Demokratische Republik Kongo

Demokratische Republik Kongo: Eine Stimme aus dem Einsatz

Barrie Rooney, Laborwissenschaftlerin aus County Leitrim, Irland, hat ihren Dozentenjob in England an den Nagel gehängt, um sich einem Team von Ärzte ohne Grenzen/ Médecins sans Frontières  (MSF) anzuschließen, das in einem entlegenen Gebiet des Kongos die Schlafkrankheit bekämpft.

"Ich arbeite seit zehn Jahren in Programmen von Ärzte ohne Grenzen, bin aber immer noch überrascht von der Widerstandsfähigkeit und Stärke mancher Menschen in entlegenen Gebieten."

Ein unparteiischer Parasit

„Schlafkrankheit hört sich harmlos an, ist aber ein langsamer Killer. Landesgrenzen (der Tsetse-Fliege unbekannt), die kreuz und quer durch den Wald verlaufen, bringen Rebellen, Kämpfe, Armeen und zwangsläufig Flüchtlinge. Der Parasit ist unparteiisch und wird weiterhin neue Menschen und Gebiete infizieren.""Als ich zu dem Team von Ärzte ohne Grenzen dazukam, war es gerade dabei, in eine Region im Nordosten des Kongos aufzubrechen. Im dem Land sind mehr als zwei Drittel aller aktuellen Schlafkrankheitsfälle zu finden. Tausende Menschen leben in Dörfern im Wald, die so unzugänglich sind, dass weder medizinische Versorgung möglich, noch Ressourcen vorhanden sind. Die Hälfte der Dörfer sind abgelegen, unerreichbar und unsicher."

Auf zum Screening

„Vor vier Jahren wurden viele Fälle der Schlafkrankheit in dieser Gegend gefunden, aufgrund der unsicheren Lage war es allerdings gefährlich für medizinische Teams zu intervenieren. Nachdem einige alte Krankenhauszimmer und ein Kloster saniert wurden, haben wir sofort ein lokales Team angefordert. Nach drei Wochen kam ein LKW mit Vorräten, jetzt sind wir im Stande uns die Lage genau anzusehen."

"Die Schlafkrankheit zu diagnostizieren ist ein komplexes Unterfangen, man benötigt ausgebildetes Personal, elektrisches Equipment und einen Kühlschrank. Jeeps können die Hauptwege im Wald befahren, wenn allerdings die Regenzeit beginnt, werden Brücken notwendig um die Tümpel und Bäche zu durchqueren. An den Stellen, wo keine Brücken vorhanden sind, verwenden wir Motorräder, die von bereitwilligen lokalen Fahrern gelenkt werden. Sechs Techniker und unsere gesamte Ausrüstung – inklusive eines Generators und Mikroskopen – werden in den Bamboo Wald gebracht, um Lichtungen zu erreichen, auf denen die Bevölkerung ihre Ernte anbaut."

Früher Start

„Um sieben Uhr morgens müssen wir in den Dörfern sein, da wir ungefähr 80 Prozent der Menschen dort auf die Krankheit untersuchen müssen um die Verbreitung des Parasites zu vermeiden. Überall am Weg begrüßen uns Menschen und bitten uns, kranke Verwandte in deren Hütten zu untersuchen, da sie nicht in der Lage sind in das nächstgelegene Dorf zu reisen. Für diese Fälle ist das Einzige, das wir anbieten können, sie mit dem Motorrad in unser reaktiviertes Krankenhaus zu bringen, egal wie alt oder in welcher gesundheitlichen Verfassung sie sind. Ohne Behandlung würden sie höchstwahrscheinlich sterben."

Nachts in der Notaufnahme

"Als Freiwillige von Ärzte ohne Grenzen weisen wir keine Notfälle ab, wir behandeln sie in der Notaufnahme, die sich in der Nähe unserer Basis befindet. Manchmal bedeutet das Tag und Nacht zu arbeiten, so wie einmal in einer feuchten Vollmondnacht im Mai. Ich wurde um vier Uhr in der Früh von einer Krankenschwester geweckt. Sie sagte, ein zweijähriger Junge, Jeremy, wurde gerade mit schwerer Malaria eingeliefert. Er benötigte sofort eine Bluttransfusion. Labortests stellen sicher, dass nur sauberes, verträgliches Blut gespendet wird. Begleitet von einem Wächter und im Versuch auf möglichst keine Schlangen zu treten, haben wir uns auf den Weg in die Notaufnahme gemacht. In der glühend nebligen Nacht zogen unsere Lichter Millionen von Termiten an.Wir öffneten das Labor und starteten den Generator. Jeremy lag mit Atemschwierigkeiten in den Armen seiner Mutter. Die Suche nach einer Vene war kompliziert. Am Ende waren wir erfolgreich, das Blut tröpfelte langsam durch den Katheter in seinen Arm. Der Wächter und ich kehrten durch den Termitennebel zu unserer Basis zurück. Als die Sonne um sechs Uhr aufging, war das Laborteam bereit einen neuen Screening-Tag zu beginnen, zufrieden mit der Tatsache, dass wir unser Bestes gegeben haben."

Eine kühne Herausforderung

„Seit zehn Jahren bin ich für Ärzte ohne Grenzen in Schlafkrankheitsprogrammen unterwegs. In dieser Zeit habe ich einen starken Rückgang der Krankheit erleben dürfen: 1998 gab es 300.000 neue Fälle; heute sind es zwischen 50.000 und 70.000, das ist wirklich ermutigend. Vielleicht ist es sogar möglich diesen Parasiten, der eine Bedrohung für Millionen von Menschen in der Sub-Sahara ist, gänzlich zu eliminieren. Das mobile Team für das ich arbeite, steht im Mittelpunkt dieser kühnen Herausforderung."

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