Ursula Wagner02.07.2015

Endlich Regen

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Nach meinem Urlaub daheim liegen noch ein paar Wochen Einsatz vor mir. Wir haben einen neuen Einsatzleiter und dieser erklärt uns seinen Ansatz: "Same same, but different." Dasselbe, und doch anders.

Irgendwie sind diese Worte bezeichnend, denn mit dieser letzten Etappe bricht auch im Tschad eine neue Periode an: Nach über acht Monaten Dürre und Hitze tauchen endlich, endlich die ersten Regenwolken auf. Erst Wind, ein Sandsturm, der an den Türen rüttelt, den Staub wütend durch die Mückengitter fegt, den Abendhimmel orangerot färbt. Dann in der Luft bereits der frische Geruch von Regen, endlich ein Wolkenbruch. Urgewalten, Blitze, Donner. Ich muss an die NomadInnen in ihren Zelten denken, während ich die kurzzeitige Abkühlung auskoste. Bald darauf wieder Hitze, nur diesmal schwül. So schaut der Beginn der Regenzeit in Abéché aus. Es bleibt bei zwei Regengüssen in der ersten Woche, die sandige Erde ist schnell wieder getrocknet. Nur das Wadi, das Flusstal, bleibt eine Schlammlacke, auch der Markt, der um das Wadi herum aufgebaut ist, ist betroffen. Bei meinem sonntäglichen Streifzug durch das Gewirr der engen Gassen bleiben meine Flipflops fast im Schlamm stecken und mir tropft von der feuchten Hitze der Schweiß von der Stirn. Wie es hier wohl in ein paar Wochen aussieht?

Im Spital in Abéché haben sich die meisten Gesichter verändert, einige LangzeitpatientInnen wurden entlassen. Es gibt viele neue Fälle, hauptsächlich Opfer von Unfällen, Bränden und Gewalt. Gemeinsam mit unserem neuen Arzt Dr. Abdellah und unserem Anästhesisten Dr. Malte widme ich mich verstärkt der Information über die am meisten gefürchteten Behandlungsmethoden – Gips und externe Fixatoren.

Von meinen Lieblingen ist noch Aisha hier:

Ich hatte für sie gehofft, dass sie während meiner Abwesenheit entlassen würde. Wir haben Zeichenmaterial für sie beschafft, damit die langen Aufenthalte im Spital etwas erträglicher sind. Freudig werde ich mit den Worten ‚habuba, habuba!‘ (Luftballon) begrüßt, bin ich doch mittlerweile bekannt dafür, dass immer welche in meiner Tasche stecken.

Auch Neuzugang Kaltouma lächelt mich schüchtern an, bis sie endlich freudig einen Ballon ergattert, den sie mit nach Hause nehmen will, in den hohen Norden.

Ich fliege hingegen weiter südlich, nach Am Timan.

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