Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Im Nordosten des Landes befindet sich der Tschadsee, eine Krisenregion, die sich über vier angrenzende Länder erstreckt. Seit mehr als zehn Jahren herrscht ein gewaltsamer Konflikt zwischen der nigerianischen Regierung und bewaffneten Gruppen – mit dramatischen Folgen: Die Vereinten Nationen schätzen, dass heute mehr als zwei Millionen Menschen als Vertriebene im eigenen Land leben und rund sieben Millionen zum Überleben auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Wir behandeln akute Krankheitsausbrüche wie Masern und Malaria, konzentrieren uns auf die medizinische Versorgung von Müttern und Kindern im ganzen Land und unterstützen bei Mangelernährung. Wir betreiben außerdem die Sokoto-Klinik zur Behandlung von Noma und in Zamfara führen wir weiterhin Untersuchungen und Behandlungen gegen Bleivergiftungen durch, die auf unsichere Bergbaupraktiken zurückzuführen sind. Unsere Teams sind auch bei Schutzmaßnahmen gegen Covid-19 involviert.

Zoom in Zoom out Afghanistan Angola Albania United Arab Emirates Argentina Armenia Australia Österreich Azerbaijan Burundi Belgium Benin Burkina Faso Bangladesh Bulgaria Bosnia and Herz. Belarus Belize Bolivia Brazil Brunei Bhutan Botswana Central African Republic Canada Switzerland Chile China Ivory Coast Cameroon Dem. Rep. Congo Congo Colombia Costa Rica Cuba Czech Rep. Germany Djibouti Denmark Dominican Rep. Algeria Ecuador Egypt Eritrea Estonia Ethiopia Finland Fiji Gabon United Kingdom Georgia Ghana Guinea Gambia Guinea-Bissau Eq. Guinea Greece Greenland Guatemala Guyana Honduras Croatia Haiti Hungary Indonesia India Ireland Iran Iraq Iceland Israel Italy Jamaica Jordan Japan Kazakhstan Kenya Kyrgyzstan Cambodia Korea Kuwait Lao PDR Lebanon Liberia Libya Sri Lanka Lesotho Lithuania Luxembourg Latvia Morocco Moldova Madagascar Mexico Macedonia Mali Myanmar Montenegro Mongolia Mozambique Mauritania Malawi Malaysia Namibia Niger Nigeria Nicaragua Netherlands Norway Nepal New Zealand Oman Pakistan Panama Peru Philippines Papua New Guinea Poland Dem. Rep. Korea Portugal Paraguay Palestine Qatar Romania Russia Rwanda W. Sahara Saudi Arabia Sudan South Sudan Senegal Sierra Leone El Salvador Serbia Suriname Slovakia Slovenia Sweden Eswatini Syria Chad Togo Thailand Tajikistan Turkmenistan Timor-Leste Tunisia Turkey Taiwan Tanzania Uganda Ukraine Uruguay United States Uzbekistan Venezuela Vietnam Vanuatu Yemen South Africa Zambia Zimbabwe Somalia French Guiana France Spain Aruba Anguilla Andorra Antigua and Barb. Bahamas Bermuda Barbados Comoros Cape Verde Cayman Is. Dominica Falkland Is. Faeroe Is. Grenada Hong Kong St. Kitts and Nevis Saint Lucia Liechtenstein Maldives Malta Montserrat Mauritius New Caledonia Nauru Pitcairn Is. Puerto Rico Fr. Polynesia Singapore Solomon Is. São Tomé and Principe Sint Maarten Seychelles Turks and Caicos Is. Tonga Trinidad and Tobago St. Vin. and Gren. British Virgin Is. U.S. Virgin Is. Cyprus Reunion Mayotte Martinique Guadeloupe Curaco Canary Islands

1971

Beginn der Arbeit

45,0

Mio. EUR

Ausgaben (Vorjahr)

