18.07.2023
In Somalia, Kenia und Äthiopien bricht Cholera immer häufiger aus. Warum steigt die Zahl der Todesfälle, wenn diese Krankheit vermeidbar ist?

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MSF Jeep in Kenia
MSF/Abraham Ashenafi

Sieben Tage lang sind wir durch die von Dürre geplagten Region gefahren. Die Straßen sind unbefestigt und mit Tierkadavern übersät gewesen. Am dritten Tag haben heftige Regenfälle starke Überschwemmungen ausgelöst. Straßen und Brücken sind weggespült worden. Wir mussten alternative Routen finden. Unsere Autos sind immer wieder im Schlamm stecken geblieben und mussten abgeschleppt werden. Wir Passagiere mussten derweil zu Fuß weitergehen, um das Gewicht der Autos zu mindern. 

Mohamed Abdiwahab Omar, unser Pflegemanager, beschreibt seine Reise zu einer abgelegenen Gemeinde in der somalischen Region Äthiopiens. Eine Kombination aus Cholera und Mangelernährung hat dort zu vielen Todesfällen geführt. 

Klima und Konflikt

Klimakatastrophen wie schwere Dürren und Überschwemmungen sowie Konflikte haben viele Menschen am Horn von Afrika gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen. Häufig kommen sie in überfüllten Behelfsunterkünften unter, die kaum Zugang zu sauberem Wasser und angemessenen sanitären Einrichtungen sowie medizinischer Versorgung haben.

Die derzeitigen Choleraausbrüche am Horn von Afrika gehören zu den längsten, die je in der Region verzeichnet wurden.

Samreen Hussain, unsere medizinische Koordinatorin in Äthiopien

Schwere Überschwemmungen in Somalia und Äthiopien haben das Risiko an Cholera zu erkranken erhöht, da sie die Wasserquellen der Menschen verunreinigen. Durch die Überschwemmungen sind auch einige Cholera-Hotspots in der Region für die Hilfsorganisationen viel schwerer zu erreichen.

Gewaltsame Konflikte zerstören zusätzlich oft notwendige Infrastruktur und hindern die Menschen daran, medizinische Versorgung zu erhalten, zu der sie zuvor Zugang hatten.

Seien Sie Teil der Hilfe!

Kombination Mangelernährung und Cholera

Nomadische Hirtengemeinschaften sind von den klimatischen Auswirkungen besonders betroffen. Viele von ihnen haben durch Dürre und Überschwemmungen ihr Vieh und ihre Lebensgrundlage verloren, so dass sie gezwungen sind, in städtische Gebiete zu ziehen. Die Lebensbedingungen von Binnenvertriebenen in den Städten sind oft schlecht, selbst die Einhaltung minimaler Hygienestandards kann unmöglich sein.
  
Ohne die Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sind Kinder in vertriebenen Familien anfällig für Mangelernährung. Die Kombination von Mangelernährung und Cholera kann zu mehr Todesfällen führen.

Kein Ende in Sicht

Als klimaempfindliche Krankheit tritt Cholera verstärkt auf, wenn die Temperaturen hoch sind und sich die Niederschlagsbedingungen ändern. Das Einsetzen des El-Niño-Phänomens (Erwärmung der Meeresoberflächentemperatur, die alle paar Jahre auftritt) wird das Problem in Ostafrika wahrscheinlich noch verschärfen, da sich die Niederschlagsmuster ändern und die Anfälligkeit für Überschwemmungen zunimmt.

Finanzierungslücke

Die jüngsten Choleraausbrüche am Horn von Afrika haben sich als schwer eindämmbar erwiesen und mehrere koordinierte Maßnahmen erfordert, um sie unter Kontrolle zu bringen. Die öffentlichen Gesundheitssysteme sind schlecht ausgestattet, es fehlt an Personal, medizinischem Material und Geräten. Die Tatsache, dass die Cholera an so vielen Orten gleichzeitig ausbricht und so lange anhält, macht ihre Bekämpfung extrem schwierig.

Eine zusätzliche große Herausforderung: Die chronische Knappheit der für humanitäre Maßnahmen bereitgestellten Mittel. 

7 Mrd.

$

werden für die humanitäre Hilfe am Horn von Afrika benötigt.

2,4 Mrd.

$

wurden im Mai 2023 von internationalen Gebern zugesagt.

Das ist zu wenig. In Dadaab, einem Komplex von Geflohenenlagern (darunter Dagahaley) in der Nähe der kenianischen Grenze zu Somalia, hat die Finanzierungslücke bereits zu einer Gesundheitskatastrophe geführt: Seit November 2022 breitet sich die Cholera in den Lagern aus - trotz der Bemühungen, die Krankheit durch Impfungen und die Aufklärung der Menschen zu verhindern. 

Was können wir tun?

Cholera kann durch eine Schluckimpfung vorgebeugt werden. Allerdings hat der weltweite Anstieg der Cholerafälle die Verfügbarkeit von Impfstoffen stark eingeschränkt. Auf jeden Fall sollte die Impfung allein nicht als Lösung angesehen werden.

Es ist ein multidisziplinärer Ansatz erforderlich:

  • Screening,
  • Wasserversorgung,
  • Abwasserentsorgung,
  • Hygienemaßnahmen,
  • soziale Mobilisierung,
  • Behandlung und
  • Impfung

müssen ineinander greifen, wobei die Verbesserung des Zugangs der Menschen zu sicherem Trinkwasser, angemessenen sanitären Einrichtungen und Hygiene am Wichtigsten ist.