Elfenbeinküste: Ärzte ohne Grenzen fordert Zugang zu Patienten im kriegsgebeutelten Abidjan

Paris/Wien, 4. April 2011 – Die internationale medizinische humanitäre Organisation Ärzte ohne Grenzen / Médecins Sans Frontières (MSF) ruft alle Krieg führenden Parteien in Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) dazu auf, den betroffenen Menschen den sicheren Zugang zu medizinischen Einrichtungen zu ermöglichen. Zudem müssen die medizinischen Teams von Ärzte ohne Grenzen sich frei in der Hafenstadt Abidjan sowie in anderen von den Kämpfen betroffenen Gebieten des Landes bewegen können.

Aufgrund der äußerst gefährlichen Sicherheitslage steckt ein Team von Ärzte ohne Grenzen seit dem 31. März im Abobo Süd Spital von Abidjan fest. Zusammen mit den ivorischen Gesundheitsbehörden behandelt das Team täglich 30 bis 40 Verletzte – jene, die sich in der Nähe des Spitals befinden und es schaffen, alleine oder mithilfe von Nachbarn in einem Anhänger hergebracht zu werden.

„Die Menschen bitten uns telefonisch um Hilfe, aber wir können die Verletzten nicht abholen, weil es unmöglich ist, sich in der Stadt zu bewegen“, sagt Dr. Salha Issoufou, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen in Abidjan. Abobo Süd ist das einzige noch funktionierende Spital in der nördlichen Hälfte der Stadt. Die Pläne Verwundete ins Spital zu bringen, können aufgrund der Kämpfe und Plünderungen nicht umgesetzt werden. Rettungswägen können in der Stadt nicht eingesetzt werden.

Drohende Medikamenten-Knappheit

Die lähmende Gewalt hält Ärzte ohne Grenzen zudem davon ab, das Spital Abobo Süd mit Medikamenten und medizinischem Material zu versorgen. „Wenn es so weiter geht, werden wir innerhalb von wenigen Tagen keine Betäubungsmittel, steriles Verbandsmaterial und chirurgischen Handschuhe mehr haben“, sagt Dr. Issoufou.

Am 3. April konnte ein Ärzte ohne Grenzen-Team dank der Bemühungen des ivorischen Roten Kreuzes das Universitätsspital Treichville im Süden von Abidjan mit Material zur Behandlung von Verletzten versorgen. Doch die allgemeinen Bedürfnisse sind riesig und viele öffentlichen Spitäler, die von Ärzte ohne Grenzen beliefert worden waren, können aufgrund der Gewalt nicht mehr erreicht werden. Patienten mit chronischen Krankheiten, unter anderem auch Dialyse-Patienten, sind schon jetzt gefährdet.

Zivilbevölkerung muss geschützt werden

Auch im Westen des Landes ist die Situation chaotisch und die Spannungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen sind äußerst besorgniserregend. Ärzte ohne Grenzen fordert die Verantwortlichen dazu auf, alles zu tun, damit die Zivilbevölkerung nicht zur Zielscheibe der Gewalt wird. Ärzte ohne Grenzen-Teams haben vom 28. April bis zum 3. April in den westlichen Städten Bangolo und Duékoué eine große Anzahl Verwundeter behandelt (146 im Spital von Bangolo und 285 in Duékoué).

„Obwohl die Offensive in diesem Gebiet zu Ende ist, kommen immer noch viele Verletzte zu uns, was deutlich zeigt, dass in der Gegend weiterhin Gewalt herrscht“, sagt Renzo Fricke, Notfallkoordinator von Ärzte ohne Grenzen.

Zehntausende Menschen sind vor den Kämpfen im Westen geflüchtet, zum Teil bis ins benachbarte Liberia. Duékoué, wo vor kurzem noch Plünderungen stattgefunden haben, bietet zurzeit 15.000 bis 20.000 Vertriebenen Zuflucht. Während Ärzte ohne Grenzen im provisorischen Lager die medizinische Versorgung sicherstellt, ist der Mangel an Lebensmitteln und Wasser groß. Die Ärzte ohne Grenzen-Teams behandeln auch Patienten in den Städten Man, Danané, and Guiglo sowie innerhalb von Liberia.

Ärzte ohne Grenzen ist eine humanitäre Organisation, die unabhängige medizinische Hilfe leistet und sich dabei strikt an das Prinzip der Neutralität hält. Die Hilfseinsätze in der Elfenbeinküste  werden ausschließlich von privaten Spenden finanziert, um eine vollkommene Unabhängigkeit zu gewährleisten.

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