2380

Einsatz­kräfte

Ländervergleich Österreich & Nigeria

AT
NG
83.80
55.62

Lebens­erwartung Frauen

in Jahren

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
NG
79.40
53.79

Lebens­erwartung Männer

in Jahren

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
NG
3.00
74.20

Säuglings­sterblichkeit

je 1000 Geburten

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
NG
5.20
0.38

Ärzt:innen

je 1000 Einwohner­:innen

Quelle: WHO, data.worldbank.org

Unsere Hilfe in Nigeria 2020

  • 432.553 ambulante Konsultationen 
  •  
  • 78.941 stationäre Aufnahmen 
  •  
  • 127.555 Malariabehandlungen 
  •  
  • 22.565 Entbindungen 
  •  
  • 18.569 psychologische Einzelgespräche 
  •  
  • 23.342 Aufnahmen von Kindern in ambulante Ernährungsprogramme
  •  
  • 10.671 Aufnahmen von Kindern in stationäre Ernährungsprogramme 
  •  
  • 3.213 Masernbehandlungen bei Kindern
  •  
  • 1.500 Behandlungen von Bleivergiftungen

Auf der Flucht im eigenen Land

Neben den nördlichen Bundesstaaten Borno und Zamfara sind auch im südlichen Bundestaat Benue Menschen auf der Flucht vor bewaffneten Konflikten. Bis Ende 2020 mussten schätzungsweise 197.000 Menschen aufgrund des Konflikts zwischen Tierzüchtern und Landwirten ihre Heimatorte verlassen. Es geht bei dem seit über 20 Jahren anhaltenden Konflikt vor allem um wirtschaftliche und klimatische Fragen: Zugang zu Land und dessen Verwendung. Nur etwa die Hälfte der vertriebenen Menschen lebt in offiziellen Camps. Es fehlt an Nahrungsmitteln, Wasser, Unterkünften und medizinischer Versorgung: Akute Durchfallerkrankungen, die auf den Mangel an sauberem Wasser zurückzuführen sind, sind ein ständiges Gesundheitsrisiko.  

Wir arbeiten gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden in diesen Camps für Geflüchtete in den Bereichen Impfungen, reproduktive und psychische Gesundheit, Ernährungshilfe sowie bei der Behandlung von Überlebenden sexualisierter Gewalt.

Noma: Eine vergessene Krankheit

Die meisten Menschen haben noch nie von dieser Krankheit gehört: Noma, eine schwere bakterielle Infektion mit dramatischen Folgen. Unbehandelt überlebt nur eine:r von zehn Erkrankten. Bei den Überlebenden bleiben schwere Knochen- und Gewebeschäden im Gesicht zurück, die nur durch umfangreiche chirurgische Eingriffe rekonstruiert werden können. Das Vorkommen von Noma steht in engem Zusammenhang mit extremer Armut, denn die Krankheit betrifft vor allem Kinder, die unter schlechten hygienischen Bedingungen leben und mangelernährt sind.

Bevor wir mit unserem Programm zur Aufklärung begannen, wussten die Leute wirklich nichts über Noma. Aber jetzt können viele sogar die frühen Anzeichen erkennen, uns anrufen und dabei helfen, Patient:innen zu finden, um sie ins Krankenhaus zu bringen.

Nura Abubakar, Noma-Experte

Die frühzeitige Identifizierung von betroffenen Patient:innen ist wichtig, da bei aktivem Noma die Sterblichkeitsrate hoch ist. Obwohl sich die Covid-19-Beschränkungen im Jahr 2020 auf unsere Noma-Aktivitäten auswirkten, konnten wir dennoch 73 Patient:innen operieren. Sie erhalten zusätzlich therapeutische Ernährung und eine spezielle Physiotherapie. Ein weiterer wichtiger Aspekt unserer Arbeit ist eine umfassende psychosoziale Betreuung, um die Angst der Patient:innen vor den Operationen zu lindern und ihre soziale Isolation sowie gesellschaftliche Tabus zu durchbrechen. Die Entstellungen im Gesicht werden häufig als Folgen von Magie missinterpretiert.

