Italien

3.000 Menschen an einem Tag aus Seenot gerettet

Das Rettungsschiff Dignity I von Ärzte ohne Grenzen war gestern im Mittelmeer an der Rettung von 3.000 Menschen beteiligt. „Das war einer der größten Rettungseinsätze, die wir seit Beginn unserer Aktivitäten auf dem Mittelmeer vor mehr als einem Jahr hatten“, sagt Nicholas Papachrysostomou, Koordinator auf der Dignity I. Derzeit versuchen extrem viele Flüchtende das Mittelmeer zu überqueren. Um weitere Todesfälle zu verhindern, fordert Ärzte ohne Grenzen von der Europäischen Union sichere und legale Fluchtwege für diese Menschen, die in Europa Schutz und Sicherheit suchen.

Die 3.000 Geretteten trieben in rund 20 Gummibooten und mehreren Holzbooten im zentralen Mittelmeer. In einem der Holzboote saßen 600 bis 700 Menschen. Die Dignity I kann bis zu 400 Menschen aufnehmen. Angesichts der Notlage nahm sie gestern jedoch 435 Männer, Frauen und Kinder an Bord. Zusätzlich verteilte das Team rund 700 Rettungswesten und half mit einem Beiboot dabei, so viele Menschen wie möglich auf anderen Such- und Rettungsschiffen unterzubringen.

Das medizinische Team von Ärzte ohne Grenzen behandelte Menschen wegen Erschöpfung, blutigem Durchfall, Fieber, Unterkühlung und Hauterkrankungen. Von den 435 Menschen, die die Dignity I an Bord nahm, sind 353 männlich und 82 weiblich. 13 sind Kinder unter fünf Jahren und 110 Minderjährige, 92 von ihnen unbegleitet.

5 Tage alte Zwillinge unter den Geretteten

„Unter den Geretteten sind auch Zwillinge, die erst fünf Tage alt sind“, sagt Antonia Zemp, medizinische Teamleiterin von Ärzte ohne Grenzen. „Ihre Mutter war allein unterwegs. Einem der Jungen ging es nicht gut. Er übergab sich, war unterkühlt und reagierte kaum noch. Sein Gesundheitszustand war so schlecht, dass er die lange Schifffahrt nach Italien nicht überlebt hätte. Wir brachten die Zwillinge und ihre Mutter daher auf ein anderes Schiff, welches sie schneller an Land bringen konnte.“

Derzeit ist die Dignity I auf dem Weg nach Vibo Valentia (Italien), um die 435 Menschen an Bord sicher in den Hafen zu bringen. Das Schiff wird danach so rasch wie möglich wieder in See stechen, um die Such- und Rettungsaktivitäten weiterzuführen.

Schaffung sicherer Alternativen zur Flucht über das Meer gefordert

„Insgesamt wurden gestern nach Information der Küstenwache fast 6.500 Menschen gerettet, die ihr Leben bei der Überquerung des rauen Mittelmeers riskierten. Unterschiedliche Akteure waren an insgesamt 40 Rettungseinsätzen beteiligt“, sagt Papachrysostomou. „Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) sind in diesem Jahr bereits mehr als 3.100 Menschen bei der Überquerung des Mittelmeers gestorben. Die EU reagiert nicht angemessen auf die dringenden humanitären und Schutzbedürfnisse von Flüchtlingen und Migranten. Die EU muss sichere Alternativen zur Flucht über das Meer schaffen.“

Seit dem Beginn der Such- und Rettungseinsätze am 21. April 2016 haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen an Bord der Rettungsschiffe Dignity I, Bourbon Argos und Aquarius (in Partnerschaft mit SOS Méditerranée) bei 85 Rettungseinsätzen 11.365 Menschen gerettet.

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