Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Im Nordosten des Landes befindet sich der Tschadsee, eine Krisenregion, die sich über vier angrenzende Länder erstreckt. Seit mehr als zehn Jahren herrscht ein gewaltsamer Konflikt zwischen der nigerianischen Regierung und bewaffneten Gruppen – mit dramatischen Folgen. Wir behandeln akute Krankheitsausbrüche wie Masern und Malaria, konzentrieren uns auf die medizinische Versorgung von Müttern und Kindern im ganzen Land und unterstützen bei Mangelernährung. Wir betreiben außerdem die Sokoto-Klinik zur Behandlung von Noma und in Zamfara führen wir weiterhin Untersuchungen und Behandlungen gegen Bleivergiftungen durch, die auf unsichere Bergbaupraktiken zurückzuführen sind. Unsere Teams sind auch bei Schutzmaßnahmen gegen Covid-19 involviert.

In den Bundesstaaten Borno und Zamfara erleben wir einen massiven Anstieg der Zahl mangelernährter Kinder. Seit Januar haben wir allein im Nordwesten des Landes mehr als 50.000 akut mangelernährte Kinder behandelt und 7.000 von ihnen stationär aufgenommen. Am kritischsten ist die Zeit zwischen Juni und September: Zwischen Aussaat und Ernte erreicht die Zahl der mangelernährten Kinder ihren Höchststand.

Obwohl wir in den vergangenen Monaten sowohl humanitäre Organisationen wie UNICEF und das Welternährungsprogramm als auch die Behörden aufgefordert haben, die medizinischen Aktivitäten zu verstärken, wurde nicht genug getan, um eine verheerende Ernährungskrise abzuwenden. Deshalb fordern wir nachdrücklich, dass die akuten Bedürfnisse der Kinder anerkannt werden und lebensrettende Unterstützung zur Priorität zu machen. Gleichzeitig gilt es andere Gesundheitsrisiken wie Masern oder Cholera präventiv zu verringern.

Zoom in Zoom out Afghanistan Angola Albania United Arab Emirates Argentina Armenia Australia Österreich Azerbaijan Burundi Belgium Benin Burkina Faso Bangladesh Bulgaria Bosnia and Herz. Belarus Belize Bolivia Brazil Brunei Bhutan Botswana Central African Republic Canada Switzerland Chile China Ivory Coast Cameroon Dem. Rep. Congo Congo Colombia Costa Rica Cuba Czech Rep. Germany Djibouti Denmark Dominican Rep. Algeria Ecuador Egypt Eritrea Estonia Ethiopia Finland Fiji Gabon United Kingdom Georgia Ghana Guinea Gambia Guinea-Bissau Eq. Guinea Greece Greenland Guatemala Guyana Honduras Croatia Haiti Hungary Indonesia India Ireland Iran Iraq Iceland Israel Italy Jamaica Jordan Japan Kazakhstan Kenya Kyrgyzstan Cambodia Korea Kuwait Lao PDR Lebanon Liberia Libya Sri Lanka Lesotho Lithuania Luxembourg Latvia Morocco Moldova Madagascar Mexico Macedonia Mali Myanmar Montenegro Mongolia Mozambique Mauritania Malawi Malaysia Namibia Niger Nigeria Nicaragua Netherlands Norway Nepal New Zealand Oman Pakistan Panama Peru Philippines Papua New Guinea Poland Dem. Rep. Korea Portugal Paraguay Palestine Qatar Romania Russia Rwanda W. Sahara Saudi Arabia Sudan South Sudan Senegal Sierra Leone El Salvador Serbia Suriname Slovakia Slovenia Sweden Eswatini Syria Chad Togo Thailand Tajikistan Turkmenistan Timor-Leste Tunisia Turkey Taiwan Tanzania Uganda Ukraine Uruguay United States Uzbekistan Venezuela Vietnam Vanuatu Yemen South Africa Zambia Zimbabwe Somalia French Guiana France Spain Aruba Anguilla Andorra Antigua and Barb. Bahamas Bermuda Barbados Comoros Cape Verde Cayman Is. Dominica Falkland Is. Faeroe Is. Grenada Hong Kong St. Kitts and Nevis Saint Lucia Liechtenstein Maldives Malta Montserrat Mauritius New Caledonia Nauru Pitcairn Is. Puerto Rico Fr. Polynesia Singapore Solomon Is. São Tomé and Principe Sint Maarten Seychelles Turks and Caicos Is. Tonga Trinidad and Tobago St. Vin. and Gren. British Virgin Is. U.S. Virgin Is. Cyprus Reunion Mayotte Martinique Guadeloupe Curaco Canary Islands

1971

Beginn der Arbeit

52,7

Mio. EUR

Ausgaben (Vorjahr)

