Italien

Ärzte ohne Grenzen und MOAS starten Rettungseinsatz im Mittelmeer

Wien, am 10. April 2015 – Die internationale medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) und MOAS (the Migrant Offshore Aid Station) kündigten heute den Beginn eines gemeinsamen Einsatzes zur Rettung und zur medizinischen Versorgung von Bootsflüchtlingen im Mittelmeer an. Der lebensrettende Einsatz zwischen Afrika und Europa wird von Mai bis Oktober andauern, wenn voraussichtlich erneut tausende Menschen ihr Leben riskieren werden, um Europa zu erreichen.

2014 war das bisher tödlichste Jahr für Menschen, die das Mittelmeer zu überqueren versuchten; mehr als 3.400 Personen starben beim Versuch, Europa zu erreichen. Für dieses Jahr wird erwartet, dass die Zahl der Toten noch höher sein wird, da es weniger Hilfe für Boote in Seenot gibt. Der Rettungseinsatz der italienischen Marine, Mare Nostrum, wurde im November 2014 wegen fehlender Finanzierung durch europäische Regierungen eingestellt.

Weitere Todesfälle müssen verhindert werden

„Europa zeigt Menschen die kalte Schulter, die vor einigen der schlimmsten humanitären Krisen unserer Zeit fliehen“, sagt Arjan Hehenkamp, Geschäftsführer der Einsatzzentrale von Ärzte ohne Grenzen in Amsterdam. „Die Entscheidung, die Tore zu schließen und Zäune zu errichten hat zur Folge, dass Männer, Frauen und Kinder gezwungen werden ihr Leben zu riskieren und eine verzweifelte Reise über das Meer zu unternehmen. Das Problem wird nicht verschwinden, wenn man es ignoriert. Europa hat sowohl die Ressourcen als auch die Pflicht, weitere Todesfälle vor seiner Haustür zu verhindern.“

In den kommenden Monaten wird ein Team von Ärzte ohne Grenzen und MOAS auf der MY Phoenix – einem 40 Meter langen Rettungsschiff – im zentralen Mittelmeer stationiert sein. Die MY Phoenix ist mit schnellen Festrumpfschlauchbooten, Überwachungsdrohnen und einer 20-köpfigen Crew ausgestattet und wird Menschen in Not Hilfe bieten.

2014 bereits 3.000 Bootsflüchtlinge gerettet

„Unsere Motivation ist einfach: Niemand verdient es, zu sterben“, so MOAS-Geschäftsführer Martin Xuereb. „Deshalb werden wir alles in unserer Macht stehende unternehmen, damit Menschen, die sich gezwungen fühlen, dieses heimtückische Meer in notdürftigen Booten zu überqueren, nicht ertrinken. Nachdem wir dieses Projekt vergangenes Jahr gestartet hatten, haben wir 3.000 Menschen in 60 Tagen gerettet. Wir hoffen, dass wir heuer noch erfolgreicher sein werden, da wir sechs Monate lang mit Ärzte ohne Grenzen zusammenarbeiten.“

An Bord wird ein medizinisches Team von Ärzte ohne Grenzen sein, das aus zwei Ärzten und einer Pflegefachkraft besteht. Sie sind entsprechend ausgerüstet, um lebensrettende Nothilfe durchführen zu können – aber auch um Dehydrierung, Verbrennungen, schwere Sonnenbrände und Unterkühlung zu behandeln. All das zählt zu den dringendsten medizinischen Bedürfnissen von Menschen, die seit Tagen auf dem Meer unterwegs sind.

Menschen sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen

„Wir können die Kriege und das Elend nicht beenden, die Menschen dazu zwingen, ihre Heimat zu verlassen. Aber wir können versuchen, die Zahl der Todesfälle zu verringern, und den tausenden Menschen, die diesen Sommer wieder das Mittelmeer überqueren werden, dringend benötigte Hilfe leisten“, sagt Hehenkamp. „Die europäischen Regierungen haben sich dazu entschlossen, ihre Priorität auf Überwachung und Grenzschutz zu legen, statt Leben zu retten. Bis sich diese Politik ändert, wird die kollektive europäische Zurückhaltung bei der Schaffung sicherer Alternativen für diese Menschen weiterhin Leben kosten.“

Ärzte ohne Grenzen ist eine internationale, unabhängige, humanitäre Hilfsorganisation, die medizinische Hilfe für Menschen in Not leistet – unabhängig von Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder politischer Zugehörigkeit. Im Jahr 2014 arbeitete die Organisation weltweit in 63 Ländern. MOAS ist eine Nicht-Regierungsorganisation, die 2014 im Laufe eines 60-tägigen Einsatzes im Mittelmeer 3.000 Migranten rettete.

Teilen

Vervielfältigen