Nigeria

Ärzte ohne Grenzen verurteilt den Luftangriff auf das Flüchtlingslager von Rann aufs Schärfste

Beim Bombardement eines Lagers für Vertriebene in Rann im Bundesstaat Borno durch die nigerianische Armee am 17. Jänner 2017 wurden laut Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) mindestens 90 Menschen getötet und 120 weitere verletzt. Der Großteil davon waren Frauen und Kinder. Es sind keine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Ärzte ohne Grenzen betroffen.

„Dieser massive Anschlag auf Menschen, die bereits durch die Flucht vor Gewalt geschwächt sind, ist schockierend und nicht hinnehmbar“, erklärt Dr. Jean-Clément Cabrol, Operativer Leiter von Ärzte ohne Grenzen. „Die Sicherheit der Zivilbevölkerung muss gewährleistet werden. Wir rufen alle Parteien nachdrücklich dazu auf, die Evakuierung der Überlebenden zur medizinischen Erstversorgung über den Luft- oder Landweg zu ermöglichen.“

Bei dem Angriff wurden keine Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen getötet. Leider sind aber drei Angestellte einer Firma aus Kamerun, die von Ärzte ohne Grenzen mit der Bereitstellung von sanitären Anlagen und Wasseraufbereitung im Flüchtlingslager beauftragt wurde, unter den Opfern. Ärzte ohne Grenzen drückt den Familien der Opfer tiefstes Mitgefühl aus und tut alles, um sie in dieser schwierigen Situation zu unterstützen. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen haben in der Vergangenheit sehr eng mit ihnen zusammengearbeitet, viele der Mitarbeiter kannten sie gut.

Erstversorgung für 120 Verwundete

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen sind derzeit dabei, die 120 Verwundeten in der medizinischen Einrichtung von Rann erstzuversorgen. Ärzte und Chirurgen von Ärzte ohne Grenzen in der Region bereiten sich darauf vor, die Patienten und Patientinnen zu behandeln. Zur Zeit des Anschlags war ein Team von Ärzte ohne Grenzen dabei, Kinder gegen Masern zu impfen und sie auf Mangelernährung zu untersuchen sowie generelle Behandlungen durchzuführen.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1996 in Nigeria tätig und eine der wenigen Organisationen, die weiterhin in der Lage sind, in entlegenen Regionen des Landes Nothilfe zu leisten. Im Bundesstaat Borno sind zehntausende Menschen vor der Gewalt zwischen bewaffneten Gruppierungen von Boko Haram und dem nigerianischen Militär geflohen. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen haben zuletzt vermehrt auf die völlig unzureichende Versorgung mit Nahrungsmitteln und die schlechte Gesundheitsversorgung in den teilweise informellen Lagern im Nordosten des Landes hingewiesen.

Teilen

Vervielfältigen