Ärzte ohne Grenzen unterstützt sudanesische Flüchtlinge in Äthiopien

Über 2.000 weiße Zelte säumen die grünen Hügel in der Nähe der Stadt Bambasi im Westen Äthiopiens. Seit Juli 2012 sind sie das Zuhause von 12.000 sudanesischen Flüchtlingen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten. In einem Lager, das von den äthiopischen Behörden und dem UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) errichtet wurde, suchen sie nun Zuflucht vor dem Konflikt.

„Mit meinem Mann und unseren acht Kindern habe ich den Sudan im vorigen Jahr verlassen, als der Krieg unser Dorf Qeissan erreichte“, erzählt die 30-jährige Jamila. „Zuerst bombardierte uns die sudanesische Luftwaffe, dann griffen Bodentruppen an. Viele Menschen, unter ihnen auch mein älterer Bruder, wurden auf grausame Art umgebracht.“

Gewalt und Konflikt sind stärker geworden

Das umfassende Friedensabkommen, das im Juli 2005 zwischen der Sudanesischen Befreiungsbewegung (SPLM) und der sudanesischen Regierung unterzeichnet wurde, sollte dazu dienen, den Regionen Süd-Kordofan und Blue Nile mehr Autonomie zu bringen. Dies passierte jedoch nicht und der Konflikt verstärkte sich nach der Unabhängigkeit des Südsudan im Juli 2011. Mehr als 200.000 Sudanesinnen und Sudanesen sind aus dem Sudan in den Südsudan oder nach Äthiopien geflohen. Hier leben sie im Moment in Flüchtlingslagern und sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Auf der äthiopischen Seite wurden zuerst etwa 15.000 Flüchtlinge im 19 Kilometer von der sudanesischen Grenze gelegenen Transitlager Ad-Damazin untergebracht. „Es gibt nur wenige Berichte aus diesem Lager, doch diese zeigen eine unzureichende Wasserversorgung ebenso wie nicht ausreichende medizinische Versorgung“, so Duncan McLean, Programmverantwortlicher von Ärzte ohne Grenzen. „Monatelang haben wir bei den äthiopischen Behörden um die Erlaubnis zur Intervention in Ad-Damazin angesucht, aber ohne Erfolg."

Schwierige Bedingungen im Transitlager

Ein Mann namens Jamal erzählt: „Ich habe die ersten sieben Monate im Lager Ad-Damazin verbracht. Dann wurde Ende April von den Äthiopiern angeordnet, dass wir das Lager verlassen mussten, weil es zu nahe an der Grenze liegt. Aber einige Flüchtlinge wollten nicht gehen und setzten das Büro der äthiopischen Behörden in Brand. Daraufhin wurde die Verteilung von Nahrungsmitteln über zwei Monate lang ausgesetzt.“

Einige Flüchtlinge, etwa solche mit Vieh oder ehemalige Kämpfer der SPLM, wollten in der Nähe der sudanesischen Grenze bleiben. Andere weigerten sich wegen der Möglichkeiten im nahegelegenen Goldabbau Ad-Damazin zu verlassen. Das war aber nur ein kleiner Teil der Menschen, die im Lager lebten. Die anderen, vor allem die jüngeren Kinder, bekamen den Einbruch der Hilfeleistungen sehr stark zu spüren, vor allem in Bezug auf ihren Ernährungszustand.

Kinder leiden an Mangelernährung

„Als Mitte Juni die ersten Flüchtlinge in das neue Lager nach Bambasi gebracht wurden, litten fast 25 Prozent der Kinder unter fünf Jahre an akuter Mangelernährung“, erinnert sich McLean. „Nach einer Impfkampagne gegen Masern, richteten unsere Teams ein therapeutisches Ernährungszentrum ein und behandelten über den Sommer mehr als 400 schwer mangelernährte Kinder. Ärzte ohne Grenzen verteilt außerdem Nahrungsergänzung an die Schwächsten, etwa schwangere Frauen und kleine Kinder.“

Das Lager Ad-Damazin ist jetzt geschlossen. Etwa 3.000 Flüchtlinge gingen nicht nach Bambasi. Manche von ihnen wählten die Rückkehr in den Sudan, während andere möglicherweise noch an der Grenze umherirren.

Hoffnung auf Rückkehr

Der Zulauf an Neuankömmlingen im Lager Bambasi hat sich deutlich verringert. Manche haben neben den UNHCR-Zelten traditionelle Hütten, die Tukuls genannt werden, errichtet. Innerhalb des Lagers hat sich auch ein lokaler Markt entwickelt, wo die Bewohnerinnen und Bewohner des Lagers mit den lokalen äthiopischen Gemeinschaften Handel treiben. Ein junger Mann namens Bilal, der vor einem Monat mit 15 Familienmitgliedern in Bambasi angekommen ist, sagt: „Das Lager ist viel besser als wir gehört hatten. Allerdings würden wir gerne mehr Lebensmittel und Materialien erhalten. Unsere Kinder brauchen außerdem Schulbildung. Die meisten von uns hoffen, in den Sudan zurückkehren zu können. Aber zuerst müssen wir hier auf den Frieden warten.“

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