Burkina Faso

Burkina Faso: Der COVID-19-Ausbruch verschlimmert humanitäre Krise

Die humanitäre Krise in Burkina Faso verschlimmert sich täglich: Laut UN-Angaben mussten mehr als 800.000 Menschen ihre Heimat verlassen. Auf Grund des bewaffneten Konfliktes liegt das Gesundheitssystem in Trümmern. In den betroffenen Gebieten wurden mehr als hundert medizinische Einrichtungen geschlossen. Die Situation wird sich mit Blick auf die saisonalen Höchstwerte von Mangelernährung und Malaria wohl weiterhin verschärfen. Darüber hinaus hat Burkina Faso eine der höchsten Coronavirus-Infektionsraten in Subsahara-Afrika.

Die weit verbreitete Gewalt hat in den vergangenen Monaten fast 840.000 Menschen in Burkina Faso zur Flucht aus ihrer Heimat gezwungen. Im ganzen Land wurden mehr als hundert Gesundheitseinrichtungen in den von der Gewalt betroffenen Gebieten geschlossen, während andere mit nur minimaler Kapazität arbeiten. Das macht es für die Menschen noch schwieriger, die Gesundheitsversorgung wahrzunehmen.

"Wenn Sie in ein medizinisches Zentrum gehen, wartet man oft einen ganzen Tag auf eine Konsultation, weil es zu viele Patienten gibt. Aber wir sind dankbar, dass wir überhaupt Zugang zu medizinischer Versorgung haben." (Salam, ein Patient in Dschibo)

Seit März 2018 arbeiten wir in der chirurgischen Abteilung und der Notaufnahme des medizinischen Zentrums von Dschibo und tragen dazu bei, die Qualität und Verfügbarkeit der sekundären Gesundheitsversorgung sowohl für die Vertriebenen als auch für die aufnehmenden Gemeinden zu verbessern. Darüber hinaus haben wir zwei Gesundheitsposten für die primäre Gesundheitsversorgung eröffnet. Dort bieten wir Beratung für Schwangere und Krankheiten wie Malaria an und verteilen sauberes Wasser.  

Durch die wachsende Unsicherheit in Dschibo ist der Zugang zu Menschen, die am Rande der Stadt leben, schwieriger geworden. Um die Bevölkerung dennoch zu erreichen, haben wir ein Netzwerk von Gesundheitshelfern in der Gemeinde aufgebaut und geschult, um Kinder unter fünf Jahren zu behandeln, die an Malaria, Durchfall oder leichten Infektionen der Atemwege leiden.

Die Malaria-Saison steht bevor

Unsere Teams stellen Menschen in weiten Teilen des Landes eine medizinische Grundversorgung zur Verfügung. Zusätzlich zur Unterstützung städtischer Kliniken betreiben wir auch mobile Kliniken, um Menschen in abgelegenen Gebieten zu versorgen. Eines der größten Gesundheitsprobleme, das unsere Teams beobachten, ist Malaria:

"Letztes Jahr war Malaria das häufigste medizinische Problem bei unseren Patienten. Wir befürchten jetzt das Schlimmste, da sich der saisonale Höhepunkt zwischen Mai und Oktober nähert, viele Gesundheitseinrichtungen geschlossen haben und Menschen in unzugänglichen Gebieten mit sehr eingeschränktem Zugang zu medizinischer Versorgung leben“, berichtet unser Einsatzleiter Hassan Maïyaki.

Gleichzeitig kämpfen diese Gemeinschaften ums Überleben. Sie leben unter prekären Umständen mit mangelndem Zugang zu Wasser und Nahrungsmitteln. Nach Angaben des Welternährungsprogramms könnte sich die Zahl der Menschen, die unter Ernährungsunsicherheit leiden, im Juni von knapp über einer Million auf 2,1 Millionen verdoppeln. Die Ernten des letzten Jahres waren schlecht und die Menschen sind bereits schwach und verletzlich.

Corona verschlimmert Lage

Die ohnehin schon dramatische Situation wird durch den COVID-19-Ausbruch zusätzlich verschärft. Seit Burkina Faso am 9. März seinen ersten Coronavirus-Fall bestätigte, hat das Land in neun seiner 13 Regionen einen raschen Anstieg an Ausbrüchen verzeichnet.

Ärzte ohne Grenzen bereitet sich darauf vor, die Reaktion der Gesundheitsbehörden auf COVID-19 durch eine Reihe von Initiativen zu unterstützen, darunter Gesundheitsförderung, Personalschulung und die Stärkung der Kapazität von Gesundheitseinrichtungen zur Verwaltung und Betreuung von COVID-19-Betroffenen. Dazu gehören Maßnahmen zur Prävention und Eindämmung von Infektionen und die Einrichtung von Isolationsbereichen. Wir bereiten auch die Unterstützung des Fallmanagements in der Hauptstadt Ouagadougou vor und haben mit der Patientversorgung in einer speziellen Einrichtung in Burkina Fasos zweitgrößter Stadt Bobo Dioulasso begonnen.

Eine Priorität für unsere Teams wird es sein, unsere regulären medizinischen Aktivitäten in Burkina Faso fortzusetzen und uns gleichzeitig an die neuen Herausforderungen, die der Ausbruch mit sich bringt, anzupassen.

 

 

 

Teilen

Vervielfältigen