Weltgesundheitsversammlung in Genf: Ärzte ohne Grenzen begrüßt Impfstoff-Resolution als entscheidenden Schritt für besseren Schutz von Kindern

Genf/Wien, am 26. Mai 2015 – Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) begrüßt das starke Signal der Weltgesundheitsversammlung in Genf für einen besseren Zugang zu bezahlbaren Impfstoffen. Am Montag haben die Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) einstimmig eine Resolution für niedrigere und transparente Impfstoffpreise verabschiedet. Die Kosten für eine vollständige Immunisierung eines Kindes in den ärmsten Ländern liegen heute fast 70-mal so hoch wie 2001. Das führt dazu, dass viele nicht ausreichend gegen vermeidbare Krankheiten geschützt werden.
 
„Impfen ist eine der wichtigsten Maßnahmen zum Schutz von Kindern“, erklärt Philipp Frisch von der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. „Allerdings sind viele Impfstoffe, vor allem die neueren, viel zu oft unbezahlbar für arme Menschen und für die Gesundheitssysteme ärmerer Länder. Diese hohen Preise kommen auch dadurch zustande, dass Impfstoffpreise sehr intransparent sind und hinter verschlossenen Türen ausgehandelt werden. Dadurch können weniger Kinderleben gerettet werden, als es sonst möglich wäre. Gerade auch deshalb stimmt die Entscheidung der Weltgesundheitsversammlung hoffnungsvoll. Die Staaten müssen an der jetzigen Situation etwas ändern.“

Kosten für Impfungen explodiert

Mit Demonstrationen in Berlin, London, New York und Genf hat Ärzte ohne Grenzen in den vergangenen Wochen versucht, auf die hohen Preise und die Intransparenz aufmerksam zu machen. Zum Treffen der Impfallianz GAVI im Januar in Berlin hat Ärzte ohne Grenzen den Bericht "The Right Shot" vorgestellt, eine umfassende Übersicht über die öffentlich bekannten Preise für Impfstoffe weltweit. Der Bericht zeigt, dass die Kosten für die vollständige Immunisierung eines Kindes in den vergangenen Jahren explodiert sind. Das liegt an den teuren neu eingeführten Impfstoffen, vor allem an den Vakzinen von Pfizer und GlaxoSmithKline gegen Pneumokokken, die zu Lungenentzündung führen können, einer der häufigsten Todesursachen für Kinder in ärmeren Ländern. Außerdem sind zahlreiche Impfstoffpreise gar nicht öffentlich bekannt. Ärzte ohne Grenzen fordert deshalb eine Offenlegung der Preise und der Forschungsausgaben der Konzerne sowie eine Senkung der überteuerten Preise für die Pneumokokken-Impfstoffe. Ärzte ohne Grenzen hofft, dass die breite Unterstützung für die Resolution nun dazu führt, dass die Regierungen für Transparenz sorgen und eine konzertierte Aktion für sinkende Preise starten.
 
Die Weltgesundheitsversammlung in Genf endet heute. Sie ist das höchste Entscheidungsgremium der WHO, jeder der 194 Mitgliedsstaaten ist dort vertreten.

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