Südsudan

Südsudan: Starke Überschwemmungen in vielen Regionen verschärfen Notlage

Seit Juli sind weite Teil des Südsudan von schwerem Hochwasser betroffen.  Derzeit haben rund 800.000 Menschen oft weder ausreichend Nahrungsmittel noch sauberes Trinkwasser. Außerdem wurden viele Unterkünfte zerstört. Die Flusspegel steigen derzeit weiter an, was die Krise noch verschärft. Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) leistet in den von den Überschwemmungen betroffenen Gebieten der Bundesstaaten Greater Pibor, Jonglei, Upper Nile und Unity medizinische Versorgung.

„Die Menschen im Südsudan sind von mehreren Krisen betroffen: von zunehmender Gewalt und Kämpfen, einer wachsenden Wirtschaftskrise und erhöhter Ernährungsunsicherheit sowie der COVID-19-Pandemie. Zusätzlich kommen nun die schweren Überschwemmungen“, erklärt Ibrahim Muhammad, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan. „Wir bereiten uns auf einen Anstieg von Krankheiten in allen vom Hochwasser betroffenen Gebieten vor, wie Durchfallerkrankungen und Malaria. Das Risiko ist durch die Vertreibungen der Menschen und überfüllte provisorische Unterkünfte, schlechte Hygienebedingungen und einen Mangel an funktionierenden Latrinen erhöht.“

Im Großraum Pibor, einem der am schlimmsten betroffenen Gebiet im Südsudan, betreibt Ärzte ohne Grenzen mobile Kliniken in fünf Dörfern und eine Notfallklinik in der Stadt Pibor. In den letzten zwei Monaten behandelte Ärzte ohne Grenzen über 13.000 Patienten in und um Pibor, darunter mehr als 5.000 Kinder unter fünf Jahren.  Die Hälfte dieser Patientinnen und Patienten litt an Malaria und mehr als 160 Kinder an Masern.

Unter- und Mangelernährung nimmt in der Gegend von Pibor rapide zu. Die mobilen Kliniken von Ärzte ohne Grenzen bereiten neben dem stationären therapeutischen Ernährungszentrum von Ärzte ohne Grenzen in der Stadt Pibor zusätzliche Ernährungstherapien für Kleinkinder vor. Die Teams verteilen hier außerdem 60.000 Liter Trinkwasser pro Tag, da die Brunnen durch Überschwemmungen verseucht wurden. Angesichts der weiterhin steigenden Wasserstände ist Ärzte ohne Grenzen auch um die Sicherheit der Klinik in Pibor besorgt und sucht nach alternativen Standorten in höher gelegenen Gebieten außerhalb der Stadt. 

Behelfsmäßige Flöße aus Plastikplanen

Die Überschwemmungen haben im Juli in Old Fangak, einer Stadt mit einer Bevölkerung von rund 30.000 Menschen in einem Feuchtgebiet im Bundesstaat Jonglei, begonnen. Seither steigen die Wasserstände an.

Im Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Lankien im Bundesstaat Jonglei hat Ärzte ohne Grenzen weniger Patientinnen und Patienten aufgenommen, da die hohen Fluten es den Menschen fast unmöglich machten, aus den umliegenden Gebieten in das Krankenhaus zu gelangen. Die örtliche Landebahn wurde überflutet, wodurch es schwieriger wurde, medizinische Hilfsgüter zu liefern oder Patientinnen und Patienten bei Bedarf in andere medizinische Einrichtungen zu transportieren. In Gebieten, in denen das Hochwasser zu hoch ist, um zu Fuß gehen zu können, benutzen die Menschen behelfsmäßig Flöße aus Plastikplanen oder große Plastikwassertanks, die zu Kanus umgebaut wurden, mit einer Schaufel als Ruder. Diejenigen, die zum Schutz ihrer Häuser bleiben, versuchen mit Sandsäcken oder Lehmwänden, das Wasser aufzuhalten.

„Das Wasser stieg überraschend schnell", erklärt die 39-jährige Tbisa Willion aus der Stadt Canal im Bundesstaat Upper Nile. „Wir sind ohne nachzudenken aufgebrochen, um unser Leben zu retten. Wir fanden Unterschlupf in einer Schule, aber auch diese wurde zerstört. Dann gingen wir zu unserem Nachbarn. Wir nahmen ein Kanu, um zu unserem Haus zurückzukehren und ein paar Habseligkeiten zu retten, aber wir fanden nur ein paar Teller. Ich habe meine Hühner und meine 10 Ziegen verloren.  Ich kann nirgendwo mehr leben."

Teilen

Vervielfältigen