Haiti

Cholera: Ärzte ohne Grenzen weitet die Hilfe landesweit aus

Seit dem 22. Oktober 2010 hat Ärzte ohne Grenzen 62.000 Menschen mit Cholera-Symptomen in Haiti behandelt. Diese Woche haben 4.000 haitianische und 315 internationale Mitarbeiter täglich etwa 2.000 Patienten in 47 Gesundheits- und Cholerabehandlungszentren im ganzen Land versorgt. Verstärkte Verteilung von chloriniertem Wasser in betroffenen Gebieten durch lokale und internationale Organisationen ist notwendig.

Die Anzahl der in den Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen in Port-au-Prince aufgenommenen Patienten hat sich auf einen täglichen Durchschnitt von 385 Patienten diese Woche eingependelt. Ärzte ohne Grenzen hat seit Ausbruch der Epidemie in der Hauptstadt über 15.000 Menschen mit Cholera-Symptomen behandelt. Die Lage stabilisiert sich auch in der Region Artibonite, die am stärksten von der Epidemie getroffen wurde. Dort wurden über 23.000 Menschen behandelt. Diese Woche wurden über 1.000 Personen in den dortigen Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen aufgenommen.

Ausbreitung im Norden und Süden

Die Epidemie breitet sich aber weiterhin im Norden Haitis aus. Im Laufe der letzten Woche wurden über 4.000 Patienten im Norddepartement und 1.100 im Nordwestdepartement behandelt. Die Einsatzteams erhöhen daher die Anzahl der Behandlungszentren und errichten Therapiezentren zur Rehydrierung der Patienten. Dies stellt eine große logistische Herausforderung dar, da die betroffenen Gebiete schwer erreichbar sind.

Die Epidemie hat sich nun auch im Süden stark ausgebreitet, wo seit Beginn insgesamt 475 Menschen behandelt wurden, davon 439 allein in den letzten sieben Tagen. In Jacmel, im Südostdepartement, kommen täglich etwa. 100 Patienten in das 50-Betten- Cholerabehandlungszentrum von Ärzte ohne Grenzen. „Unser Team musste mit einem Ansturm von 260 Menschen an einem einzigen Tag fertig werden“, erklärt Loreto Barcelo, Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Jacmel. „Überall waren Menschen… Patienten, ihre Familien… mehrere hundert Personen im Behandlungszentrum. Wir mussten bis zu vier Patienten in einem einzigen Bett unterbringen und so vielen wie möglich das Leben retten, während wir auf weitere Unterstützung warteten. Nun haben wir 20 zusätzliche Krankenschwestern, die uns unterstützen. Außerdem haben wir ein neues 100-Betten-Behandlungszentrum eröffnet. Dadurch kommen wir nun besser mit der Situation zurande.“

Diese Woche wurden in Pignon, St. Raphaël, Ranquitte (Norddepartment), Gaspard (Nordwestdepartment) und Jérémie (Department Grande Anse) neue Cholera-Behandlungseinrichtungen errichtet. Während sich die Epidemie immer weiter ausbreitet, ist die Reaktion der lokalen und internationalen Organisationen jedoch weiterhin nicht ausreichend.

Versorgung mit Wasser und Verbesserung der Hygienebedingungen

Zu Überlegungen, eine Impfkampagne zu starten, wirft Ärzte ohne Grenzen-Epidemiologin Kate Alberti die Frage auf, ob dies unter den aktuellen Umständen die geeignete Reaktion sei: „Das gesamte Land, selbst die entlegensten Gebiete, sind heute von der Epidemie betroffen. Dies ist nicht der richtige Zeitpunkt, um eine Impfkampagne durchzuführen. Die Behandlung der Erkrankten, die Versorgung mit chloriniertem Wasser und die Verbesserung der hygienischen Bedingungen zur Verhinderung einer Übertragung der Krankheit haben nun absolute Priorität.“ Alberti fügt jedoch hinzu: „In Zukunft werden wir die Impfung als praktikable Möglichkeit, die Bevölkerung gegen die Krankheit zu immunisieren und das Auftreten einer neuerlichen Epidemie zu verhindern, in Betracht ziehen.“

Ärzte ohne Grenzen behandelt Opfer der gewalttätigen Auseinandersetzungen

Zwischen 7. und 12. Dezember hat Ärzte ohne Grenzen 96 Opfer von Gewalt nach den Protesten in Port au Prince und zahlreichen anderen Städten behandelt. 38 Betroffene hatten Schussverletzungen, vier erlagen ihren Verletzungen. Ärzte ohne Grenzen verfügt über chirurgisches Material und medizinische Teams in sechs Einrichtungen in Port-au-Prince und in zwei weiteren anderen Regionen des Landes. Die Einsatzkräfte bleiben in Bereitschaft, um mögliche weitere Verletzte versorgen zu können. Trotz der unsicheren Lage konnten die Teams von Ärzte ohne Grenzen die medizinische Versorgung in den Cholera-Behandlungseinrichtungen und den regulären Hilfsprogrammen aufrechterhalten.

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