Italien

Ärzte ohne Grenzen verstärkt den Such- und Rettungseinsatz im Mittelmeer

Ärzte ohne Grenzen erweitert den Such- und Rettungseinsatz für Menschen, die beim Versuch, Europa mit dem Boot zu erreichen, ihr Leben riskieren, um ein zusätzliches Schiff. An Bord ist eine 26-köpfige Mannschaft, inklusive eines erfahrenen Such- und Rettungsteams sowie medizinisches Nothilfe-Personal. 

Die Bourbon Argos läuft am 9. Mai aus dem Hafen Augusta auf Sizilien aus. Sie ist neben der MY Phoenix unterwegs, jenem Schiff, das gemeinsam von Ärzte ohne Grenzen und der Initiative MOAS  (Migrant offshore Aid Station) betrieben wird und seit 2. Mai im Einsatz ist. Die MY Phoenix hat in den vergangenen sechs Tagen 591 Menschen gerettet und war an der Rettung von weiteren 101  Personen beteiligt. Die insgesamt 692 Menschen wurden vom Team von Ärzte ohne Grenzen an Bord medizinisch untersucht und erhielten die jeweils benötigte medizinische Hilfe. 

„Mindestens 1.750 Menschen haben seit Beginn des Jahres beim Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, ihr Leben verloren, viele von ihnen waren auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und extremer Armut“, sagt Francois Zamparini, der Nothilfe-Koordinator von Ärzte ohne Grenzen an Bord der  Bourbon Argos. „Im Laufe des Sommers werden immer mehr Menschen versuchen, das Meer zu überqueren. Deswegen weiten wir unseren Einsatz aus. Wir reagieren auf diese tragischen Ereignisse, indem wir ein weiteres Schiff starten, das unsere bisherige Hilfe verstärkt.“

Speziell für Such- und Rettungsaktionen gerüstet

Medizinische Mitarbeiter (Ärzte und Schwestern) und nicht medizinische Mitarbeiter (Logistiker, Wasser- und Sanitärexperten, interkulturelle Mediatoren) an Bord werden medizinische Hilfe leisten und Hilfsgüter an die geretteten Menschen verteilen. Die medizinische Hilfe beinhaltet auch Untersuchungen und Stabilisierung von geschwächten Patienten sowie die Überweisung von Notfällen an Spitäler.

Die Bourbon Argos hat die Kapazität, 300 bis 350 gerettete Menschen an Bord zu nehmen und wird schnell auf Notrufe reagieren können. Das 68 Meter lange Schiff wurde speziell für Such- und Rettungsaktionen ausgerüstet. An Deck wurden mehrere Container angebracht: Das Boot verfügt somit über eine Notaufnahme, einen Untersuchungsraum, einen Verbandsraum, einen Raum für Hygienematerial, ein Lager und eine Leichenhalle.

Asyl in Europa

„Eine zunehmende Anzahl von Menschen riskiert ihr Leben auf hoher See, weil es an sicheren und legalen Wegen fehlt, um nach Europa auszuwandern und Asyl zu beantragen. Die Such- und Rettungsaktionen sind essentiell, um Menschenleben zu retten, sie werden aber die Gesamtsituation langfristig nicht lösen können. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen am und um das Mittelmeer arbeiten, um Leben zu retten und medizinische Hilfe dort zu leisten, wo sie am dringendsten benötigt wird, bis sich die Europäische Union auf angemessene und humane Art und Weise der Lage annimmt“ erklärt Aurélie Ponthieu, Beraterin für Migrationsfragen bei Ärzte ohne Grenzen.

In den letzten fünfzehn Jahren hat Ärzte ohne Grenzen Migranten, Asylsuchenden und Flüchtlingen in ganz Europa Hilfe geleistet. Neben dem Such- und Rettungseinsatz auf MY Phoenix und Bourbon Argos leistet Ärzte ohne Grenzen derzeit medizinische Hilfe für Ankömmlinge im Aufnahmezentrum in Pozzallo in Sizilien sowie psychologische erste Hilfe an Häfen und in Asylzentren in der Region Ragusa in Sizilien. Ärzte ohne Grenzen betreibt auch Hilfsprogramme für Migranten, Asylsuchende und Flüchtlinge in Griechenland und Serbien, wo die Organisation sich um die medizinische Betreuung, die Verteilung von Hilfsgütern und die Therapie für Folteropfer kümmert.

Mehr erfahren:

Das könnte Sie auch interessieren

Teilen

Vervielfältigen