2286

Einsatz­kräfte

Ländervergleich Österreich & Nigeria

AT
NG
83.80
55.62

Lebens­erwartung Frauen

in Jahren

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
NG
79.40
53.79

Lebens­erwartung Männer

in Jahren

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
NG
3.00
74.20

Säuglings­sterblichkeit

je 1000 Geburten

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
NG
5.20
0.38

Ärzt:innen

je 1000 Einwohner­:innen

Quelle: WHO, data.worldbank.org

Unsere Hilfe in Nigeria 2021

439.700 ambulante Sprechstunden

136.200 Malariabehandlungen

98.900 Krankenhausaufnahmen

39.000 Kinder in ambulanten Ernährungsprogrammen

17.500 Entbindungen

15.000 psychologische Einzelgespräche

13.200 Kinder in stationären Ernährungsprogrammen

19.900 Kinder gegen Masern behandelt

38.700 Cholerabehandlungen

Fokus auf Vertriebene

Im nordöstlichen Bundesstaat Borno wurden konfliktbedingt rund 1,6 Millionen Menschen in den vergangenen Jahren vertrieben. In Maiduguri unterstützten wir das Kinderkrankenhaus und versorgten mangelernährte Kinder in einem Ernährungszentrum. Zudem leisteten wir basismedizinische Unterstützung in fünf Vertriebenencamps. Auch im konfliktreichen Nordwesten behandelten wir Kinder im Krankenhaus in Anka, Shinkafi und Zurmi.  Zudem versorgten unsere Teams Vertriebene medizinisch, boten psychologische Sprechstunden und Behandlungen für Überlebende sexualisierter und genderbasierter Gewalt an. In Katsina behandelten wir mangelernährte Kinder ambulant und stationär. Im Zentrum des Landes boten wir basismedizinische Aktivitäten in Vertriebenencamps im Mbawa und Abagana an und starteten mobile Kliniken im Camp Ortese.

Noma: Eine vergessene Krankheit

Die meisten Menschen haben noch nie von dieser Krankheit gehört: Noma, eine schwere bakterielle Infektion mit dramatischen Folgen. Unbehandelt überlebt nur eine:r von zehn Erkrankten. Bei den Überlebenden bleiben schwere Knochen- und Gewebeschäden im Gesicht zurück, die nur durch umfangreiche chirurgische Eingriffe rekonstruiert werden können. Das Vorkommen von Noma steht in engem Zusammenhang mit extremer Armut, denn die Krankheit betrifft vor allem Kinder, die unter schlechten hygienischen Bedingungen leben und mangelernährt sind.

Bevor wir mit unserem Programm zur Aufklärung begannen, wussten die Leute wirklich nichts über Noma. Aber jetzt können viele sogar die frühen Anzeichen erkennen, uns anrufen und dabei helfen, Patient:innen zu finden, um sie ins Krankenhaus zu bringen.

Nura Abubakar, Noma-Experte

Epidemien und Geburtsnothilfe

Landesweit reagierten unsere Teams auf diverse Epidemien wie Cholera oder Lassa-Fieber. Zudem boten wir in den Bundesstaaten Kano und Jigawa Geburtsnothilfe und Säuglingsversorgung an.

Mehr dazu

Welternährungstag: Ärzte ohne Grenzen warnt vor…

Date seeds
KC NWAKALOR
Anlässlich des Welternährungstages am 16. Oktober weist Ärzte ohne Grenzen exemplarisch auf die besonders prekäre Lage im Nordwesten von Nigeria hin. „Unsere Alarmglocken schrillen“ sagt Einsatzleiter Simba Tirima.
Mehr lesen

Fotostrecke Nigeria: Wo Hunger Alltag ist

Nutritional crisis in northwest Nigeria
George Osodi
Die Bilder des nigerianischen Fotografen George Osodi zeigen, wie die Menschen in der Krise versuchen, zu überleben.
Mehr lesen

Warnung vor humanitärer Katastrophe in Borno

Maiduguri, Nigeria, 07.06.2022:Im Nilefa Kii Krankenhaus betreibt Ärzte ohne Grenzen eine Station für mangelernährte Kinder.
Nasir Ghafoor/MSF
Die Datenlage lässt auf eine alarmierende Ernährungskrise im Bundesstaat Borno in Nigeria schließen. Ärzte ohne Grenzen fordert eine Aufstockung der Hilfe.
Mehr lesen

Noma in Nigeria

Noma
Dreimal im Jahr sind unsere Teams in der nigerianischen Stadt Sokoto im Einsatz. Sie führen lebensverändernde Operationen für Menschen durch, die an Noma leiden. Dr. Muhammad Lawal Abubakar ist Teil des Teams und erzählt... 
Mehr lesen

Shirleys Weg zum Traumjob

Shirley Samson
Bei einem Lassa-Fieber-Ausbruch in Nigeria fand Krankenpflegerin Shirley Samson heraus, was sie in ihrem Leben machen wollte. Doch der Weg zum Traumjob war nicht immer einfach.
Mehr lesen

Blutspenden rettet Leben

MSF mobile clinic in IDP camp
Wie bringt man Menschen dazu Blut zu spenden? Dieser Frage stellten sich Dogara Yohana und sein Team in Nigeria. Sie merkten schnell: Der Schlüssel ist Vertrauen.
Mehr lesen

Lebensrettende Pflege in Nordnigeria

MSB113554
Mohammed Dikko Abdullahi arbeitet für Ärzte ohne Grenzen in seiner Heimatstadt Maiduguri. Er erzählt die Geschichte einer jungen Familie und der medizinischen Versorgung, die Leben rettet
Mehr lesen

Nigeria: Humanitäre Katastrophe abseits des…

Ein schwer an Masern erkranktes Kind wird im von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Spital in Anka im Bundesstaat Zamfara in Nigeria medizinisch versorgt.
MSF/Ghada Saafan
Der Österreicher Marcus Bachmann war als Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen in Nigeria und berichtet.
Mehr lesen

Massenmorde, Plünderungen und Entführungen in…

An orphan with grandmother in MSF Shinkafi hospital
MSF/Abayomi Akande
Was mit einem harmlosen Streit zwischen Hirten und Bauern begann, zwingt Menschen im Nordwesten von Nigeria nun ihre Heimat zu verlassen. Der medizinische Bedarf in Vertriebenenlagern steigt.
Mehr lesen

Nigeria: "Wir konnten die Kinder nicht wegschicken"

Measles outbreak in Maiduguri
Wairimu Gitau/MSF
Der jahrzehntelange Konflikt im Nordosten Nigerias hat Tausende von Menschen innerhalb ihres eigenen Landes und in die Nachbarländer vertrieben. Aufgrund des Konflikts sind fast zwei Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Mehr lesen