Kirgisistan

Ärzte ohne Grenzen weitet Hilfe im Süden Kirgisistans aus

In den kirgisischen Städten Osch und Jalalabad ist die Lage weiterhin sehr angespannt. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen sehen noch immer neu Verwundete, kümmern sich um Vertriebene und unterstützen lokale Gesundheitseinrichtungen. Mittlerweile arbeiten 25 internationale Mitarbeiter in sechs Teams in den beiden Städten und an vier Orten entlang der Grenze zu Usbekistan. Einige der Vertriebenen haben begonnen, in ihre Heimatorte zurückzukehren. Doch in Osch und Umgebung sind viele Häuser zerstört. Andere haben Angst und verstecken sich.

Am Montag, dem 21. Juni, fuhren Mitarbeiter nach Nariman am Rande von Osch, wo es neue Gewaltausbrüchen gegeben hatte. Im dortigen Krankenhaus wurden 25 Verletzte behandelt, zwei andere waren gestorben. "Die Patienten waren alles Männer mit Kopfverletzungen, Rippenbrüchen und Prellungen", beschreibt Andrei Slavuckij, Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Südkirgisistan. "Die Verletzungen kamen eindeutig von Schlägen. Die Gewalt und Spannungen sind noch lange nicht vorbei."

Auf dem Gelände des Krankenhauses sahen die Mitarbeiter vier Bewaffnete. Ihre Gegenwart könnte andere Verwundete davon abhalten, Hilfe im Krankenhaus zu suchen. "Zudem können einige Krankenwagen Schwerverletzte nicht in andere Einrichtungen transportieren, weil Fahrer an einigen Checkpoints Todesdrohungen bekommen haben", so Slavuckij. "Es ist unverzichtbar, dass hilfsbedürftige Patienten ungehinderten Zugang zu dieser bekommen."

Patienten und auch medizinisches Personal stehen unter Schock

Am Dienstag trafen Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in Onadir, einer Gemeinde mit 55.000 Einwohnern, auf völlig erschöpftes medizinisches Personal. "Sie haben seit dem ersten Tag der Krise rund um die Uhr Patienten behandelt", sagt Sonia Peyrassol, Psychologin. "Sowohl die Patienten als auch das Personal stehen unter Schock. Als wir sie fragten, wie es ihnen gehe, begannen sie zu weinen und erzählten schreckliche Geschichten." Das Team von Ärzte ohne Grenzen behandelte in Onadir am gleichen Tag 50 Patienten post-operativ. Derzeit erweitern die Mitarbeiter in der Klinik die chirurgische Versorgung und verstärken die Hilfe für Mütter und Kinder.

Im benachbarten Usbekistan, wohin viele Menschen geflüchtet sind, schult und unterstützt Ärzte ohne Grenzen lokale Psychologen, die Gruppensitzungen durchführen. Eine Untersuchung der Wasser- und Sanitärsituation ist geplant. Seit Mittwoch, dem 23. Juni, kehren jedoch viele Geflüchtete nach Kirgisistan zurück und die usbekischen Behörden haben die psychologischen Aktivitäten gestoppt.

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