Demokratische Republik Kongo

Demokratische Republik Kongo: Ärzte ohne Grenzen muss sich aus Süd-Kivu zurückziehen

Bukavu, 12. April 2011 –Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen wurden am 10. April von bewaffneten Männern angegriffen. Die Vorkommnisse zwingen die medizinische Nothilfeorganisation dazu, ihre medizinischen Aktivitäten in dieser Gegend einzustellen. Tausende Menschen sind dadurch von der medizinischen Versorgung abgeschnitten.

Am Sonntag 10. April 2011 sind Teams von Médecins Sans Frontières / Ärzte ohne Grenzen (MSF) in zwei verschiedenen Orten der Provinz Südkivu in der Demokratischen Republik Kongo (D.R. Kongo) angegriffen worden. Bei einem der Zwischenfälle erlitten zwei Ärzte ohne Grenzen-Mitarbeiter Schusswunden. Ärzte ohne Grenzen ist äusserst besorgt über die Verschlechterung der Sicherheitslage in Südkivu und verurteilt die Gewalt gegen ihre Mitarbeiter. Angesichts der unsicheren Lage und dem fehlenden Respekt für humanitäre Arbeit hat Ärzte ohne Grenzen entschieden, bis auf weiteres die medizinischen Aktivitäten in den Gebieten Uvira, Hauts Plateaux und Shabunda einzustellen.

Bewaffnete Überfälle

Am Sonntagmorgen überfielen bewaffnete, uniformierte Männer zwei Fahrzeuge von Ärzte ohne Grenzen, die sich auf dem Weg nach Marung, in der Nähe von Hauts Plateaux, befanden. Sie feuerten Schüsse in die Luft, raubten die Ärzte ohne Grenzen-Fahrer aus und entwendeten das gesamte mitgeführte Material. Etwas später am gleichen Nachmittag wurde ein weiteres Ärzte ohne Grenzen-Fahrzeug ebenfalls von bewaffneten, uniformierten Männern auf dem Weg zwischen Bukavu und Uvira, in der Nähe von Kamanyola, angegriffen. Zwei Personen, ein nationaler und ein internationaler Ärzte ohne Grenzen-Mitarbeiter, erlitten Schussverletzungen. Beide wurden sofort medizinisch versorgt und befinden sich zurzeit in einem stabilen Zustand.

„Nach diesen schweren Zwischenfällen haben wir entschieden, bis auf weiteres unsere medizinischen Aktivitäten in Südkivu einzustellen“, sagt Jean Marc Cordaro, Direktor der Einsätze von Ärzte ohne Grenzen. „Es ist eine schwierige Entscheidung, denn sie trifft viele Menschen in der Region, die kaum Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Doch ohne ein Mindestmass an Sicherheit und ohne den Respekt für humanitäre Mitarbeiter, können wir nicht arbeiten.“ Ärzte ohne Grenzen wird die lebensrettenden Nothilfeaktivitäten in Spitälern aber weiterhin fortführen.

Sorge über Verschlechterung der Lage

Ärzte ohne Grenzen ist äußerst besorgt über die Verschlechterung der Sicherheitslage in dieser Gegend und verurteilt jegliche Art von Gewalt gegen humanitäre Mitarbeiter scharf. Ärzte ohne Grenzen betont einmal mehr, dass die Neutralität von medizinischen Einrichtungen, Fahrzeugen und Mitarbeitern von allen beteiligten Parteien respektiert werden muss, wenn die dringend notwendige medizinische Versorgung für die Menschen in Südkivu weiter bestehen soll.

Ärzte ohne Grenzen leistet medizinische Hilfe für tausende Vertriebene sowie für die ansässige Bevölkerung in Südkivu und reagiert zudem auf Notfälle. Ärzte ohne Grenzen-Teams konnten viele isolierte Gegenden von Südkivu, wie etwa Hauts Plateaux und Shabunda erreichen, wo die Menschen nur limitierten Zugang zu Gesundheitsversorgung haben. Ärzte ohne Grenzen führt zudem ein medizinisches Projekt in Kalonge und ein Spital in Baraka. In vier Projekten bietet Ärzte ohne Grenzen zurzeit medizinische Versorgung für mehr als 30.000 Menschen monatlich.

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