Eva Bermadinger23.11.2015

Auf dem Motorrad durch den Dschungel

2 Kommentare

Eva Bermadinger arbeitet in der Personalabteilung von Ärzte ohne Grenzen Österreich. Sie berichtet über ihren Einsatz im Rahmen einer Masern-Impfkampagne in der Demokratischen Republik Kongo.

Endlich ist es soweit: Mein Wunsch, bei einem Noteinsatz zu helfen, ist wahr geworden. Ich bin in Bukama, im Südosten der Demokratischen Republik Kongo, wo wir aufgrund einer Masernepidemie eine Impfkampagne durchführen. Zwei Tage nach meiner Ankunft ging es los: 20 Teams sind mit Motorrädern, Booten und Geländewagen unterwegs. Der Plan ist, in drei bis vier Wochen 100.000 Kinder zu impfen – schon nach vier Tagen haben wir 50.000 Kinder geschafft! Es läuft also sehr gut. Schaffen wir eine Impfdeckung von 85 Prozent, haben wir viel erreicht. Denn es gilt: sind 85 Prozent der Kinder geimpft, kann eine neue Masernepidemie in den nächsten drei Jahren verhindert werden.

Unser Team besteht aus vier internationalen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen: Angie, eine Kolumbianerin und unsere Projektleiterin; Nicole, eine britische Krankenschwester mit koreanischen Wurzeln: Adam, ein Logistiker aus Kanada – und ich. Wir koordinieren  und planen alles von unserer „Base” aus. Wir leben zusammen mit einigen sehr erfahrenen kongolesischen Kollegen und Kolleginnen, in einem der wenigen gemauerten Gebäude, das uns zugleich als Lager, Büro und Garage dient.

Ich habe zwei Mitarbeiter, mit denen ich gemeinsam die Verwaltung und die Finanzen „manage“. Im Detail bedeutet das: Zahlungen, Vorschüsse, Abrechnungen, Buchhaltung, Geldtransfers, Arbeitsverträge, Gehälter, Kündigungen, Mietverträge, Bescheide, Behördengänge und so weiter. Mein Arbeitstag beginnt meistens um sechs Uhr früh. Um diese Zeit kommen die Impf-Teams zur „Base”, beladen die Autos und starten los. Oft brauchen sie Dokumente oder Vorschüsse – und somit mich. Ich helfe auch beim Beladen der Autos.

Manche der Teams sind eine oder sogar zwei Wochen unterwegs; an sie liefern wir jeden 2. Tag neuen Impfstoff. Wichtig ist dabei, die Kühlkette aufrecht zu erhalten: Der Impfstoff muss immer bei zwei bis acht Grad Celsius aufbewahrt werden. Wir haben deshalb fünf Kühlschränke und vier Tiefkühltruhen; die Generatoren laufen fast 24 Stunden pro Tag. Die tägliche Durchschnittstemperatur liegt in Bukama derzeit bei  38°C; wäre es nur einen Grad wärmer, müsste man die Kühlkette bereits komplett anders organisieren!

Liebe Grüße aus Bukama,
Eva

PS: Diese "Email aus dem Einsatz" ist im Original in der aktuellen Ausgabe unseres Magazins Diagnose erschienen - hier online lesen oder kostenfrei bestellen!

Kommentare

Carl
Eingfach wunderbare Arbeit.
Hans aus RÜD
Liebe Eva, meine große Bewunderung für Deinen/euren Einsatz ! Hoffentlich kommt ihr alle wieder gesund nachhause zurück. Gruß Hans aus RÜD

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