Ärzte ohne Grenzen bringt Hilfe für Tausende von Wasser eingeschlossene Menschen

12.08.2010
Ein Bericht von Projektkoordinator James Kambaki

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Vor einer Woche berichtete James Kambaki, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Belutschistan, von Tausenden Menschen, die bei der Stadt Khabula unerreichbar auf einem Landstreifen vom Wasser eingeschlossen waren. Nun ist es James Kambaki und seinem Team gelungen, den Menschen Hilfe zu bringen.

"Vor ein paar Tagen gelang es uns, nach Khabula zurückzukehren. Wir wollten dort Tausenden Menschen helfen, die auf einem schmalen Landstreifen ausharren mussten, weil sie von den Wassermassen eingeschlossen waren. Mit Sand und anderen Materialien schafften wir es, einen schmalen Streifen der Straße wieder aufzufüllen. Zwar blieb der Weg für Lastwagen zu instabil, aber mit einigen Geländewagen kamen wir durch.

Die Menschen waren so glücklich, uns zu sehen. Viele von ihnen waren schon über eine Woche dort, sie hatten kaum Nahrungsmittel oder Schutz vor der sengenden Sonne. Wir waren unglaublich erleichtert, denn auch wir waren sehr besorgt gewesen, wie wir überhaupt wieder zu ihnen gelangen könnten. Der Arzneibesteller des Dorfes, der auch als örtlicher Arzt und Apotheker fungiert, erzählte mir, dass sie keine Ahnung hatten, dass das Wasser kommen würde. Deswegen waren sie alle auf diesem Landstreifen gestrandet. 'Wir wachten um drei Uhr morgens auf, und das Wasser war schon überall um uns herum', erzählte er. Jeder im Dorf machte sich dann auf zum einzigen trockenen Ort, der zu finden war - dieser kleine Streifen Land. Manche von ihnen schafften es, ein wenig Weizen mitzunehmen, aber die meisten hatten nichts bei sich. Von dort konnte man sehen, dass die Schule, die Moschee und die anderen Gebäude des Dorfes teilweise unter Wasser standen. Alles war verwüstet.

Sofort nach unserer Ankunft organisierten wir die Verteilung von Hygiene-Kits und Kochutensilien und stellten unsere mobile Klinik auf. Andernorts begegneten wir oft Wut und Chaos, wenn wir mit der Verteilung begannen, weil die Menschen so verzweifelt sind. Hier war die Stimmung dagegen ruhig und die Verteilung verlief gut. Es gelang uns, etwa 500 Familien Hilfsgüter zu bringen und die Menschen reagierten sehr positiv. Es war ermutigend für uns, dass viele Frauen kamen, um die Pakete und die Materialien für ihre Familien zu holen.

Sehr besorgt waren wir über den Mangel an sauberem Trinkwasser gewesen, denn die Kanäle, aus denen die Menschen Wasser entnahmen, waren stark verunreinigt. In unserer mobilen Klinik verteilten wir Chlor und zeigten den Menschen, wie sie damit ihr Wasser reinigen und aufbereiten können. Wir hoffen, dass sie nun das gechlorte Wasser trinken. Aber wir werden zurückkehren müssen, um zu sehen, wie gut das aufbereitete Wasser genutzt wird.

Auch zwei Ärzte und der medizinische Koordinator waren mit uns gekommen. Sie behandelten in unserer Klinik vor allem vom Wasser und der Sonne verursachte Hautschäden. Außerdem gab es einige Fälle von Durchfallerkrankungen und Atemwegsinfektionen.

Die Situation ist seltsam. Das Wasser steigt hier immer noch. An anderen Orten, wo das passierte, versuchten die Betroffenen die Gegend so schnell wie möglich zu verlassen. Aber nicht hier: Die Menschen wollen nicht weg, sie wissen nicht wohin. In den umliegenden Gebieten sind die Straßen voller Menschen auf Suche nach einem trockenen Fleck und Schutz vor der unbarmherzigen Sonne. Wir schätzen, dass etwa 15.000 Menschen zurzeit unterwegs sind. Viele von ihnen haben alles verloren und wissen nicht, wann sie nach Hause zurückkehren können. Die humanitäre Krise weitet sich aus.

Wir werden immer wieder nach Khabula zurückkommen, um sicherzustellen, dass die Bewohner hier die Hilfe bekommen, die sie dringend brauchen."