Schnelle Hilfe für Überlebende sexueller Gewalt

In zwei Kliniken in Port Harcourt im Bundesstaat Riverstate boten wir Überlebenden sexualisierter Gewalt eine umfassende Gesundheitsversorgung an, einschließlich Prophylaxe gegen HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen, Impfungen gegen Tetanus und Hepatitis B, Notfallverhütung sowie psychologische und soziale Unterstützung. Im Jahun General Hospital im Bundesstaat Jigawa leisteten wir zusätzlich in vier Gesundheitszentren eine umfassende Geburtshilfe sowie prä- und postnatale Notfallversorgung von Neugeborenen. Außerdem behandeln wir Fisteln. Sie entstehen während langer Geburten und wenn Frauen dabei keine professionelle Begleitung wahrnehmen können. Dabei entstehen Löcher zwischen Blase und Darm und betroffene Frauen werden inkontinent. Sie werden wegen ihrer Symptome oftmals auch gesellschaftlich stigmatisiert. Eine vesiko-vaginale Operation hat für betroffene Frauen eine große Bedeutung: Sie ermöglicht die Rückkehr in ein normales Leben. 2020 haben sich 205 Frauen solch einer Operation unterzogen.

2019

Nigeria Meningitis C Behandlungszentrum
Fabrice Caterini/INEDIZ
Sokoto Mutalah Mohamad Hospital, Nigeria, 08.05.2017: Meningitis C-Behandlungszentrum. 

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Ärzte ohne Grenzen setzte im Jahr 2019 die Hilfe in Nigeria fort, da der anhaltende Konflikt zu Vertreibungen führte und die Menschen dringend medizinische Hilfe benötigten. 

  • 287.200 ambulante Sprechstunden
  • 64.600 stationäre Aufnahmen
  • 53.300 Malariabehandlungen 
  • 9.200 Aufnahmen von Kindern in stationäre Ernährungsprogramme
  • 12.400 Aufnahmen von Kindern in ambulante Ernährungsprogramme
  • 18.900 Entbindungen
  • 8.200 Masernbehandlungen bei Kindern
  • 18.600 psychologische Einzelgespräche
  • 290 Behandlungen von hämorrhagischem Fieber

Die Hilfe in Nigeria im Einzelnen:

  • Unsere Hilfe in Nigeria blieb 2019 notwendig, da sich der Konflikt zwischen Regierungstruppen und bewaffneten Oppositionsgruppen im Nordosten des Landes intensivierte. Den Vereinten Nationen zufolge wurden bislang zwei Millionen Menschen vertrieben, und rund sieben Millionen Nigerianerinnen und Nigerianer waren völlig abhängig von humanitärer Hilfe. 
  • Wir konzentrierten unsere Hilfe in Nigeria im Nordosten auf die Hauptstadt des Bundesstaats Maiduguri, da Konflikte die Sicherheitslage in den anderen Regionen verschlechtert hatten. In den zugänglichen Gebieten unterstützten wir die Notaufnahmen von Krankenhäusern, die Chirurgie sowie die Geburtshilfe und Kinderstationen. Unsere Angebote umfassten Ernährungshilfe, Impfungen, Malaria-, Tuberkulose- und HIV-Behandlungen sowie psychologische Hilfe. Zudem versorgten wir Überlebende sexueller Gewalt.
  • Im Bundesstaat Zamfara fokussierten wir unsere Hilfe in Nigeria auf die Versorgung mangelernährter Kinder und die Behandlung von Malaria und Masern.
  • Im Bundesstaat Jigawa stellten wir umfassende Geburtsnothilfe und die Versorgung von Neugeborenen zur Verfügung. Diese Hilfe in Nigeria umfasste auch die Behandlung von Frauen, die unter einer Geburtsverletzung litten und wegen einer Fistel einen chirurgischen Eingriff benötigten. Im Bundestaat Rivers betreuten wir zwei Kliniken zur Versorgung von Überlebenden sexueller Gewalt.
  • Ein weiterer Schwerpunkt unserer Hilfe in Nigeria war die Versorgung von Kindern unter fünf Jahren, die im Bundesstaat Zamfara unter einer Bleivergiftung litten. Im Bundesstaat Sokoto arbeiteten wir in einem Krankenhaus, um Kinder mit der schweren bakteriellen Erkrankung Noma zu versorgen. Neben chirurgischen Eingriffen boten wir Ernährungshilfe, Physiotherapie und psychologische Hilfe an. 
  • Als es 2019 zu einem Ausbruch von Lassafieber kam, unterstützten wir die Gesundheitsbehörden mit technischer Hilfe und Schulungen am Lehrkrankenhaus in Abakaliki. 
  • Der Konflikt zwischen Viehzüchtern und Farmern im Bundesstaat Benue führte zur Vertreibung Tausender Menschen. Im Rahmen unserer Hilfe in Nigeria  boten wir medizinische Sprechstunden an, bauten Unterkünfte, Latrinen sowie Duschen und verteilten Hilfsgüter.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1996 Hilfe in Nigeria an.

