Nothilfe für Flüchtlinge auf dem Mittelmeer und in Europa

Jedes Jahr versuchen hunderttausende Menschen auf der Flucht vor Gewalt, Unsicherheit und Verfolgung in ihren Heimatländern nach Europa zu gelangen. Auf der gefährlichen Reise über Nordafrika und das Mittelmeer verlieren dabei unzählige ihr Leben. Im vergangenen Jahr führte die europäische Politik zu einer dramatischen Verschärfung der so genannten Flüchtlingskrise. Noch nie hatte Ärzte ohne Grenzen so viele Hilfsprojekte innerhalb Europas und an den europäischen Außengrenzen wie heute.

Die EU und die europäischen Regierungen haben bislang weder an den innereuropäischen Grenzen noch an den europäischen Außengrenzen angemessen auf die humanitären und medizinischen Bedürfnisse von Flüchtlingen und Migranten reagiert. Stattdessen wurden mit der Schließung der europäischen Landgrenzen die Flüchtenden in die Hände von Schleppern und in undichte, überfüllte Boote auf dem Mittelmeer und der Ägäis gezwungen.

Mittelmeer: Tödlichster Fluchtweg

In den ersten zehn Wochen dieses Jahres sind mehr als 143.200 Menschen auf dem Seeweg aus der Türkei nach Griechenland gekommen. Damit kamen seit dem 1. Januar 2015 fast 1 Million Menschen auf den griechischen Inseln an, im März 2016 waren es täglich fast 1.400. Trotz der kurzen Distanz zwischen der türkischen Küste und den griechischen Inseln, ist der Fluchtweg über die Ägäis der tödlichste für die Flüchtenden. Seit Anfang dieses Jahres sind mehr als 440 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen.

Die Grenzschließungen und der Mangel an Koordination zwischen den verschiedenen europäischen Staaten haben gefährliche Bedingungen für Tausende von Flüchtenden geschaffen. Nach dem Schließen der Balkanrouten konnten die Teams von Ärzte ohne Grenzen einen Dominoeffekt beobachten: Jedes Mal, wenn eine Grenze schloss, strandeten Tausende im Niemandsland, mit wenig oder ohne jede humanitäre Hilfe. In Griechenland sind derzeit rund 40.000 Geflüchtete gestrandet. Die Aufnahmekapazitäten und der Zugang zum Asylverfahren sind jedoch in diesem Hauptankunftsland für viele Flüchtlinge vielerorts völlig unzureichend.

Um Leben zu retten und das Leid der Flüchtenden zu lindern, fordern wir:

  • sichere und legale Fluchtwege und die Möglichkeit, Asylanträge an den EU-Außengrenzen zu stellen,
  • effektive Such- und Rettungsmaßnahmen, bei denen proaktiv und so nah an den Startpunkten wie möglich nach Booten in Seenot gesucht wird,
  • Investitionen in Aufnahmekapazitäten nach EU-Standards statt in Abschreckungsmaßnahmen und
  • das Ende von Gewalttaten und Missbrauch durch staatliche Behörden.

In dem Bericht „Obstacle Course to Europe – A Policy-made humanitarian crisis at EU borders“ hat Ärzte ohne Grenzen im Jänner 2016 die Folgen der europäischen Abschottungspolitik für Menschen auf der Flucht beschrieben: PDF-Download

Mehr erfahren:

Hilfe für Menschen auf der Flucht: Migrationsprojekte von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

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