Medikamentenkampagne

Impfstoff aus Indien könnte mehr Kinder vor Lungenentzündung schützen

Impfstoffe gegen Pneumokokken von Pfizer und GlaxoSmithKline sind teuer und strapazieren das Budget der globalen Impfallianz (GAVI). Ärzte ohne Grenzen fordert die Organisation daher auf, den Markteintritt eines neuen, günstigeren Anbieters zu fördern.

Mehr als ein Viertel aller Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren wird durch Lungenentzündungen verursacht. Pro Jahr sterben weltweit fast eine Million Kinder an der Krankheit, die in vielen Fällen durch Pneumokokken ausgelöst wird. Gegen den Erreger gibt es zwei Impfstoffe, die aber sehr teuer sind. Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) fordert die Globale Impfallianz (GAVI) auf, den Markteintritt eines dritten, deutlich günstigeren Medikamentes eines indischen Anbieters zu fördern. So könnten mehr Kinder gegen die lebensbedrohliche Krankheit geimpft werden.

Die beiden Pharmaunternehmen Pfizer und GlaxoSmithKline (GSK) teilen sich seit langem das Geschäft mit Impfstoffen gegen Pneumokokken. Durch deren Marktbeherrschung werden die Preise hoch gehalten. Die globale Impfallianz zahlt für den Impfstoff pro Kind derzeit rund neun US-Dollar, daneben wird beiden Unternehmen ein weiterer Zuschuss auf den Grundpreis gewährt. Der neuer Anbieter „Serum Institute of India“ hat hingegen angekündigt, bis Jahresende einen Impfstoff um sechs Euro pro Kind auf den Markt zu bringen.

„Aufgrund der ausbeuterischen Preise von Pfizer und GSK sind nach wie vor Millionen Kinder auf der ganzen Welt von Lungenentzündungen bedroht“, sagt Kate Elder, Impfstoff-Expertin der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. Der Kauf dieser Impfstoffe bei Pfizer und GSK verschlingt rund 40 Prozent des Gesamtbudgets von GAVI und wurde seit 2007 durch ein von GAVI und internationalen Gebern finanziertes Programm zudem mit einer Gesamtsumme von 1,2 Milliarden US-Dollar subventioniert.

Diese Woche tagt GAVI-Konferenz

Diese Woche findet in Tokio der Auftakt für die dritte Wiederauffüllungskonferenz von GAVI für die Periode von 2021 bis 2025 statt. Ärzte ohne Grenzen plädiert für einen geänderten Verteilmechanismus zugunsten des neuen Anbieters. So könnte die Globale Impfallianz bis zu einer Milliarde US-Dollar sparen und damit mehr Kinder als bisher vor Pneumokokken schützen.

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