind in der von ihr festgelegten Europäischen Region rund 15 Millionen Menschen (also etwa einer von fünfzig) chronisch mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert. Mehr als 112.000 Menschen sterben jedes Jahr an Leberkrebs und –Zirrhose, welche durch Hepatitis C verursacht wurden.

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