Mai 2020

Quelle: International Activity Report 2019

Mehr dazu

Blutspenden rettet Leben

MSF mobile clinic in IDP camp
Wie bringt man Menschen dazu Blut zu spenden? Dieser Frage stellten sich Dogara Yohana und sein Team in Nigeria. Sie merkten schnell: Der Schlüssel ist Vertrauen.
Mehr lesen

Lebensrettende Pflege in Nordnigeria

MSB113554
Mohammed Dikko Abdullahi arbeitet für Ärzte ohne Grenzen in seiner Heimatstadt Maiduguri. Er erzählt die Geschichte einer jungen Familie und der medizinischen Versorgung, die Leben rettet
Mehr lesen

Nigeria: Humanitäre Katastrophe abseits des…

Ein schwer an Masern erkranktes Kind wird im von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Spital in Anka im Bundesstaat Zamfara in Nigeria medizinisch versorgt.
MSF/Ghada Saafan
Der Österreicher Marcus Bachmann war als Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen in Nigeria und berichtet.
Mehr lesen

Massenmorde, Plünderungen und Entführungen in…

An orphan with grandmother in MSF Shinkafi hospital
MSF/Abayomi Akande
Was mit einem harmlosen Streit zwischen Hirten und Bauern begann, zwingt Menschen im Nordwesten von Nigeria nun ihre Heimat zu verlassen. Der medizinische Bedarf in Vertriebenenlagern steigt.
Mehr lesen

Nigeria: "Wir konnten die Kinder nicht wegschicken"

Measles outbreak in Maiduguri
Wairimu Gitau/MSF
Der jahrzehntelange Konflikt im Nordosten Nigerias hat Tausende von Menschen innerhalb ihres eigenen Landes und in die Nachbarländer vertrieben. Aufgrund des Konflikts sind fast zwei Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Mehr lesen

Wenn Menschen fliehen, um Schutz zu suchen

In weltweiten Projekten hat unsere Krankenschwester Vera Schmitz Geschichten von Menschen gehört, die gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen. Den Umgang mit Geflüchteten in Österreich betrachtet sie mit großer Sorge und appelliert an mehr Menschlichkeit.
Mehr lesen

„Die Stadt glich einem Friedhof”

Isa Sadiq Bwala - MSF Nurse in Rann
MSF
Unser Krankenpfleger Isa Sadiq Bwala hat die Stadt Rann im Nordosten Nigerias nach dem verheerenden Angriff vom 14. Januar besucht. Was er dort gesehen und gehört hat, hat ihn zutiefst erschüttert.
Mehr lesen

Nigeria: Tausende fliehen nach Angriff auf die…

Bodo , Cameroon - People fleeing Rann
MSF
Tausende Menschen sind nach einem gewaltsamen Angriff auf die Stadt Rann im Bundesstaat Borno geflohen. Viele von ihnen kommen zu Fuß in dem sieben Kilometer entfernten Ort Bodo in Kamerun an, wo Ärzte ohne Grenzen am Dienstag mit der Unterstützung der Menschen dort begonnen hat.
Mehr lesen

"Das Einzige, was mir geblieben ist, sind die…

Snapshots from Bama
Natacha Buhler/MSF
Fast zwei Millionen Menschen wurden infolge des andauernden Konfliktes im Nordosten Nigerias vertrieben. Viele von ihnen sind dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Mehr lesen

Noma: Die vernachlässigte Krankheit entstellt…

Maryam, noma survivor
Claire Jeantet - Fabrice Caterini/INEDIZ
,,Sie denken, ich sei kein Mensch.’’ Der 20 Jahre alte Bilya ist ein Überlebender der Noma Krankheit und momentan Patient im ,,Sokota Noma Hospital’’ im Nord-Westen Nigerias. Dort behandeln mir Menschen mit der tödlichen Krankheit.
Mehr lesen