Pakistan

Pakistan: Ganze Dörfer sind noch von der Außenwelt abgeschnitten und bislang ohne jede Hilfe

Während die Überschwemmungen in manchen Regionen Pakistans zurückgehen, bleibt die Not für die Überlebenden groß. In den Distrikten Charsadda und Nowshera haben Teams von Ärzte ohne Grenzen Dörfer erreicht, die noch völlig von der Außenwelt abgeschnitten und bislang ohne jede Hilfe sind. Die Teams weiten ihre Hilfe aus. Sie konzentrieren sich unter anderem auf die Versorgung mit sauberem Trinkwasser, um die Ausbreitung von durch verunreinigtes Wasser hervorgerufenen Krankheiten zu vermeiden. Insgesamt sind derzeit rund 100 internationale und 1200 nationale Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen im Einsatz.

„Es ist sehr schwierig, sich ein Gesamtbild von den Lage der Menschen zu machen“, sagt Alan Lefevre, Nothilfekoordinator von Ärzte ohne Grenzen. „Viele Gegenden der Provinz Khyber Pakhtunkhwa sind noch immer nur per Helikopter zu erreichen. Und da mehr starke Regenfälle erwartet werden, ist auch die Situation in Provinzen wie Punjab, Kashmir oder Sindh unklar.“

Am Donnerstag erkundete ein Team von Ärzte ohne Grenzen per Helikopter die Situation in den Distrikten Swat, Nowshera und Charsadda. „In der Umgebung von Charsadda Stadt und im gesamten Nowshera Distrikt sind ganze Dörfer einfach weggewaschen worden", beschreibt Lefevre. "Die Menschen leben unter freiem Himmel, neben dem was von ihren Häusern übrig ist. Sie haben bislang keinerlei Hilfe erhalten."

21 Wasserstellen versorgen mehr als 100.000 Menschen

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben in Charsadda, Lower Dir und an acht Orten in Swat 21 Wasserausgaben eingerichtet. Diese versorgen derzeit rund 100.000 Menschen. Zusätzlich stellt Ärzte ohne Grenzen dem Distriktkrankenhaus von Lower Dir sauberes Wasser bereit.Der Bedarf an sauberem Wasser ist immens. Wasserleitungen sind zusammengebrochen, Wasserstellen kontaminiert. Durch den Mangel an Trinkwasser und die schlechten hygienischen Bedingungen drohen sich Durchfallerkrankungen wie Cholera, Atemwegserkrankungen und Hautinfektionen auszubreiten. Für den Fall von Choleraausbrüchen hat Ärzte ohne Grenzen mehrere Behandlungszentren eingerichtet. Bislang ist die Situation aber unter Kontrolle.

Die Mitarbeiter weiten derzeit die Verteilung von so genannten Hygiene-Kits aus. In Charsadda wurden am Freitag 500 Familien mit Seife, Kanistern und ähnlichem versorgt. Weitere 500 Familien, die an der Straße zwischen Charsadda und Peshawar Zuflucht gesucht haben, sollen ebenfalls Hilfsgüter erhalten. In der Provinz Baluchistan haben Mitarbeiter in der Stadt Bakhtirabad, einer der am schwersten betroffenen Städte der Provinz, und in dem Ort Fadfedar bereits in den vergangenen Tagen Hilfsgüter an rund 1000 Familien verteilt. Die Versorgung von 5000 weiteren Familien wird am Sonntag beginnen. Parallel zu den Hilfsaktivitäten laufen weitere Erkundungen in verschiedenen Teilen Baluchistans.

Auch Medikamente sind von Wasser weggespült worden

Die Überflutungen haben auch die medizinischen Einrichtungen getroffen. Vor allem die Versorgung mit Medikamenten ist schwierig. Daher unterstützt Ärzte ohne Grenzen Krankenhäuser und Gesundheitszentren in den Distrikten Nowshera und Peshawar.

Im Pabbi Krankenhaus in Nowshera sehen die Mitarbeiter täglich rund 295 Patienten und behandeln hauptsächlich Hautkrankheiten und akuten Durchfall. Im Distriktkrankenhaus von Nowshera unterstützt ein Team die Notaufnahme und die ambulante Abteilung. „Auch wenn das Krankenhaus nicht sehr zerstört worden ist, ist alles vom Wasser weggespült worden, so dass es buchstäblich keine Ausstattung und keine Medikamente mehr gibt“, sagt Thomas Conan von Ärzte ohne Grenzen. Außerdem wurden drei Rettungsfahrzeuge zur Verfügung gestellt, mit denen bisher etwa 10 Patienten pro Tag überwiesen werden konnten.

Um die Menschen, die nach den Überschwemmungen in Schulen oder abgelegenen Gebieten leben zu versorgen, sind mobile medizinische Teams gebildet worden. Drei dieser Teams besuchen in den Distrikten Charsadda und Peshawar täglich andere Orte. Am Donnerstag behandelten sie insgesamt 300 Patienten.

Ein Frachtflugzeug mit 60 Tonnen Material zur Wasseraufbereitung, Medikamente und andere Materialien ist Donnerstagnacht von Europa nach Pakistan aufgebrochen. 50 weitere Tonnen Medikamente und Hilfsgüter sollen folgen. Auch weitere Mitarbeiter werden nach Pakistan gesendet.

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