Cholera in Haiti: Ärzte ohne Grenzen appelliert an alle Akteure, die Hilfe zu verstärken

PORT-AU-PRINCE, HAITI, / Wien 19. Nov. 2010 —  Es gibt einfache und wirksame Methoden eine Choleraepidemie einzudämmen. Anhaltende Defizite untergraben die Bemühungen der Helfer bei der Bekämpfung des Ausbruchs, gab die internationale medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/ Médecins Sans Frontières (MSF) heute bekannt.

Der enormen Präsenz internationaler Organisationen in Haiti zum Trotz, war die Antwort auf die Cholera bis jetzt im Hinblick auf die Bedürfnisse der Bevölkerung inadäquat. Laut nationaler Behörden hat die Epidemie bereits mehr als tausend Tote gefordert und mindestens 20.000 Menschen sind landesweit erkrankt.

“Ärzte ohne Grenzen ruft alle Akteure in Haiti auf, das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Hilfsbemühungen zu verstärken, um die Menschen, die der Gefahr einer Ansteckung ausgesetzt sind, wirksam zu unterstützen“, sagt Stefano Zannini, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen in Haiti. „Es werden mehr Akteure gebraucht, um die Kranken zu behandeln und vorbeugende Maßnahmen in Gang zu setzen, insbesondere auf Grund des dramatischen Anstieges von Neuerkrankungen quer durchs Land. Es gibt keine Zeit mehr zu diskutieren. Jetzt ist Zeit zu handeln.”

Folgende Maßnahmen haben Priorität:

  • Beruhigen der durch eine im Land bisher unbekannte Krankheit verängstigten Bevölkerung, einschließlich Informationen hinsichtlich des geringen Infektionsrisikos durch ein gut geführtes nahegelegenes Cholera-Behandlungszentrum, sowie Aufklärung bezüglich der Vorteile der Behandlung in nächster Nähe;
  • Bereitstellung von sauberem, chloriniertem Trinkwasser für die betroffenen Bevölkerungsgruppen sowie Risikogruppen im ganzen Land und Verteilung von Seife;
  • Bau von Latrinen und permanenten Müllentsorgungsstellen
  • Sicherstellen von Abfallmanagement einschließlich der Entsorgung in medizinischen Einrichtungen um Ansteckungen zu vermeiden;
  • Errichtung von entsprechenden Mülldeponien nahe von Stadtgebieten unter kontrollierten Bedingungen;
  • Adäquate Verteilstellen von Rehydrations-Trinklösung in Regionen, wo Cholerafälle auftreten;
  • Instandhaltung eines zuverlässigen und wirksamen Netzwerkes für die Überstellung von Schwerkranken in die Cholera-Behandlungszentren;
  • Abholung und Bestattung von Verstorbenen unter strikter Einhaltung der nötigen hygienischen Bedingungen;

Seit dem Ausbruch der Epidemie hat Ärzte ohne Grenzen mehr als 20 Cholera-Behandlungseinrichtungen in der Hauptstadt Port au Prince, in der Region Artibonite und im Norden Haitis errichtet. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen haben zwischen dem 22. Oktober und dem 14. November mehr als 16.500 Patienten behandelt und über 240 Tonnen an medizinischem und logistischem Material ins Land gebracht. Mehr als 1000 Haitianische und 150 internationale Mitarbeiter arbeiten rund um die Uhr in den Cholera-Programmen.

„Cholera ist eine Krankheit, die sehr einfach verhindert werden kann“, erklärt Caroline Seguin, medizinische Notfallkoordinatorin von MSF. „Sie mag in Haiti neu sein, aber die Wege die Krankheit zu behandeln und ihre Ausbreitung verhindern sind lange bekannt. Ohne eine sofortige Aufstockung der notwendigen Maßnahmen durch internationale Organisationen und die haitianische Regierung können wir allein diese Epidemie nicht eindämmen.“

In Port au Prince erhöhte sich die Zahl der Personen die in den zahlreichen Cholera-Behandlungseinrichtungen, die von Ärzte ohne Grenzen geführt oder unterstützt werden, von 350 Ende der Woche des 7. November auf 2.250 Fälle am Ende der Woche des 14. Novembers. Im Norden des Landes sprang die Zahl der Cholera-Patienten in den MSF Einrichtungen im selben Zeitraum von 280 auf 1.200 Fälle.

Mehr als 3000 haitianische und internationale Mitarbeiter leisten der Bevölkerung Haitis auch abseits des Cholera-Noteinsatzes Unterstützung in regulären Hilfsprogrammen. Sie betreiben sieben Krankenhäuser, die kostenlose Behandlung anbieten und unterstützen zwei Einrichtungen des Gesundheitsministeriums in Port au Prince. Ärzte ohne Grenzen bietet damit insgesamt 1000 Krankenhausbetten in der Hauptstadt an. Außerhalb von Port au Prince unterstützt Ärzte ohne Grenzen das Krankenhaus des Gesundheitsministeriums in der Stadt Jacmel mit einer Kapazität von fast 80 Betten. In Leogane betreiben MSF Teams seit Jänner 2010 ein privates Notfallkrankenhaus, das im September in ein Container Spital mit einer Kapazität von 120 Betten transferiert wurde.

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