Jemen

Jemen: Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Taiz bei Luftangriffen getroffen - neun Menschen verwundet

Bei einem Luftangriff der von Saudi-Arabien geführten Koalition im Süden Jemens wurde ein Krankenhaus der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) getroffen. Neun Menschen wurden bei dem Angriff auf die Stadt Taiz verletzt, darunter zwei Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen.

„Wir haben die GPS-Koordinaten unserer Klinik regelmäßig an Vertreter der von Saudi-Arabien geführten Koalition übermittelt, zuletzt am 29. November“, sagt Jerôme Alin, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen im Jemen. „Auch über unsere medizinischen Aktivitäten in der Klinik haben wir die Vertreter der Koalition informiert. Es ist unmöglich, dass die von Saudi-Arabien geführte Koalition nicht über die Präsenz von Ärzte ohne Grenzen Bescheid wusste.“

Nach Augenzeugenberichten ereigneten sich die Luftangriffe am 2. Dezember vormittags und zielten auf einen Park im Stadtbezirk Al Houban in Taiz. Die von Ärzte ohne Grenzen betriebene Al Houban-Klinik befindet sich zwei Kilometer von dem Park entfernt. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen veranlassten sofort die Evakuierung der Klinik und informierten Vertreter der von Saudi-Arabien geführten Koalition, dass deren Flugzeuge dort einen Angriff fliegen. Auch die Klinik selbst geriet unter Beschuss. Die bei dem Angriff Verwundeten – darunter zwei Schwerverletzte –  wurden ins Al Qaidah- und ins Al Resalah-Krankenhaus gebracht. Beide Krankenhäuser werden von Ärzte ohne Grenzen bei der Behandlung von Kriegsverletzten unterstützt.

Respekt vor Zivilisten unbedingt notwendig

In der Klinik in Al Houban leisteten die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen seit zwei Monaten medizinische Nothilfe für Menschen, die von dem aktuellen Konflikt vertrieben wurden. Allein in den beiden Tagen vor den Luftangriffen wurden dort 480 Patienten behandelt.

„Die Bombardierung von Zivilisten und Krankenhäusern stellt eine Verletzung des humanitären Völkerrechts dar”, so Alin. „Zivilisten, die medizinische Behandlung brauchen und medizinische Einrichtungen aufsuchen, müssen geschützt sein.“

Erst im vergangenen Monat war ein von Ärzte ohne Grenzen unterstütztes Krankenhaus in Haydan in der jemenitischen Provinz Saada bei Luftangriffen getroffen und komplett zerstört worden.

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen sind im Jemen in acht Gouvernements (Sana’a, Sa´ada, Aden, Taiz, Amran, Al Dahle, Ibb und Hajja) im Einsatz. Seit dem Beginn des aktuellen Konflikts im März 2015 haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen im Jemen über 16.000 Kriegsverletzte behandelt. Da die lokalen Gesundheitseinrichtungen nur teilweise in Betrieb sind, bietet die Organisation auch eine allgemein-medizinische Grundversorgung an. Ärzte ohne Grenzen leistet in mehr als 60 Ländern weltweit unparteilich medizinische Hilfe für Menschen in Not.

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